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E-Commerce
Zalando föhnt den Schweizer Umsatz hoch

Zalando in der Schweiz: 36 500 Pakete rein, 22 000 Pakete raus - und das Werktag für Werktag.

Zalando steigert den Umsatz in der Schweiz markant auf 685 Millionen Franken. Und will nun auch die Beauty-Welt erobern.

Andreas Güntert
Von Andreas Güntert
am 07.02.2018

Der deutsche Online-Gigant Zalando hat sein Geschäft 2017 hierzulande kräftig ausgebaut. E-Commerce-Experte Thomas Lang von der Beratungsfirma Carpathia errechnet einen Zalando-Umsatz von 685 Millionen Franken, was einem Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Zalando liegt damit in etwa gleichauf mit Marktführer H&M, der 2017 in Lokalwährung acht Prozent verlor und 695 Millionen Franken umsetzte. Entwickeln sich die Dinge weiter wie bisher, so wird Zalando die Schweden schon dieses Jahr vom Schweizer Thron stossen.

Jetzt steigt auch die Generation ü50 ein

Während der Modemarkt hierzulande weiterhin rückläufige Tendenz aufweist, gelinge es Zalando durch Kundenfokus, Online-Konzentration und steigende Akzeptanz bei älteren Kunden zuzulegen, sagt Lang. Beim europaweiten Marktforscher Euromonitor sieht man einen weiteren Grund für das hierzulande schier ungebremste Vorpreschen von Zalando: «Die Schweiz erlebt im Modemarkt derzeit eine Verlagerung von Luxus-Brands zu mittelpreisigen Marken.»

Das helfe einem Anbieter wie Zalando, der in genau jenem Bereich aktiv sei, sich eine Gefolgschaft im jüngeren Segment aufgebaut habe und seine Zielgruppen jetzt noch erweitern könne.

So sieht es auch Lang, der für seine Schweiz-Schätzung – Zalando selber publiziert keine Resultate auf Länderstufe – auf Paketmengen und durchschnittliche Bestellwerte abstützt: «Zalando ist hierzulande längst kein Teenie-Anbieter mehr. Auch über 50-Jährige bestellen jetzt dort. Da öffnen sich ganz neue Schleusen», sagt der E-Commerce-Experte.

Retourenquote weiterhin über 50 Prozent

Eine der Haupt-Attraktionen bei Zalando ist und bleibt die Möglichkeit der kostenlosen Retouren. Davon machen Schweizer, ungeachtet aller ökologischen Implikationen, begeistert Gebrauch. Lang rechnet, dass 2017 nicht weniger als 9,5 Millionen Zalando-Pakete in die Schweiz kamen, 5,7 Millionen wurden wieder zurückspediert.

In absoluten Zahlen und mit einer postalischen Fünftageswoche gerechnet: Tag für Tag gelangen demnach durchschnittlich 36 500 Zalando-Päckli in die Schweiz, und 22 000 verlassen das Land als Retouren wieder.

Zalando liebt Retouren

Für die Firma offenbar kein Alarmsignal, sondern ein Anzeichen dafür, zielrein unterwegs zu sein: Kunden, die sehr viel Ware retournieren, gelten bei Zalando als profitablere Abnehmer gegenüber solchen, die weniger zurückschicken.

Weil diese heavy user «letztlich das Konzept bewusster nutzen», wie Zalando-Gründer und Co-Chef Robert Gentz 2016 der «Handelszeitung» erklärte.

Mit solchen Vielnutzern und Vielversendern lassen sich weiterhin gute Geschäfte machen, ist Lang überzeugt: «Aktuell ist kein Grund ersichtlich, warum sich das nicht fortsetzen sollte. Der Online-Anteil im Modesegment wächst und Zalando wird mitwachsen. Bisher jedenfalls ist es dem  Unternehmen gelungen, das ganze Online-Wachstum grossmehrheitlich selber abzuholen.»

Vom Schrank in die Kommode

Das strebt die Firma jetzt auch im neuen Feld an. Zalando sucht nicht nur Platz in unseren Kleiderkästen, sondern bald auch in unseren Beauty-Kommoden. «Wir werden Beauty erst in Deutschland starten und zu einem späteren Zeitpunkt über ein mögliches Ausrollen der Kategorie in andere Märkte entscheiden», sagt-Zalando-Sprecherin Julia Zweigle. Marktbeobachter glauben, dass Zalando damit bald auch in der Schweiz aktiv wird.

«Mit mehr als 100 Marken sind wir aktuell im Gespräch», sagt Zweigle. Mehr als 30 hätten bereits zugesagt, darunter Schwergewichte wie L’Oreal oder Maybelline. Doch der Online-Turbo zielt nicht nur auf den Markt der dekorativen Kosmetik (Lippenstift, Lidschatten, Wimperntusche etc), den Euromonitor hierzulande auf ein Volumen von 350 Millionen Franken veranschlagt. Sondern auch auf Parfum und Beauty-Equipment wie Haartrockner und -Glätter.

Gleichzeitiger Online- und Offline-Start

Zeitgleich mit dem neuen Online-Beauty-Angebot will Zalando in Berlin Offline für Aufsehen sorgen: Mit der Eröffnung eines Schönheits-Ladens oder, wie Zweigle sagt, einem «Beauty Concept Store». Ort und genaues Startdatum: Noch geheim.

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