Die hohen Ölpreise haben die Airlines weltweit in eine Krise gestürzt. Giovanni Bisignani, Generaldirektor der International Air Transport Association Iata, hat deshalb die Gewinnprognose zum dritten Mal in diesem Jahr gesenkt. «Wir werden 2008 wieder im roten Bereich landen», sagte Bisignani auf der Iata-Jahrestagung. Dabei rechnet die Iata mit einem durchschnittlichen Ölpreis von rund 107 Dollar pro Barrel, was 159 l entspricht. «Bei jedem Dollar mehr steigen unsere Kosten um weitere 1,6 Mrd Dollar», sagte der Iata-Chef. Falls der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau verharre, würden die rund 240 Iata-Mitglieds-Airlines allein in diesem Jahr 6,1 Mrd Dollar Verlust einfliegen.

«Da ist kein Speck mehr»

Und viele werden das wohl nicht mehr überleben. «Da ist kein Speck mehr», sagte Bisignani. Denn allein in den vergangenen sechs Monaten haben die Airline-Manager rund 20% Kerosin durch den Einsatz neuer Flugzeuge und Streckenoptimierungen eingespart. Dazu kamen noch 18% bei den anderen Kostenposten. Sollte der Ölpreis so hoch bleiben, rechnet die Iata in den kommenden zwölf Monaten dagegen mit 99 Mrd Dollar Mehrkosten für Kerosin.

Bisignani hält bereits heute die Auswirkungen der Krise für schlimmer als nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 in New York. Damals habe es ein Nachfrageproblem gegeben. Heute leide die Branche unter einem Kostenproblem und nachlassender Nachfrage, ausgelöst durch die Kreditkrise in den USA. «Das wird nur schwer in den Griff zu bekommen sein», prognostizierte Bisignani.

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Weltweit erhöhen die Airlines deshalb die Preise, teils direkt oder über die Anhebung von Gebühren oder Treibstoffzuschlägen.

Andere nehmen allerdings immer noch hohe Verluste in Kauf, um keine Marktanteile zu verlieren. Naresh Goyal, Gründer und Chairman der indischen Jet Airways forderte seine Kollegen deshalb auf, ihre teils «irrationale Preispolitik» aufzugeben. «Sie können nicht für immer unter Ihren Kosten verkaufen.»

Laut Bisignani haben weltweit in den vergangenen sechs Monaten bereits 24 Airlines ihren Flugbetrieb eingestellt. Dazu gehörten unter anderem der Langstrecken-Billiganbieter Oasis, der ursprünglich auch den Flughafen Zürich und den neuen Grossflughafen Berlin-Schönefeld ansteuern wollte. Am vergangenen Wochenende meldete der Businessklasse-Anbieter Silverjet Konkurs an.

«Verrückte Besteuerung»

Die Iata fordert nun vor allem von den Regierungen schnelle Hilfe. Diese müssten jetzt die teils «verrückte Besteuerung» der Airline-Industrie stoppen, Monopolisten im Flughafenbereich wirksam regulieren und die Infrastruktur erneuern. Zudem müsse endlich die Flugsicherung in Europa vereinheitlicht werden. Dies würde allein zu erheblichen CO2-Einsparungen im Flugverkehr führen. Eine Einbeziehung der Airline-Industrie in den Emissionshandel dürfe dagegen nur auf globaler Ebene installiert werden.

Firmen drohen mit Stellenabbau

Weltweit müssten jetzt auch die rund 32 Mio Mitarbeiter der Branche verstehen, dass es zu grossen Arbeitsplatzverlusten kommen wird, wenn «die Kosten nicht weiter gesenkt werden können».

Bei der Lufthansa kam es angesichts von laufenden Tarifverhandlungen mit den Piloten in den vergangenen Wochen bereits zu ersten Warnstreiks. Die Manager der Airline stecken in den Verhandlungen in einer Zwickmühle. Denn die Lufthansa hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingeflogen, den sie trotz des hohen Ölpreises im laufenden Jahr noch steigern will. Der Optimismus ist berechtigt. Denn die Lufthansa hat ihren Kerosinverbrauch für das laufende Jahr zu 85% abgesichert und profitiert damit seit Monaten enorm von der Differenz zwischen dem aktuellen und dem abgesicherten Preis. Die Lufthansa gilt angesichts ihrer Stabilität als sicherer Hafen für trudelnde Airlines. Angeblich haben bereits mehrere grosse Fluggesellschaften bezüglich Möglichkeiten einer Fusion oder auch einer Übernahme in Frankfurt vorgesprochen.