Noch liegt Marktführer Nobel Biocare in der Gunst der Analysten vorne. Doch die Nummer zwei im Markt für Zahnimplantate, das Basler Unternehmen Straumann, holt auf. Während der Kurs der Aktie von Nobel Biocare in den letzten sechs Monaten um über 28% auf zuletzt 314 Fr. sank, hielten sich die Titel von Straumann erstaunlich stabil: Sie weisen für den gleichen Zeitraum ein Minus von 7% auf und standen zuletzt bei 320 Fr.

Ortswahl kein Zufall

Jetzt setzt das Straumann-Management mit CEO Gilbert Achermann alles daran, dass dieser positive Trend anhalten wird. Nützen will es dazu auch den anstehenden Investorentag vom 28. September. Am US-Hauptsitz nördlich von Boston wollen neben Achermann auch Finanzchef Marco Gadola, Verkaufs- und Marketingdirektor Franz Maier und Produktechef Sandro Matter über die Trends der Branche und die damit verbundenen Wachstumsimpulse für Straumann sprechen. Das Management liess bereits durchblicken, dass es erstmals auch einen Ausblick bis zum Geschäftsjahr 2010 wagen möchte. Straumann hat diesen Anlass nicht zufällig in den USA angesetzt. Dort hatte die Firma in der Vergangenheit Schwierigkeiten, sieht sich jetzt in Amerika aber wieder auf Wachstumskurs. In diesem Zusammenhang erwarten die Investoren aber ein Update zum Verkaufsstopp der Produkte der Straumann-Tochter Biora in den USA. Betroffen sind etwa ein Knochenersatzmaterial und ein Gel zur Zahnwurzelbehandlung. Bis jetzt geht CEO Achermann davon aus, dass dieses Verbot nicht vor Ende 2007 aufgehoben wird.
Zugleich rechnen Beobachter damit, dass Straumann auch über den aktuellen Stand der Dinge bezüglich der neulich erworbenen Firma Etcon informieren wird.
Die ehemalige Chefin von Nobel Biocare, Heliane Canepa, erlebte am letzten Sonntag einen vergnügten Nachmittag. Sie sah zusammen mit ihrem Ehemann Ancillo Canepa den Sieg des FC Zürich gegen den Stadtrivalen GC; Ancillo Canepa ist FCZ-Präsident. Gleichzeitig musste sich Heliane Canepas Nachfolger Domenico Scala auf den Investorentag der Firma in den USA vorbereiten. Dieser findet am 26. September statt und wird einer seiner
ersten grossen Auftritte als neuer CEO sein.

Nach dem abrupten Wechsel an der Spitze des schwedisch-schweizerischen Konzerns und einer Reduktion der Prognosen für das Jahr 2007 muss Nobel Biocare das Vertrauen des Marktes zurückgewinnen. Denn die Meinungen sind unterschiedlich: Die Deutsche Bank beispielsweise gesteht der Aktie ein Aufwärtspotenzial von satten 30% zu. Das schwedische Wirtschaftsmagazin «Veckans Affärer» wiederum hegt Zweifel, ob Scala der richtige Mann für Nobel Biocare sei – und empfiehlt die Aktie deshalb zum Verkauf.

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