Die Zahl der Banken in der Schweiz könnte in den nächsten zehn Jahren deutlich sinken. Die Regierung kümmere sich zuerst um das Image des hiesigen Finanzplatzes bei anderen Regierungen und nicht um dessen Ruf bei den Kunden, wirft Thomas Matter, Verwaltungsrats-Präsident der Neuen Helvetischen Bank (NHB) den Behörden in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» (SoZ) vor.

Die Zukunft des Bankenplatzes Schweiz hänge davon ab, ob Vorschriften wie die verschärfte Sorgfaltspflicht wirklich kämen. «Wenn sich der Bundesrat überall durchsetzt, haben wir in zehn Jahren ein Drittel weniger Banken, und als Folge gehen 50'000 Arbeitsplätze verloren», so Matter weiter.

Mit Blick auf das praktisch abgeschaffte Bankgeheimnis für ausländische Kunden und drohende Klagen der US-Justizbehörde gegen Schweizer Banken sagt Matter: «Der Schaden ist bereits angerichtet. Es fliesst Geld aus der Schweiz ab. Für Grossbanken, die ihre Kunden auch in Singapur oder London bedienen können, ist das kein Problem. Für Privatbanken ohne Filialen ausserhalb der Schweiz sieht es düster aus.»

Im Weiteren verneint der NHB-Präsident, dass die Möglichkeit zur Steuerhinterziehung die Hauptattraktivität für ausländische Bankkunden zur Anlage ihrer Gelder in der Schweiz gewesen sei. «Ausländische Kunden hatten bisher drei Gründe, ihr Geld in der Schweiz anzulegen. Top Dienstleistungen, Diskretion und Rechtssicherheit (…) – das (Steuerhinterziehung) war nie der Hauptgrund. Tatsache ist, dass auch die übrigen Vorteile schwinden. Diskretion im Sinne des Schutzes der Privatsphäre fällt als Verkaufsargument weg, und die Rechtssicherheit wankt. Gesetze werden rückwirkend auf Druck ausländischer Regierungen angepasst. Das ist ein Trauerspiel.»

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Den Service verbessern könnten Banken in anderen Ländern auch, so die Antwort Matters auf eine entsprechende Frage der «SoZ». «Sich zu behaupten, wird schwierig, wenn sich die Rahmenbedingungen ständig verschlechtern.»

(vst/awp)