Die italienische Regierung macht Druck auf den Bankenplatz Tessin. Doch das spüren nicht nur die Tessiner Banken. Sind die Kunden verunsichert, leiden auch die ansässigen unabhängigen Vermögensverwalter, deren Kundschaft zu 90% aus dem südlichen Nachbarland stammt. Die Branchenvertreter in der Deutschschweiz konzentrieren sich dagegen stärker auf die heimische Kundschaft. Doch auch ihnen bläst zunehmend ein rauer Wind entgegen. Dabei dürfte besonders die strengere Regulierung der Branche ins Gewicht fallen. Die unabhängigen Vermögensverwalter sind der Aufsichtsbehörde Finma unterstellt, regulieren sich aber selbst. Diese Selbstregulierung beruht auf den Standesregeln der einzelnen Verbände. Doch in Zukunft besteht die Gefahr, dass durch neue Regeln der administrative Aufwand und der Kostendruck steigen, womit es vor allem für die Kleinstbetriebe schwieriger wird, allein zu bestehen.

Die schon lange erwartete breite Konsolidierungswelle ist bislang allerdings ausgeblieben oder findet vorwiegend hinter den Kulissen statt. Kleine Vermögensverwalter werden von mittelgrossen übernommen oder Einmannbetriebe schliessen sich einer grösseren Gruppe an.

Die Branche besteht zum grössten Teil aus Kleinstbetrieben: Die Hälfte der unabhängigen Vermögensverwalter sind Ein- und Zweimannbetriebe, nur gerade 12% der unabhängigen Vermögensverwalter zählen fünf bis zehn Mitarbeiter. Branchenexperten schätzen, dass die kritische Grösse bei mindestens 100 Mio Fr. verwalteten Vermögens liegt. «Abgesehen von häufig fehlenden Stellvertretungs- und Nachfolgelösungen erreichen viele Firmen die für ein Überleben notwendige Mindestgrösse nicht», stellt Max Cotting, CEO der Aquila-Gruppe, fest.

Die Anforderungen an die Professionalität und die Infrastruktur der kleinen Vermögensverwaltungsgesellschaften wachsen ständig. Dies hat aber auch sein Gutes: Die Spreu trennt sich vom Weizen. Vermögensverwalter mit einer ausgezeichneten Beratung profitieren davon, dass im Zuge der Finanzkrise viele Kunden das Vertrauen in die Banken verloren haben und die Nachfrage nach unabhängiger Beratung deutlich gestiegen ist.

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Wie der Name schon sagt, bieten sich in der unabhängigen Beratung Chancen für die Kleinbetriebe. Unabhängig ist ein Vermögensverwalter aber nur dann, wenn er eine transparente Anlagepolitik betreibt und in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu Anbietern steht. Dieser Unabhängigkeit müs-sen die kleinen Betriebe Sorge tragen, wollen sie Erfolg haben.