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Handelsstreit
Zölle: Deutsche Autobosse optimistisch nach Trump-Besuch

Daimler CEO Dieter Zetsche walks off after speaking with reporters after meeting with President Donald Trump at the White House, Tuesday, Dec. 4, 2018, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Dieter Zetsche: Der Daimler-CEO nach seinem Treffen mit US-Präsident Trump im Weissen Haus.Quelle: Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.

US-Präsident Trump könnte auf Einfuhrzölle für Autos verzichten. Im Gegenzug wollen die deutschen Autobauer in den USA mehr investieren.

Veröffentlicht am 05.12.2018

Die deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW wollen mit grossen Investitionen in den USA die Autozölle für US-Importe aus Europa verhindern. Nach einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump zeigten sich die Spitzenvertreter der deutschen Autoindustrie vorsichtig optimistisch.

«Wir haben einen grossen Schritt nach vorne gemacht, um die Autozölle zu vermeiden», sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Herbert Diess, am Dienstag nach einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump und weiteren Vertretern der US-Administration im Weissen Haus.

Diess sprach von einem «überzeugenden Investitionsprogramm», das Volkswagen in den USA vorlegen könne. «Der Präsident hat einen Punkt, wenn er uns überzeugen will, mehr zu investieren und wir sind bereit, mehr zu investieren», sagte Diess.

Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte, nach seiner Einschätzung hätten die Gespräche die «potenzielle Bedrohung» durch neue US-Importzölle reduziert.

Die Deutsche Autoindustrie verfügt derzeit über einen vergleichsweise bescheidenen Marktanteil von etwa fünf Prozent in den USA. Volkswagen hat allein ungefähr 3,7 Prozent. Wachstum sei auf dem zweitgrössten Automobilmarkt der Welt nach China möglich, hiess es.

Gespräche nach Absprache mit EU

Alle drei Autohersteller betonten, es sei nicht darum gegangen, Stellvertreter-Verhandlungen über Handelssachen zwischen Europa und den USA zu führen. Die Gespräche seien in enger Absprache mit der Bundesregierung und mit der Europäischen Union erfolgt.

Diess sprach von «maximaler Abstimmung"»mit den staatlichen und EU-Stellen. Die Politik befürchtet, die Autokonzerne könnten von Trump benutzt werden, um Druck auf die EU auszuüben.

Aus Brüssel und Berlin hatte es auch Kritik gehagelt, dass Autohersteller sich in die Verhandlungen drängten, die per Mandat die EU-Kommission führen müsse.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat sich zum Ziel gesetzt, mit den USA ein generelles Handelskommen für Industrieprodukte zu erreichen, das ein Zollniveau von Null vorsieht.

Diess betonte am Dienstag, es gehe um den Bau eines neuen Volkswagenwerkes, sowie um Kooperationen mit dem US-Autobauer Ford, mit dem gemeinsam unter anderem Pick-Ups und leichte Nutzfahrzeuge gebaut werden sollen. Auch mit dem Softwarekonzern Microsoft soll es in Seattle zu einer Kooperation kommen.

BMW teilte mit, die Münchner hätten bereits 9,3 Milliarden US-Dollar in ihr Werk in Spartanburg (South Carolina) investiert. Bis 2021 seien Investitionen in Höhe von weiteren 600 Millionen Dollar und die Schaffung von 1000 zusätzlichen Arbeitsplätzen vorgesehen. 70 Prozent der Produktion würden exportiert - ein grosser Beitrag für die US-Handelsbilanz. BMW prüfe gerade den Standort für ein zusätzliches Motorenwerk in den USA.

Trump: «Ich bin ein Mann der Zölle»

US-Präsident Donald Trump hatte vor dem Treffen noch einmal bei Twitter klargemacht, was er von freier Marktwirtschaft hält: «Ich bin ein Mann der Zölle.» Dieser Weg werde immer der beste sein, um die wirtschaftliche Macht Amerikas zu maximieren, so Trump weiter.

Auch wenn er sich dabei vor allem auf die Verhandlungen im Handelsstreit mit China bezog, war Trumps Twitter-Bekenntnis zu Zöllen zunächst nicht gerade ein Mutmacher für die Autobosse.

US-Handelsminister Wilbur Ross forderte die deutschen Autobauer im Finanzsender CNBC bereits zu mehr Produktion in den USA auf. Ziel sei es, das US-Handelsdefizit mit Deutschland bei Autos und Autoteilen zu senken, sagte Ross. Das gehe "hoffentlich mit erhöhter Produktion in den Vereinigten Staaten" einher.

Streichung der Fördermittel für Elektroautos

Wichtig sei es zudem, einen grossen Teil der künftigen Elektroautoproduktion in die Staaten zu bekommen, so der Minister weiter.

Allerdings hatte es auch widerstreitende Äusserungen gegeben. Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow hatte eine grundsätzliche Streichung von staatlicher Fördermitteln bei Elektroautos ins Spiel gebracht - dafür müsste er aber wohl erst eine Mehrheit im Kongress organisieren.

Die US-Regierung hatte nach Unternehmensangaben eingeladen, um über die Handelssituation zu diskutieren. Konkret verhandelt wird demnach nichts, die Automanager machten aber die Bedeutung der deutschen Konzerne für die US-Industrie deutlich.

Ob und wie das Treffen tatsächlich Bewegung in den festgefahrenen Handelsstreit zwischen Washington und Brüssel bringen kann, bleibt abzuwarten.

(sda/mlo/mbü)

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