Das Unheil begann Mitte August. Auf dem Nachrichtenportal «Inside Paradeplatz» erschien damals ein kritischer Artikel über ZKB-Chef Martin Scholl. Der sprach offenbar einigen Mitarbeitern der Staatsbank aus dem Herzen. Sie kommentierten den Beitrag daraufhin anonym. Doch das passte Scholl nicht. Er setzte die interne Informatik auf den Fall an und fand heraus, wer die beiden Kommentare verfasst hatte. Und er griff durch: Scholl habe die beiden Angestellten deswegen entlassen, schreibt «Inside Paradeplatz».

Grund für die harsche Kritik innerhalb der Kommentare ist «Simplex». «Das neue Restrukturierungsprogramm will die Bank durch Standardisierung, Zentralisierung und Automatisierung einfacher und effizienter machen», sagt die Kantonalbank. Doch «Simplex» kommt bei der ZKB nicht wirklich voran, wie die «Handelszeitung» kürzlich berichtete. «Wie verlässliche Quellen aus der Bank berichten, heuerte das Staatsinstitut jüngst das Beratungsunternehmen McKinsey an, um Teile des Simplex-Programms voranzubringen», schrieb sie. Klar ist, dass es da zu Unruhe kommt.

Heikle Rolle von McKinsey

Die Kommentarschreiber nahmen einen Folgeartikel von «Inside Paradeplatz» zum Anlass und äusserten sich negativ gegenüber der McKinsey-Restrukturierung: Diese hätte ausser viel Spesen wenig hart Zählbares gebracht. Die negativen Kommentare über das Unternehmen und über Scholl führten schliesslich dazu, dass beide Mitarbeiter auf der Strasse landeten. Dies hätten zwei Quellen unabhängig voneinander bestätigt, schreibt «Inside Paradeplatz».

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Mitarbeiter so zu kontrollieren, ist legal. «Klar ist, dass Scholl und der Personaldienst der Staatsbank einen unscheinbaren Passus im Arbeitsvertrag nutzten, der zulässt, dass die ZKB ihre Mitarbeiter ausspioniert», schreibt «Inside Paradeplatz». Jeder Mitarbeiter der Bank gäbe der Führung per Unterschrift das Recht, bei vermeintlich triftigen Gründen den Datenschutz auszuhebeln.

Personalexperten sehen darin auch kein grundsätzliches Problem: Der Arbeitgeber hat grundsätzlich das Recht, jeglichen Mailverkehr der Mitarbeiter zu kontrollieren und technisch nachzuvollziehen. Dies jedoch nur, solange dies wie in diesem Fall in Verbindung mit einem ZKB-Account steht.

Führungsperson muss damit rechnen

Aus Sicht von Personalexperten sind die Kündigungen aber dennoch heikel. Wird sie nicht persönlich diffamiert, muss eine Führungsperson mit solchen Aussagen rechnen. Die ZKB will zu diesem Thema nicht Stellung nehmen. «Kein Kommentar», sagt der Pressesprecher auf Anfrage.