Auf dem Markt für M&A-Transaktionen von KMU fehlt es in der Schweiz an Transparenz. Nicht so in England, wo mittels einer Erhebung durch BDO in diesem Marktsegment sowohl das Transaktionsvolumen als auch Preisindizes (PCPI/PEPI) erhoben werden. Lassen sich aufgrund dieser Erhebung Schlussfolgerungen der Auswirkungen der Finanzkrise auf den M&A-Markt von KMU in der Schweiz ziehen?

PCPI/PEPI bestmöglich nutzen

Der Private Company Price Index (PCPI) resp. der Private Equity Price Index (PEPI) verfolgt die Be-ziehung zwischen dem aktuellen Viermonatsschnitt des P/E-Ratio nach dem FTSE (Financial Times Stock Exchange) Non-Financials-Index (NF) und den aktuell beim Verkauf nicht börsennotierter Unternehmen an Corporate resp. Private Equity Buyers bezahlten Preisen.

Das P/E-Ratio nach dem FTNF wird aus den in der FT veröffentlichten P/E berechnet. Das P/E-Ratio nicht börsennotierter Unternehmen wird aus öffentlich zugänglichen Daten über die im Quartal vollzogenen Transaktionen berechnet. Im Q3 2008 zeigt der PCPI, dass nicht börsennotierte Unternehmen zum 11,5-Fachen ihrer historischen Gewinne an Corporate Buyers verkauft werden. Dem PEPI ist zu entnehmen, dass nicht börsennotierte Unternehmen zum 11,2-Fachen ihrer historischen Gewinne an Private-Equity Buyers verkauft werden.

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Da nicht börsennotierte Firmen im Allgemeinen von ihren Eigentümern geleitet werden, sind gemeldete oder offengelegte Gewinne durch verschiedene Kosten, die unter einem neuen Eigentümer möglicherweise wegfallen, tendenziell geschmälert. In dem vom Käufer bezahlten Preis ist dies einkalkuliert, in den offengelegten Gewinnen spiegelt sich dies jedoch nicht unbedingt wider. Das auf Basis öffentlich verfügbarer Daten kalkulierte P/E-Ratio kann daher übertrieben sein.

Preise sind stabil

Im Q3 2008 hat sich die Anzahl der Übernahmen drastisch verringert; die Preise blieben jedoch stabil. Das P/E-Ratio lag nach dem PCPI mit 11,5 nur knapp über dem Wert des vorherigen Quartals (11,3). Das P/E-Ratio nach dem PEPI war mit 11,2 gegenüber dem Wert der vorherigen Quartale von 11,1 ebenfalls weitgehend unverändert. Im Vergleich dazu fiel der FTNF in diesem Quartal um 11% von 12,4 auf 11,0.

Dass die P/E-Ratios öffentlich gelisteter Unternehmen im Durchschnitt fielen, während die entsprechenden Zahlen nicht börsennotierter Unternehmen nicht zurückgingen, liegt hauptsächlich daran, dass sich Kennzahlen in öffentlichen Märkten zeitnah ändern. Die jüngsten Finanzmarktturbulenzen werden die Verzögerung oder das Scheitern vieler Geschäfte bewirkt haben. Dies hat sich in den Volumen be-reits niedergeschlagen. Die Auswirkungen auf die Preise werden jedoch nicht vor dem Q4 2008 in den Indizes erkennbar sein.

In Anbetracht der verringerten Transaktionsvolumen lassen die konstanten Preise bei nicht börsennotierten Unternehmen darauf schliessen, dass Eigentümer, die nicht unbedingt verkaufen müssen, eher bessere Preise abwarten als sich gezwungen zu sehen, in einem unruhigen Markt mit Preisabschlag zu verkaufen.

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Die Gesamtzahl der Deals lag im Q3 2008 mit 567 um 35% niedriger als im Q3 2007. Das Volumen der Verkäufe an Corporate Buyers fiel im Laufe des Jahres um 36%, und das an Private Equity Buyers um 28%.

Im 2. Halbjahr 2007 gab es auf dem Markt für grossvolumige Transaktionen (über 250 Mio Pfund) erste Anzeichen einer Abschwächung, da sich die Banken bei der gegenseitigen Kreditvergabe zurückhielten und die erforderliche Syndizierung nahezu unmöglich wurde. Im mittleren Marktsegment waren die Auswirkungen weniger spürbar, da die meisten Transaktionen leicht durch einzelne Kreditgeber finanziert werden konnten. Seit dem Q3 2008 wirkt sich die Lähmung auf den Bankenmärkten jedoch auf alle Geschäfte aus, unabhängig von deren Volumen.

Qualität vor Quantität

Wegen der raschen Kontraktion des Finanzmarkts werden nur noch Übernahmen von echter Qualität getätigt. Das bedeutet, dass das Interesse von Käufern nach wie vor besteht, auch wenn die geforderten Erträge höher und die Genehmigungsverfahren umständlicher sind.

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Angesichts der rückläufigen Umsatzerwartungen wird 2009 aus unserer Sicht auch in der Schweiz von einer wachsenden Anzahl von Unternehmen geprägt sein, die unter der schlechteren Konjunktur leiden und gegenüber ihren Kreditgebern in Verzug geraten werden. Dies dürfte zu einer beträchtlichen Zunahme des Volumens beschleu-nigter M&A-Geschäfte führen, was für ertragsstarke Käufer, die durch den Erwerb unterbewerteter Aktiven ihren Marktanteil vergrössern wollen, eine gute Nachricht ist.