Das CSEM Zentralschweiz ist eher bescheiden in einem nüchternen Zweckbau im Alpnacher Industriegebiet angesiedelt. Es ist weder zum grossen Campus geworden, noch erhebt es den Anspruch, eine wichtige Denkfabrik zu sein.

Trotzdem kann es mit einem überraschend reichhaltigen innovativen Output aufwarten. 2007 beispielsweise gab es für den Delta-Roboter - die Fabrik im Kleinstformat, die auf einem Bürotisch Platz findet - den Swiss Technology Award. Die Produktions- und Montageanlagen für Mikrokomponenten werden inzwischen in Lizenz von einer Firma in der Westschweiz gebaut.

Nähe zum Partner ist gefragt

Nebst Osmotex (siehe Artikel oben), die gezielt die Nähe zum CSEM Zentralschweiz gesucht hat, sind in den vergangenen Monaten in Alpnach zwei weitere innovative Firmen gegründet worden: Injector Solutions versteht sich als One-Stop-Shop für die Konstruktion und Fertigung von integrierten Mikrosystemen; und Nano-4-U entwickelt Lösungen im Bereich der Fälschungssicherheit für Kunden aus der Pharmaindustrie sowie Medizinaltechnik.

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Das CSEM Zentralschweiz als Entwicklungspartner kann dabei seine unterschiedlichen Stärken in der Mikrorobotik, der Lab-Automation, der Verpackung von elektronischen Mikrokomponenten - alles in Kombination mit Robotik, Mikrofluidik, Steuerung sowie Optik - ausspielen. In Alpnach angesiedelt ist auch das Projektmanagement von Solar Island, einem photovoltaischen Millionenprojekt am Persischen Golf.

Laut Philippe Steiert, der seit zwei Jahren das CSEM Zentralschweiz leitet, operiert das Institut in einem genau definierten Gebiet: «Wir betreiben anwendungsorientierte Forschung und Produktentwicklung bis hin zur Marktreife.» Rund die Hälfte der Ideen stammt aus der eigenen Forschungsküche, die andere Hälfte aus Aufträgen aus der Industrie. Mit Letzteren erwirtschaftet das CSEM zwei Drittel seines Umsatzes, mit Beiträgen des Bundes und der Zentralschweizer Kantone ein Drittel. Das Konzept bringt es mit sich, dass die Projekte, wenn sie zu Produkten an der Schwelle des Markteintritts gediehen sind, an Dritte abgegeben werden. «Stehen wir vor einer Serienproduktion und der kommerziellen Vermarktung, so geht die Technologie entweder in Lizenz an eine bestehende Firma oder wir gliedern sie in ein Spin-off aus.» Beispiele solcher Ableger sind die Start-ups Heliotis in Luzern, Photofocus in Lachen SZ oder Xemtec in Sarnen OW.

Derzeit hat das CSEM rund 20 Projekte am Laufen. Die Forscher und Entwickler sind aus zehn verschiedenen Nationen, wobei Steiert mehrheitlich auf Absolventen der ETH Zürich und der EPF Lau-sanne zählen kann. Zu den regelmässigen Auftraggebern gehören jene 14 Firmen aus der Zentralschweiz, die als Aktionäre und ideell die Forschungsstätte unterstützen. Die Referenzliste zieren bekannte Namen wie Maxon, Roche oder Schindler. Für einzelne Projekte arbeitet das CSEM auch mit der Hochschule Luzern - Architektur und Technik zusammen.

Synergien noch besser nutzen

Ganz zufrieden ist Steiert mit dem Erreichten allerdings noch nicht. «Noch werden die Synergien, die sich aus unseren Kernkompetenzen heraus ergeben, zu wenig erkannt und genutzt», stellt er mit leichtem Bedauern fest. Gewisse Unternehmen täten sich schwer damit, Forschungs- und Entwicklungsaufträge aus dem eigenen Kernbereich auszulagern. Die Befürchtung schwinge mit, die Konkurrenz könnte via Outsourcing-Partner plötzlich Entscheidendes mitkriegen. Solche Bedenken sind aber, wie Steiert versichert, völlig unbegründet. Denn die Statuten definieren klar, wie solche Interessenskonflikte vermieden werden können.

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Dass die Leute am CSEM - im Gegensatz zu den meisten Industrieunternehmen - gleichzeitig mit sehr verschiedenen Projekten beschäftigt sind, bringt eigentlich nur Vorteile. «Aus dieser Vielfalt ergeben sich häufig überraschende Lösungen, wie sie jemand, der sich auf einen Bereich konzentriert, nie finden würde», beobachtet Steiert. Gute Erfahrungen gemacht hat er auch mit Workshops oben auf dem Hausberg Pilatus. In der offensichtlich inspirierenden Höhenluft sei schon manch neue technische Idee geboren worden.