Eine der grössten Sorgen der Behörden im tobenden Finanzsturm war eine drohende Kreditverknappung. Eine solche konnte nun abgewendet werden - dank den Schweizer Kantonalbanken. Diese öffneten in den letzten Monaten die Schleuse für Unternehmen mit 250 und mehr Mitarbeitern, die dringend auf Liquidität angewiesen waren und bei den Grossbanken keinen neuen Kredit mehr erhielten, weil sie bei ihnen schon stark in der Kreide waren.

Verdoppelung der Firmenkredite

Von Anfang 2007 bis Februar 2009 (neuere Zahlen von der Nationalbank liegen nicht vor) verdoppelten sich die von Grossfirmen bei Kantonalbanken bezogenen Firmenkredite von 3574 Mio auf 7125 Mio Fr. Auch die Limiten wurden ausgeweitet, sie stiegen von 7840 Mio auf 11848 Mio Fr. Da die Ausweitung der beiden Kenngrössen praktisch identisch ist, kann davon ausgegangen werden, dass die von den Kantonalbanken gesprochenen Limitenausweitungen fast im Verhältnis eins zu eins von den wichtigsten Schweizer Firmen gezogen wurden.

«Kantonalbanken springen bei den Kommerzkrediten in die Lücke, die durch den Rückzug vieler Auslandbanken und die schwierige Situation an den Geld- und Kapitalmärkten entstanden ist», bestätigt Thomas Vettiger von der Finanzberatungsfirma IFBC. Laut anderen Kreditspezialisten hätten grosse deutsche Finanzhäuser wie die Commerzbank und die HypoVereinsbank dem Schweizer Kreditmarkt den Rücken gekehrt, nachdem sie in den Finanzsturm geraten waren.

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Die Gewichteverschiebung hin zu den Kantonalbanken hat vor allem mit der ZKB zu tun. Erstmals agierte das grösste Schweizer Staatsinstitut bei einer bekannten Firma als sogenannte Konsortialführerin; und zwar beim Schliessspezialisten Kaba, der bisher fest in Credit-Suisse-Hand war. Am 7. Mai frohlockte Werner Stadelmann, Finanzchef von Kaba, der 575-Mio-Fr.-Kredit sei ein eindrücklicher Beleg für die Tatsache, dass «Schweizer Banken erfolgreiche Unternehmen ausreichend mit Liquidität versorgen» würden.

Für Kaba-Agent ZKB - die CS und die UBS sahen sich als Mandated Lead Arrangers in die zweite Reihe versetzt - ist der Deal eine grosse Schuhnummer. Das Zürcher Weltunternehmen Kaba nahm neben drei Tranchen von je rund 100 Mio Fr. auch bei vielen kleineren Kantonalbanken Kredite auf. Diese beteiligten sich mit 10 Mio bis 20 Mio Fr. am Kaba-Kredit.

Martin Menzi, Partner bei Swiss Capital, die Kaba beim Deal beraten hatte, sieht die Zürcher Kantonalbank als dritte Kraft im Schweizer Kreditmarkt. «Die ZKB ist zu einem gewichtigeren Faktor in der Schweizer Firmenkreditlandschaft geworden», sagt Menzi. «Dank ihrem privilegierten Zugang zum Kantonalbankennetz kann sie grosse Kreditpakete schnüren.»

Das kommerzielle Kreditgeschäft sei noch immer «die hohe Schule des Banking», sagt der emeritierte Zürcher Bankenprofessor Hans Geiger. Um dieses erfolgreich betreiben zu können, brauche es «grosses Spezialistenwissen und ein ausgeklügeltes Risk Management». Geiger zählt die grössten Staatsinstitute zu den neuen Playern mit guten Erfolgsaussichten. «Die führenden Kantonalbanken in Zürich, der Waadt, St. Gallen, Luzern und in Bern sind für ein grösseres Kommerzgeschäft gerüstet», glaubt Geiger.

ZKB-Sprecher Thomas Pfenninger betont, dass «unabhängig von der Höhe des Kredits die bewährte ZKB-Kreditpolitik eingehalten» würde. Im schwierigen Marktumfeld würde diese «nicht gelockert», sagt Pfenninger. «Die Vergabe von Grossfinanzierungen ist für die ZKB nichts Neues, sie kann sich dabei auf ihre langjährige Erfahrung im Umgang mit grossen, kotierten Gesellschaften stützen», versucht Pfenninger die Gefahr von potenziellen Grossabschreibern zu entkräften.

Raiffeisen auf KMU fokussiert

Gespannt beobachtet die Finanzierungsszene die St. Galler Raiffeisen-Gruppe. Jüngst glaubte sie, auch bei Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz Appetit auf Grossfirmenkredite ausgemacht zu haben. Solche Ambitionen hätte man in der Ostschweiz keine, versichert Raiffeisen-Sprecher Franz Würth, der damit das Credo «Schuster bleib bei Deinen Leisten» der Genossenschaftsbank hochhält. «Wir sind und bleiben im KMU-Kreditsegment», sagt Würth.