Zalando ist online omnipräsent, jetzt treibt der grösste Online-Kleiderhändler Europas seine Offline-Strategie voran. Und die geht weit darüber hinaus, mit der Marke Zalando selbst im Markt zu dominieren: Die Vision von Zalando-Mastermind Robert Gentz heisst Connected Retail. Das heisst, Co-Chef Gentz will den gesamten Modehandel auf einer Plattform zusammenführen – natürlich derjenigen von Zalando – und damit zum Betriebssystem der Mode werden.

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«Bis Ende des Jahres», sagt Gentz der «Handelszeitung», «werden 600 physische Stores an Zalando angebunden sein, darunter Esprit, Tommy Hilfiger, Seidensticker und Drykorn.» Anfang Jahr war noch von 100 Stores die Rede. Konkret bedeutet das: Bestellt ein Kunde aus Zürich bei Zalando ein Hilfiger-Hemd, wird die Order nicht in einem Zalando-Lager in Deutschland verarbeitet, sondern im Hilfiger-Laden an der Bahnhofstrasse.

Vorteil: Die Ware ist viel schneller beim Kunden. «Dem Kunden ist es egal, ob sein Hemd aus einem Laden oder einem Lager kommt», sagt Gentz. Gleichzeitig entstünden für Zalando geringere Kosten und der stationäre Laden steigere seinen Umsatz. Eine Win-Win-Situation also.

Robert Gentz, Co-Gründer und Co-CEO von Zalando. Fotografiert im Hauptsitz Berlin.

Robert Gentz: Co-Gründer und Co-CEO von Zalando.

Quelle: Stephan Floss

Gentz sieht die Stärke von Zalando dabei in der Technologie, die hinter dem gesamten Logistiksystem steckt. «Wir denken als Tech-Plattform», sagt er. Datenanalyse und der Einsatz von künstlicher Intelligenz seien die Stärken von Zalando. Auf diese Weise wolle Zalando zum Beispiel auch die Retouren reduzieren: «Wenn ein Kunde von zehn Modeartikeln drei retourniert, können wir durch künstliche Intelligenz und im Vergleich mit Retouren anderer Kunden herausfinden, was ihm passt.»

1,3 Prozent am europäischen Modehandel

Wichtig sei für Zalando, entsprechend viele Kunden zu haben, um präzise Ergebnisse aus der Datenanalyse zu erzielen. «Im Technologiebereich ist es nun mal so, dass die Grösse eine enorm wichtige Rolle spielt.» Zalando gibt sich dabei bescheiden: Der Modemarkt in Europa sei 422 Milliarden Euro gross, Zalando halte 1,3 Prozent. «Es gibt also noch ganz viel Potenzial.»

Seit 2016 arbeitet Zalando an seiner Offline-Strategie, im kommenden Jahr soll diese auch ausserhalb Deutschlands eingeführt werden. Ob der Retailer in der Schweiz Partner finden wird, ist noch nicht bekannt. Zu Beginn stiess der Offline-Ansatz bei hiesigen Händlern eher auf Skepsis – sie fürchteten, die Datenhoheit an Zalando abgeben zu müssen.

(me)