Die Grossbank Credit Suisse (CS) sieht sich im Tessin mit Zivilklagen von Kunden konfrontiert. Dabei geht es um die Untersuchungen der italienischen Behörden wegen der zur Steuerhinterziehung einsetzbaren «Versicherungsmäntel».

Im vergangenen Monat seien zwei solche Zivilverfahren eröffnet worden, sagte ein Sprecher des Bezirksgerichts von Mendrisio Süd der Nachrichtenagentur AWP zu einem Bericht des Tessiner Radios RSI. Laut dem RSI-Bericht könnten mit den Zivilklagen insgesamt Kosten in Millionenhöhe auf die CS zukommen.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Ungenügend aufgeklärt

Die Zivilkläger werfen der Grossbank vor, sie nicht genügend über die Risiken der Lebensversicherungsprodukte aufgeklärt zu haben, die von der Credit Suisse Life mit Sitz in Bermuda angeboten wurden. Sie verlangen nun von der Grossbank die Erstattung der Differenz zwischen den von den italienischen Steuerbehörden verlangten Zahlungen und dem Betrag, den sie gezahlt hätten, wenn sie am Selbstanzeige-Programm teilgenommen hätten, das im vergangenen November ausgelaufen war.

Vertrauliche Klagesummen

Die von den einzelnen Klägern eingeklagten Summen seien vertraulich, sagte der Gerichtssprecher. Sie dürften sich je Fall aber auf mehr als 100'000 Franken belaufen, weil die Kläger bei einem Streitwert unter dieser Summe zunächst ein Schiedsverfahren hätten durchlaufen müssen. Auch wenn erst solcher Verfahren bestätigt sind, glaubt das Radio RSI, dass noch eine grosse Zahl weiterer Verfahren auf die CS zukommen dürfte.

14 Milliarden Euro versteckt

Über die Untersuchungen der Mailänder Behörden gegen die CS wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung hatte im Februar zuerst die italienische Zeitschrift «L'Espresso» berichtet. Laut den Medienberichten soll die Credit Suisse etwa 13'000 Kunden mit Wohnsitz in Italien geholfen haben, rund 14 Milliarden Euro in der Schweiz vor dem Fiskus zu verstecken. Von diesen sollen bis zu 8 Milliarden Euro von etwa 4000 Kunden in Versicherungsmänteln versteckt sein.

CS: An Gesetze gehalten

Eine CS-Sprecherin betonte am Mittwoch gegenüber der AWP, dass die Bank das Geschäft mit Privatkunden "systematisch auf versteuerte Gelder" ausgerichtet habe und dass die Geschäftstätigkeit im Einklang mit den geltenden Gesetzen in Italien ausgeführt werde. Im Rahmen des im Dezember 2014 durch die italienische Regierung beschlossenen Offenlegungsprogramms habe die Credit Suisse die Kunden umgehend aufgefordert, ihre Steuerkonformität nachzuweisen. «Dieser Prozess ist praktisch abgeschlossen.»

(awp/chb)