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Zschokke/Batigroup: Auf solidem Fundament

Während einige hundert kleinere und mittlere Bauunternehmen dringend auf Infusionen angewiesen sind, demonstrieren die Nummern eins und zwei des nationalen Baugewerbes, wie man trotz Baukrise mit schw

Von Markus Köchli
am 26.11.2002

Glanzvoll sind sie zwar nicht, die Halbjahresabschlüsse von Branchenleader Zschokke und Verfolger Batigroup. Aber das können die Eckwerte auch gar nicht sein. Der Bau krankt, steckt ? schon wieder ? einmal mehr in einer tiefen Krise und hat die kurze Erholungsphase zwischen 1999 und 2000 bereits weit hinter sich gelassen. Ob des darbenden konjunkturellen Umfeldes sind die Halbjahresgewinne von minimen 32000 Fr. (Zschokke) und von 0,6 Mio Fr. (Batigroup) zwar winzig klein, trotzdem von Gewicht. Schwarze Zahlen sind im tristen Bausommer 2002 ein Erfolgsausweis, mögen sie auch noch so wenig Stellen aufweisen. Ausserdem startet jeweils der Bau saisonbedingt verhalten ins erste Semester; die Erträge fallen erfahrungsgemäss im zweiten Halbjahr an. Bei Zschokke verwischt zudem eine ausserordentliche Rückstellung von 10 Mio Fr. für Verluste auf Göhner-Merkur-Baustellen das gute operationelle Ergebnis des ersten Semesters. Eine Klage gegen Göhner-Merkur-Verkäufer Siemens Building Technology liegt beim Gericht.
Batigroup sind derartige Einmal-Ausrutscher nicht fremd: Die Basler hatten vor zwei Jahren einen Abschreiber von 50 Mio Fr. zu verbuchen, unter anderem für den Ausstieg aus dem Deutschland-Geschäft, für Wertberichtigungen auf eigenen Liegenschaften und für ein GU-Grossprojekt in Zürich-Nord. Batigroup-CEO Werner Helfenstein: «Wir bezahlten teures Lehrgeld, haben aber die Konsequenzen gezogen und stehen heute gestärkt da.»
*runter mit den Schulden war die Hausaufgabe*
Das stimmt beispielsweise für die Verschuldung und gilt für Zschokke noch mehr als für Batigroup. Die Genfer hatten ihre Nettoverschuldung Ende 2001 auf 0 Fr. abgebaut, bei Batigroup wird es gemäss interner Zielsetzung Ende 2003 so weit sein; das etwas langsamere Tempo lässt sich damit erklären, dass die Basler einen Schuldenberg in der Höhe von 256 Mio Fr. (1998) abzutragen haben.
Schuldenfrei lasse sich besser atmen, meint Zschokke-CEO Christian Bubb. Und vor allem sei der Kopf frei zum Rechnen. Wenige beherrschen diese Kunst im Schweizer Bauhauptgewerbe, Zschokke und Batigroup gehören dazu. Angesprochen ist damit das Kernproblem der Baumeister in einem Markt, der jährlich seine Produktivität um zirka 4 bis 6% verbessert, dadurch aber ? bei rückläufigem Auftragsvolumen ? immer mehr in die Falle drohender Überkapazitäten tappt. Auf 10 bis 15% schätzt Christian Bubb die Überkapazitäten. Als Konsequenz werden beim Offerterstellen kaufmännische Grundregeln ausser Acht gelassen. Bubb wie Helfenstein halten nichts von dieser ruinösen Preispolitik. Bubbs Reaktion auf die Margenerosion: «Bei uns werden die Aufträge selektiv akquiriert. Stimmt die Marge nicht, so lassen wir den Auftrag sausen.»
Selbst dann, wenn die öffentliche Hand Auftraggeber ist. Denn die Ebit-Margen sind, verglichen mit industriellen Tätigkeiten, klein. Auf 2,5 bis 4% beziffert sie Bubb für den traditionellen Bau (vor allem Hochbau), auf 2 bis 3% für den industriellen Bau, auf 1 bis 1,5% für die GU-Tätigkeit.
*Mit Spezialitäten Geld verdienen*
Auch wenn die beiden nationalen Marktführer zusehends ihre GU-Aktivitäten ausweiten, so wird auch in Zukunft auf die klassische Bauproduktion nicht verzichtet. Weil dort Geld zu verdienen ist, allem voran mit Spezialitäten. Dass sowohl Zschokke wie Batigroup zu den führenden Tunnelbauern gehören und denn auch am Lötschberg und/oder am Gotthard Berücksichtigung fanden, hängt mit der hohen Untertagbau-Kompetenz beider Firmen zusammen. Das gilt generell für den Tief- wie den Strassenbau. Batigroup, regional sehr gut abgestützt, erzielt mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Gemeinden, Kantonen und dem Bund. Vergeben werden von der öffentlichen Hand langfristige Aufträge mit stabilen Preisen; die Komplexität der Infrastrukturbauten verweist kleinere und mittlere Konkurrenten vor die Türe. Damit sind Auslastung ? teils über mehrere Jahre ? und vertretbare Preise so gut wie sicher. Damit stehen die beiden börsenkotierten Baugruppen auf einem soliden Fundament.

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