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Datenskandal
Zuckerberg: «Auch meine Daten gingen an Cambridge Analytica»

Mark Zuckerberg am zweiten Tag vor dem US-Kongress
Mark Zuckerberg am zweiten Tag vor dem US-KongressQuelle: Keystone .

Auch die Daten von Facebook-Chef Mark Zuckerberg gingen an Cambridge Analytica. Derweil bedankt sich die EU beim 33-Jährigen.

Veröffentlicht am 11.04.2018

In der zweiten Anhörung im amerikanischen Kongress am Mittwoch sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass auch seine Informationen an das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica gegangen seien.

Weitere Details dazu gab es zunächst nicht. Am Dienstag hatten bereits zwei Ausschüsse des US-Senats Zuckerberg befragt. Den Senatoren gelang es nicht, den Facebook-Chef ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

Der 33-Jährige wiederholte zum Auftakt der Anhörung vom Mittwoch wortgleich seine Stellungnahme vom Vortag. In dieser hatte er Fehler eingeräumt und besseren Datenschutz versprochen.

Der Vorsitzende des Energie- und Handelskomitees im US-Abgeordnetenhaus, Greg Walden, sagte, Facebook sei zwar grösser geworden, aber möglicherweise nicht reifer. Es gehe auch darum, zu klären, ob das Online-Netzwerk nun eine Online-Plattform oder ein Medienunternehmen sei.

Zuckerberg betonte, er betrachte Facebook nicht als Medienfirma, sondern als Technologie-Unternehmen. Er wirkte von Anfang an sicherer als zunächst am Vortag.

Bis zu 87 Millionen Betroffene

Beim aktuellen Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmässig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von amerikanischen Präsident Donald Trump arbeitete.

Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300'000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Der Daten-Zugriff für App-Entwickler liess diesen breiten Einzug von Informationen von 2007 bis 2014 zu.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen US-Amerikanern. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten.

Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Datenweitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die betroffenen Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt.

Danke von Seiten EU

Auch in Europa reagierte Politiker auf die Anhörung von Zuckerberg in den USA: EU-Justizkommissarin Vera Jourova hat Zuckerberg für seine Äusserungen zu den neuen EU-Datenschutzregeln vor dem Kongress gedankt. Dieser hatte die neuen Bestimmungen gelobt, die Ende Mai in Kraft treten.

Sie habe «verzweifelt» über die «bestmögliche Werbekampagne» für die neuen EU-Regeln nachgedacht, sagte Jourova am Mittwoch in Brüssel. Nach den Äusserungen Zuckerbergs am Dienstag vor dem US-Senat sei dies «erledigt. So danke, Herr Zuckerberg».

Zuckerberg hatte bei der Anhörung die neuen EU-Datenschutzregeln ausdrücklich begrüsst. «Ich denke, sie sind die richtigen Regeln», sagte er. Die Europäer hätten «die Dinge richtig gemacht». Jourova begrüsste ihrerseits, dass Zuckerberg auch angekündigt hatte, die EU-Bestimmungen weltweit anwenden zu wollen. Dies seien «gute Nachrichten», sagte die Tschechin.

Die vor zwei Jahren beschlossene EU-Datenschutz-Grundverordnung tritt am 25. Mai in Kraft. Sie macht Internet-Firmen in der EU gültige Vorgaben für die Speicherung und den Schutz von Daten und gibt Nutzern einfachere Möglichkeiten, gegen Missbrauch vorzugehen.

Bei Verstössen drohen Internet-Unternehmen Strafen von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, was in Fällen wie Facebook in die Milliarden gehen könnte.

(sda/tdr)

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