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Zinssatz-Skandal: Barclays-Präsident tritt zurück

Nach John Varleys (l.) Abgang als CEO krachts bei Barclays. CEO Bob Diamonds (m.) Stuhl wackelt, Präsident Marcus Agius flog.

Im Skandal um manipulierte Zinssätze ist der Präsident der britischen Grossbank Barclays, Marcus Agius, zurückgetreten. Zudem lädt ein Parlamentsausschuss in London Barclays-Chef Bob Diamond vor - auc

Veröffentlicht am 02.07.2012

Der Präsident der britischen Grossbank Barclays, Marcus Agius, ist zurückgetreten. Es tue ihm aufrichtig Leid, dass Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre «im Stich gelassen» worden seien, erklärte Agius in einer Stellungnahme auf der Internetseite der Bank.

Barclays kündigte zudem eine interne Untersuchung der Vorfälle und die Entwicklung eines neuen, verpflichtenden Verhaltenskodex an.

Auch für CEO Bob Diamond wird die Luft dünn: Nach dem Skandal um versuchte Zinsmanipulationen bei der britischen Grossbank Barclays und möglicherweise weiteren Instituten hat die Regierung in London eine Untersuchung auf den Weg gebracht.

Der dafür zuständige Parlamentsausschuss soll von diesem Montag an tagen, am Mittwoch soll Barclays-Chef Bob Diamond erscheinen und aussagen, berichteten britische Medien. Unter anderem solle über die Zukunft des sogenannten Liborsatzes sowie über mögliche strafrechtliche Sanktionen entschieden werden.

Barclays soll versucht haben, den sogenannten Liborsatz zu beeinflussen. Er gibt den Zinssatz an, zu dem sich Banken gegenseitig Geld leihen. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass Barclays an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien sowie an das US-Justizministerium eine Strafe in Höhe der Rekordsumme von 290 Millionen Pfund (rund 345 Millionen Euro) zahlen muss.

Mehrere Politiker und Wirtschaftsexperten hatten eine unabhängige Untersuchung des Falles gefordert. Auch war Diamond zum Rücktritt aufgerufen worden. Die Ermittlung, die zu der Strafe für Barclays führte, hat noch mehrere grosse Banken in Europa und den USA im Visier.

Der Liborsatz wird auch als Benchmark für den Derivatehandel verwendet, bei dem Papiere im Buchwert von weit über 300 Billionen US-Dollar bewegt werden. Eine winzige Veränderung des Zinssatzes kann enorme Schwankungen auslösen.

(tno/chb/sda/awp)

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