Die Folgen der Subprime-Krise auf das Kundenverhalten gegenüber den Banken und Vermögensverwaltern werden gut ein Jahr nach Beginn der Turbulenzen an den Finanzmärkten kontrovers beurteilt. Eine Umfrage der Schweizerischen Bankiervereinigung kam Anfang 2008 zum Schluss, dass der Bankensektor nach wie vor einen «sehr guten Ruf» geniesse. In der repräsentativen Studie äusserten 57% der Befragten eine positive oder sehr positive Meinung zum Ansehen der Bankenbranche. Gegenüber dem Vorjahr war dies nur ein geringfügiger Rückgang von 2%.

Die persönliche Zufriedenheit der Schweizerinnen und Schweizer mit ihrer Hauptbank blieb auf einem hohen Niveau praktisch konstant. Allerdings erfolgte die Untersuchung zu einem Zeitpunkt, als hohe zusätzliche Abschreibungen bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse noch nicht bekannt waren.

Realinvestition statt Geldanlage

Bei einer drei Monate später von Axa Investment Managers zum Finanzwissen und den Anlagegewohnheiten durchgeführten Umfrage rückte die Vertrauensfrage bereits stärker in den Vordergrund. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Bereitschaft leicht zurück, einen bestimmten Betrag in Geldanlagen zu investieren. Zudem gab es eine Tendenz, den Realinvestitionen, etwa in eine Immobilie, den Vorzug zu geben. Professor Claudia Wöhle von der Universität Salzburg interpretiert dies als «Zeichen einer gewissen Verunsicherung der Anleger aufgrund der jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten». Damit gewinnt die Reputationsfrage an Bedeutung. Geldabflüsse von einer Bank zu einer anderen sind ein Ausdruck von mangelndem Vertrauen.

Kriterium Seriosität

Die Banken sind in einer Umfrage der Hamburger Netbank anfangs Sommer bezüglich der Reputation ebenfalls zurückgefallen. Mehr als ein Drittel der befragten Bankkunden gab an, dass sich die persönliche Einstellung der Branche in den letzten sechs Monaten verschlechtert habe. Für vier von fünf der Befragten waren die Geldinstitute zudem selbst für die aktuelle Vertrauenskrise verantwortlich. Die Wechselbereitschaft zu einem Konkurrenten bleibt jedoch tief. Lediglich 10% sind bereit, die Beziehung mit ihrer Hauptbank in Frage zu stellen.

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Die Studie von Axa Investment Managers zeigt, dass die Seriosität der Gesellschaft für fast jeden dritten Schweizer das wichtigste Kriterium ist. Dahinter folgen die Beratungskompetenz sowie die Bekanntheit oder Reputation des Finanzdienstleisters. Wie weit der Ruf von einzelnen Banken durch die Finanzkrise gelitten hat, lässt sich nach Meinung von Branchenexperten derzeit nur vage abschätzen. Für Thomas-Anton Heinzl von McKinsey Schweiz ist es relevant, ob die Reputation nachhaltig geschädigt wurde: «Das werden wir an den Nettomittelzuflüssen in den nächsten Quartalen sehen.»