1. Home
  2. Unternehmen
  3. Zementlieferungen sofort visualisieren

Zementlieferungen sofort visualisieren

Die Schweizer Landesgesellschaft des Zementkonzerns wickelt ihre Lieferaufträge mit einer neuen innovativen Logistiklösung ab. Das System unterstützt das Supply Chain Event Management.

Von Christian Crowden
am 08.09.2010

Bis vor Kurzem habe sein Büro im aargauischen Zementwerk Siggenthal der Holcim (Schweiz) AG noch völlig anders ausgesehen, erzählt Disponent Herbert Rogg. Die eine Wand sei übervoll mit aufgehängten Faxmeldungen von Kundenbestellungen gewesen. Fast so voll sei angesichts der durchschnittlich 120 bei ihm anfallenden Lastwagenaufträge pro Tag auch sein Kopf mit Einsatzplänen, Ausweichmöglichkeiten und Verschiebungen gewesen, so Rogg. Zudem habe er viel Zeit am Telefon verbracht, um Verspätungen, Zu- und Absagen zu bewältigen und die Fahrer entsprechend zu koordinieren. Heute ist alles anders, sprich bedeutend ruhiger und übersichtlicher. Kein Fax ist mehr an der Wand zu sehen, fast kein Telefongeklingel mehr zu hören - und trotzdem läuft das Geschäft rund.

Zuzuschreiben ist das der vor Monatsfrist vollständig in Betrieb genommenen Lösung Logon, welche die Baustoffherstellerin mit Hilfe des Zürcher Softwarehauses AdNovum realisiert hat. Logon steht für Logistics Online. Das System integriert den vollständigen Verlauf aller Zementlieferungen und deckt die gesamte logistische Prozesskette im Schienen- und Strassenverkehr ab. In der Schweiz und Süddeutschland sind das derzeit etwa 3 Mio t, was insgesamt weit über 100 000 Lieferungen pro Jahr entspricht. Zu den Benutzergruppen dieser neuen Logistik-Plattform zählen neben Mitarbeitern von Holcim auch Disponenten der Dritt-Spediteure und die Kunden selbst, die dadurch direkt in die Holcim Supply Chain integriert sind. Ein wichtiges Merkmal in dieser heterogenen Benutzerlandschaft ist, dass Logon auf modernster Web-Technologie (WEB 2.0) basiert und damit ohne weitere Installation in den gängigen Web-Browsern wie zum Beispiel Firefox oder Internet Explorer läuft. Damit ist die Applikation unabhängig vom Betriebssystem und bietet dem Benutzer trotzdem alle Annehmlichkeiten einer modernen Software wie zum Beispiel Drag & Drop oder das Arbeiten mit Tabellen.

Probleme sofort lösen

Als Besonderheit unterstützt Logon nicht nur das herkömmliche Supply Chain Management, sondern sorgt als Neuheit zusätzlich dafür, dass jeder Einzelschritt in der Lieferkette von der Auftragsannahme bis zum Ablad beim Kunden mittels Ereignissen, sogenannten Events, automatisch überwacht wird. Bei sich abzeichnenden Problemen wie zum Beispiel Verspätungen werden die Anwender mittels verschiedener Warnstatus unverzüglich informiert. Dies ermöglicht ein frühzeitiges Eingreifen und Umplanen. Im besten Falle sind die Probleme gelöst, lange bevor der Kunde etwas davon bemerkt. Durch die Einbindung des interaktiven Kartensystems Google Maps verfügt jeder Benutzer zusätzlich über alle geografischen Informationen der involvierten Lastwagen, Bahnwagen, Routen, Lade- und Lieferorte und Güter. Herbert Rogg bestätigt diese ins Gewicht fallenden Erleichterungen.

Ein Schlüsselelement in diesem sogenannten Supply Chain Event Management sind die mobilen Endgeräte auf den Lastwagen, über welche auch die Fahrer live in die Auftragsabwicklung eingebunden sind. Die Geräte sind ausgerüstet mit GPS für Standortinformation und Navigation, GPRS für die Kommunikation mit dem zentralen System und einem RFID-Modul für das Anmelden bei den Ladestellen und die elektronische Verifikation beim Abladepunkt des Kunden. Warnmeldungen zeigen sofort an, wenn der Abladepunkt falsch ist. Fehlentladungen können damit praktisch ausgeschlossen werden. Auch der Lieferschein ist nun elektronisch - der Kunde unterschreibt direkt auf dem mobilen Endgerät. Wenige Sekunden später steht der Lieferschein auf der Logistikplattform zur Einsicht bereit, inklusive der eingescannten Unterschrift.

Dank Logon lässt sich der gesamte Vertrieb effizient organisieren und kontrollieren. Darüber hinaus bedient es das Management mit Hilfe der zentralen Sammlung geschäftsrelevanter Kennzahlen mit entsprechenden statistischen Auswertungen. Vom ersten Prototypen bis zum Piloten und dem anschliessenden Rollout beanspruchte die Realisierung dieser Softwarelösung rund 150 Personenmonate.

Standardisierte Komponenten

Die Herausforderung bestand darin, den grossen Funktionsumfang in geeigneter Architektur und Technologie bereitzustellen, um die zeitlichen Rahmenbedingungen einzuhalten. Mit der Nutzung von standardisierten Komponenten (Open Source und Java-EE-Standard) wurde auf bewährten Grundlagen und Halbfabrikaten aufgebaut und diese mit Neuem gemischt. Logon integriert sich dank diversen Schnittstellen in die bestehende Systemlandschaft mit SAP und den Wägesystemen und eliminiert die bisherigen Medienbrüche und Redundanzen. Christoph Duijts, Leiter Logistikprojekte bei der Holcim Schweiz, ist mit der Lösung mehr als zufrieden. Laut ihm illustriert die neue Software, wie durch stringente Integration von Standardprodukten und Individualsoftware aus mehreren Einzelanwendungen ein Gesamtsystem realisiert werden kann, das im Zusammenspiel der Einzelteile einen deutlichen Mehrwert zeitigt.

Anzeige