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Zalando: Strohfeuer statt Kursfeuerwerk

Die drei Zalando-Chefs Ritter, Schneider und Gentz: Kein Kursfeuerwerk.  Keystone

Models liefen umher. Lametta überall. Ein grosses Spektakel begleitete den Börsengang des Online-Modehändlers. Das Kursfeuerwerk brannte aber schnell nieder. Zum Schluss blieben nur 5 Cent.

Veröffentlicht am 01.10.2014

Mit grosser Show hat der deutsche Online-Modehändler Zalando am Mittwoch in Frankfurt sein Börsendebüt gefeiert: Vor dem Gebäude in Frankfurt wurde ein Paketband nachgebaut, an dem Mitarbeiter Ware in Pakete packten, die später in der Innenstadt verschenkt wurden. Ein mit Schaufensterpuppen gesäumter Laufsteg führte in die Börse. Im Saal standen Zalando-Kartons auf den Händler-Tischen. Vereinzelt waren Schuhe drapiert.

Acht Models liefe herum. Sie trugen, klar, Zalando, und kamen kaum durch die Menschenmenge durch. Sie drapierten sich auf einer Treppe im Handelssaal. Und lächelten. Lametta überall.

Fulminanter Einstand

Der Einstand war dann tatsächlich fulminant: Mit einem Kurssprung von zwölf Prozent hat seinen Einstand an der Börse gefeiert.Das anfängliche Kursfeuerwerk brannte allerdings schnell nieder. Mit 21.52 Euro lag die Aktie am späten Nachmittag zeitweise nur noch zwei Cents über dem Ausgabekurs von 21.50 Euro.

Kein rechter Grund für Anleger, um vor Glück zu schreien, wie es das Zalando-Werbemotto will. Dabei hatte das Unternehmen bereits Anfang der Woche für eine Überraschung gesorgt, als es die Preisspanne von 18 bis 22.50 Euro nicht voll ausschöpfte.

Flip-Flops aus dem Keller

Die drei jungen Zalando-Chefs Rubin Ritter, David Schneider und Robert Gentz waren am Mittwoch trotzdem in Feierlaune. Die Börsenglocke zu läuten, das sei ein «einmaliger Moment» gewesen, sagte David Schneider, der den Online-Modehändler vor sechs Jahren mitgegründet hatte.

Damals hatten er und sein heutiger Geschäftsleitungskollege Gentz aus einem Keller im Berliner Quartier Mitte heraus angefangen, Flip-Flops über das Internet zu verkaufen. «Dass wir heute hier stehen würden, haben wir uns damals sicher nicht ausgemalt», sagt er.

Börsengang spült 600 Millionen in die Kasse

Der Börsengang bringt Zalando gut 600 Millionen Euro ein, die in den Ausbau des Geschäfts fliessen sollen. Die drei Chefs hielten in der Börse die Glocke über ihren Köpfen wie Sieger eines Fussballspiels einen Pokal. So wirkten sie auch, locker mit Jeans, Hemd und Turnschuhen bekleidet, eher wie Sportler als wie die Chefs eines Unternehmens, das an der Börse mehr als fünf Milliarden Euro wert ist.

Nach dem Spektakel an der Börse wollten sich die Zalando-Chefs bald wieder auf den Heimweg machen - um mit den Mitarbeitern in Büros und Logistikzentren zu feiern. Ab Donnerstag, so Schneider, gehe dann das normale Geschäft weiter.

Keine Internet-Blase

So viel «Lametta» auf dem Börsenparkett hat es nach Aussage von Marktanalyst Robert Halver lange nicht mehr gegeben. Er glaubt aber nicht, dass mit Zalando und der Schwesterfirma Rocket Internet, die ebenfalls an die Börse geht, die Grundlage für eine deutsche Internet-Blase gelegt werde.

«Wenn wir den Neuen Markt im Hinterkopf haben, dann wissen wir, das war damals eine völlig überzogene Euphorie. Was wir im Augenblick an Börsengängen sehen ist eher ein langsamer Weg zurück zur Normalität.»

Weiterer spektakulärer Börsengang steht bevor

Auch Zalando-Mitgründer Gentz will nichts von einer Blase wissen. «Wir bieten den Kunden einen echten Mehrwert, haben zwei Milliarden Euro Umsatz. Und für die ewigen Zweifler haben wir zuletzt auch Profit ausgewiesen», sagte er. 200'000 Euro Gewinn standen unter dem Strich im ersten Halbjahr zu Buche.

Am Donnerstag steht mit dem Debüt der Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet schon der nächste Tech-Börsengang in Frankfurt an. Rockets Mitgründer und Chef Oliver Samwer verkündet gross, man wolle die grösste Online-Plattform ausserhalb der USA und Chinas werden.

Mehr wert als Lufthansa

Die Samwer-Brüder, die bisher die Mehrheit an Rocket hielten, sind auch Grossaktionäre bei Zalando, unter ihrem Dach war der Modehändler gross geworden. Und weil Rocket die Aktien deutlich teurer als Zalando verkauft, soll der Erlös mit 1,6 Milliarden Euro auch merklich höher ausfallen. Rocket Internet wäre dann mehr wert als die Fluggesellschaft Lufthansa, die auf eine Marktkapitalisierung von knapp sechs Milliarden Euro kommt.

Erst vor wenigen Tagen hatte die chinesische Handelsplattform Alibaba in New York vorgemacht, wie ein fulminanter Börsengang mit Kurszuwächsen von fast 40 Prozent aussieht. Dabei war es schon zum Ausgabepreis die bisher grösste Aktienplatzierung mit einem Volumen von 25 Milliarden Dollar.

(sda/ise/gku)

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