Nach seiner Bestätigung im Amt Ende Juni sprach Urs Oberholzer, Präsident der Zürcher Kantonalbank (ZKB), deutliche Worte. «Wir werden umgehend Massnahmen beschliessen, damit die jüngst vorge-
fallenen Dinge nicht mehr vorkommen können», sagte Oberholzer gegenüber der «Handelszeitung».

Nun sind erste Schritte in diese Richtung eingeleitet – Aufsicht und Geschäftsleitung der Bank haben verschiedene Massnahmen getroffen, um die mit den Optionendeals bei Sulzer, Converium und Ascom sowie den Eigengeschäften von Ex-CEO Hans Vögeli offenkundig gewordenen Risiken besser in den Griff zu bekommen.

Neues «Konflikt-Komitee»

Betroffen davon ist vorab die Handelsabteilung der Bank. Sie wird neu von Spezialisten überwacht. Zudem soll ein spezielles «Conflict Comitee» mit ZKB-CEO Martin Scholl und den Leitern
des Firmen- und Privatkunden-geschäftes frühzeitig Interessenkonflikte wie bei Sulzer erkennen. Angezogen wurden die Schrauben auch im Optionengeschäft: «Bankintern hat die ZKB dort engere Leitplanken definiert», sagt Pressesprecher Urs Ackermann. Cash-Settlement-Optionen werden weiter ausgegeben. Nur vereinzelt strengere Regeln gibt
es für die gesamte Belegschaft. ZKB-Mitarbeiter müssen Börsen- und Devisengeschäfte auf eigene Rechnung ab sofort über die ZKB abwickeln. Dagegen dürfte die neue, geschäftsübergreifende «Chief-Risk-Officer-Organisation» zur Risikoüberwachung erst 2008 umgesetzt sein.
Bis anhin nicht zur Sprache gekommen sind die tief greifenden, normativen Neuerungen, die im Zuge des «Falls Sulzer» auf den Tisch gekommen sind. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang auch schon die Überleitung der öffentlich-rechtlichen Gesellschaft ZKB in eine AG. Dies nicht zuletzt deshalb, um die viel kritisierte Dreiteilung der Bankaufsicht in Bankpräsidium, Bankrat und Inspektorat durch einen Verwaltungsrat zu ersetzen.

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Freiburg macht es vor

Dass Debatten in diese Richtung im Aufsichtsgremium der ZKB nicht abgehakt seien, bestätigen bankennahe Kreise. Offiziell heisst es beim Staatsinstitut: «Bankrat und Präsidium diskutieren derzeit, welche Lösung zu privilegieren ist.» Schliesslich ist es aber der Staat, der als Eigentümer der Bank über eine Umgestaltung der Organisation entscheiden muss. Konkreteres dazu wird im September erwartet, wenn auch die Vorstösse der FDP des Kantons Zürich zur Frage der Staatsgarantie zu beantworten sind. In anderen Kantonen wird die Struktur-Diskussion bereits rege geführt. So hat der Kanton Freiburg die Zahl der Bankratsmitglieder «seiner» Bank verringert; in den Kantonen Aargau und Thurgau sind ebenfalls Struktur-Debatten unterwegs.
Alle Neuerungen bei der ZKB hängen aber davon ab, wie die Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) zu den Optionengeschäften der ZKB ausfällt. Ein Ergebnis der Untersuchung steht weiterhin aus.