Kaum ein akademischer Titel verströmt so viel Glanz wie der Executive Master of Business Administration, kurz EMBA. Er gilt als Krönung einer Wirtschaftskarriere. EMBA-Weiterbildungen sind auch in der Schweiz zu einem Geschäft geworden und so konkurrenzieren sich mittlerweile mehr als 30 Anbieter auf Fachhochschulstufe und universitärer Ebene mit einem EMBA. Neuster Anbieter ist die ZHAW School of Management and Law (SML) in Winterthur.

Warum erst jetzt?

Unterschiedliche Gründe für die Lancierung nennt Daniel Seelhofer. Er ist Stabschef an der SML und Studiengangsleiter des neu geschaffenen International Executive MBA. Mit dem für obere Kader mit globaler Ausrichtung entwickelten Angebot werde eine Lücke der Palette der SML geschlossen. Sie gehört zu den letzten, die den renommierten EMBA einführt. Der Studiengangsleiter weist jedoch Vorwürfe von sich, die SML habe den Zug verpasst. Die Gründe für den gewählten Zeitpunkt lägen vielmehr in der geforderten Qualität: «Die Schulleitung unter der Ägide von André Haelg setzt die Messlatte sehr hoch an.» Der Kurs müsse vollständig auf Englisch durchgeführt werden, international ausgerichtet sein und einen Bezug zu angelsächsischen Geschäftskonzepten haben. «Dies ist uns gelungen, und damit setzen wir einen Benchmark.»

Die Qualitätsansprüche machten auch vor dem Lehrkörper nicht halt. Nur hochqualifizierte Dozierende mit einschlägiger Praxis- und Auslanderfahrung würden eingesetzt, die zusammen ein gutes Dutzend Nationalitäten vereinigen.

Die neue Weiterbildung an der SML ruht auf drei Säulen: International Business, Führung sowie Ethik. Die Krise der globalen Wirtschaft hat die Nachfrage nach EMBA kaum beeinträchtigt. Ein Umdenken fand aber insofern statt, als nicht mehr finanzorientierte, sondern integrative Führung und die Corporate Responsibility im Zentrum stehen und von führenden Akkreditierungsorganisationen gefordert werden. «Die Vorschriften bewirken, dass wir uns nicht allein inhaltlich profilieren können. In der Ausgestaltung sind wir aber frei», sagt Seelhofer. Genau hier sollen die Innovationen greifen.

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Militärisch führen

Die Führungsausbildung behandelt sowohl direkte als auch organisationelle Führung und orientiert sich methodisch am sogenannten Führungsrhythmus der Schweizer Armee und kantonaler Krisenstäbe sowie ziviler «Blaulicht-Organisationen» (beispielsweise der Polizei). Die Innovation liegt in der Übertragung der Grundmethodik dieser Führungsprinzipien auf wirtschaftliche Situationen und ihrer Kombination mit aktuellen, wissenschaftlich fundierten Instrumenten aus der Betriebswirtschaftslehre. «Das macht uns einzigartig», so Seelhofer, der im Militär ein Oberstleutnant im Generalstab ist und dort als Kommandant dem Zürcher Infanteriebataillon 70 vorsteht.

Neben dieser neuartigen Methodik steht auch für den Bereich Ethik ein eigenes Verantwortlichkeitsmodell bereit. Der Schwerpunkt der Corporate Responsibility sei kein Feigenblatt des Zeitgeistes: «Eine ethisch nicht verantwortbare Strategie ist langfristig immer geschäftsschädigend. Wir haben deshalb den Schwerpunkt der Ethik bewusst gewählt und unterscheiden uns darin, dass die Wirtschaftsethik in allen Modulen ein integraler Bestandteil ist», führt der Studiengangsleiter aus.

Höchstens 20 Teilnehmer werden diesen Herbst für den International Executive MBA zugelassen. Seelhofer ist vom Erfolg überzeugt und verweist auf den Vorteil mehrjähriger Erfahrung mit englischsprachigen Studiengängen und auf die weltweite Vernetzung mit über 120 Partnerhochschulen in mehr als 30 Ländern. Zudem können die angestrebten Kompetenzen durch das englischsprachige, global vernetzte Center for International Business der ZHAW vermittelt werden.