Der Nestlé-Konzern trennt sich von seiner Diätberatung in den USA. Die unter der Marke Jenny Craig angebotenen Dienstleistungen und Fertigprodukte vermochten den Wachstums- und Rentabilitätsvorstellung des Nahrungsmittelriesen nicht mehr zu genügen.

Gekauft hatte Nestlé Jenny Craig 2006 für 600 Millionen Dollar, was damals rund 740 Millionen Franken entsprach. Wie viel der Konzern mit Sitz im Kanton Waadt nun für den Geschäftsbereich erhält, ist unklar. Die finanziellen Details der Transaktion würden nicht offengelegt, hiess es dazu im Communiqué vom Donnerstag einzig.

Auch wie gross das Geschäftsfeld mittlerweile ist, bleibt im Dunkeln. Bei der Übernahme vor sieben Jahren kam Jenny Craig mit 600 Beratungszentren auf einen Umsatz von jährlich 400 Millionen Dollar. Das Geschäftsmodell von Jenny Craig basierte auf persönliche Diätberatungen und den damit verbundenen Verkauf von tiefgefrorenen Diätmenus.

Unter dem Dach von Nestlé wurde dann die Diätberatung per Telefon und mit Hilfe von internetbasierten Programmen ausgebaut. Zudem wurde die Heimlieferung der kalorienarmen Fertigprodukte forciert. Während Nestlé anfangs in den Jahresberichten jeweils noch von zweistelligen Wachstumsraten sprach, begann das Geschäft in der Finanzkrise zu stocken.

In den Jahresberichten 2009 und 2010 war etwa davon die Rede, dass Jenny Craig mit den Auswirkungen sinkender Konsumausgaben zu kämpfen habe. Nestlé glaubte aber offenbar immer noch dran, mit der Diätberatung und dem damit einhergehenden Verkauf von Fertiggerichten gute Geschäfte machen zu können und expandierte mit Jenny Craig nach Grossbritannien und Frankreich.

Verkauf nicht überraschend

Der Schnitt kam schliesslich diesen Sommer: In den USA wurden rund ein Fünftel der Beratungszentren geschlossen. Und in Grossbritannien nahm Nestlé die Jenny-Craig-Angebote ganz vom Markt.

In einem Interview mit der «Handelszeitung» sagte Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck im August, dass Nestlé sich bezüglich der Diätberatung alle Türen offen lasse. «Wenn ein Modell nicht richtig funktioniert, muss man den Mut haben, es allenfalls abzuschneiden.»

Dass Nestlé beabsichtigt, sich von zu langsam wachsenden und zu wenig profitablen Geschäften zu trennen, bekräftigte Nestlé-Konzernchef Paul Bulcke auch an einem Investorentag im September. Unter Branchenanalysten war der Verkauf von Jenny Craig daher auch erwartet worden.

Dennoch wurde die Ankündigung an den Finanzmärkten positiv aufgenommen: Die Nestlé-Aktie gewann im Lauf des Morgens zeitweise 0,75 Prozent an Wert, derweil der Leitindex SMI (Swiss Market Index) sich nur unwesentlich veränderte.

Bekannte Werbebotschafterinnen

Käuferin von Jenny Craig ist die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft North Castle Partners. Diese ist bereits in verschiedene in der Gesundheitsförderung und auf dem Kosmetikmarkt tätigen Unternehmen und Marken investiert. North Castle Partners übernimmt aber nur die Aktivitäten von Jenny Craig in Nordamerika, Australien und Neuseeland. Das Geschäft in Frankreich bleibt gemäss Mitteilung vom Donnerstag in den Händen von Nestlé.

Gegründet wurde Jenny Craig vor rund 30 Jahren in Australien - benannt ist das Unternehmen nach der Firmengründerin, welche das Geschäft zusammen mit ihrem Ehemann aufbaute. Immer wieder hat das Unternehmen Stars als Werbebotschafter gewinnen können, so etwa die Sängerin Mariah Carey oder die Schaupsielerin Kirstie Alley. Aber auch Monica Lewinsky, die wohl berühmteste Praktikantin des Weissen Hauses, war als Werbebotschafterin für Jenny Craig tätig.

(sda/chb/aho)

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