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Privatsphäre
Zuckerberg: «Wie kriegen wir die Sache vom Tisch?»

Mark Zuckerberg: Hats gerne diskret. Keystone

Selbst propagiert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ein neues Verständnis von Privatsphäre, er ist um sie aber sehr besorgt. Dies zeigen Gerichtsakten in einem Nachbarschaftsstreit mit harten Bandagen.

Veröffentlicht am 11.02.2015

Die E-Mail war deutlich: Mark Zuckerberg habe keine Lust, sich mit dem Typen von nebenan abzugeben. «Wie kriegen wir die Sache vom Tisch?», schrieb ein Berater des Facebook-Gründers an seinen Immobilienmakler. «MZ wird sich nicht mit ihm treffen - niemals.»

Um diese E-Mail von 2013 - und andere ähnliche - dreht sich ein Nachbarschaftsstreit der besonderen Art. Auf der einen Seite des Zauns steht der Milliardär Zuckerberg. Auf der anderen Mircea Voskerician, ein Immobilienentwickler, der gehofft hatte, von Zuckerbergs Wunsch nach Privatsphäre profitieren zu können.

Wie im Film

Wie in dem Film «The Social Network», der von den Anfängen von Facebook erzählt, geht es ums Kämpfen mit harten Bandagen und um gebrochene Versprechen. Wie man im Film erfährt, beschuldigten die Winklevoss-Zwillinge Zuckerberg einst, Zusagen nicht eingehalten zu haben. Ähnliche Vorwürfe erhebt Voskerician. Zuckerbergs Anwälte bezeichnen das als Unsinn und sagen, Voskerician wolle nur Geld aus einem Milliardär herauspressen.

Hier die Fakten im Überblick: Im November 2012 hatte Voskerician einen Vertrag über den Kauf einer Immobilie hinter dem Anwesen von Zuckerberg im kalifornischen Palo Alto abgeschlossen. In einem Brief informierte er den Facebook-Chef, er wolle das Gebäude abreissen und ein neues Haus mit knapp 900 Quadratmetern bauen. Dieses würde das Zuckerberg-Anwesen überragen und den Blick auf das Hauptschlafzimmer erlauben.

Angebot als «guter Nachbar»

Dann machte Voskerician ein ungewöhnliches Angebot: Als «guter Nachbar» biete er Zuckerberg einen Teil des Geländes an, um ihm mehr Privatsphäre zu sichern. Innerhalb von zwei Wochen einigte man sich, dass Zuckerberg das gesamte Anwesen kaufen werde, zu einem Preis mit einem - nach Voskericians Darstellung - starken Abschlag.

Warum hätte Voskerician das tun sollen? Hier sind sich beide Seiten nicht einig. Laut Gerichtsunterlagen erklärt Voskerician, Zuckerberg habe ihm versprochen, ihm Kontakte im Silicon Valley zu vermitteln. Aber schriftlich festgehalten war nichts.

Zuckerbergs Anwälte bestreiten das und weisen Voskericians Forderungen sämtlich zurück. Aber der Immobilienentwickler klagte, und wenn es keine Einigung gibt, kommt der Fall vor Gericht. Sollte Voskerician gewinnen, dürfte er seine Immobilie zurückerhalten.

E-Mails als Schlüsselloch

Die E-Mails, die im Zuge des Rechtsstreits bekannt wurden, erlauben einen flüchtigen Blick in Zuckerbergs private Welt. Und es wird deutlich, dass man in seinem engsten Umfeld wütend über Voskerician war.

In einer E-Mail nannte Zuckerbergs Finanzberater Divesh Makan das Angebot einen «obszönen Vorschlag». In einer anderen schrieb Zuckerbergs damalige persönliche Assistentin Anikka Fragodt: «Solches Verhalten weckt in mir den Wunsch, jemanden ins Gesicht zu schlagen.» Sie fügte einen traurigen «Smiley» an. Zuckerbergs Ehefrau Priscilla Chan klagte: «Solche Dinge machen mich einfach nur traurig und wütend.» Sie fragte an, ob Makan in aller Stille herausfinden könne, ob das Paar nicht das ganze Anwesen von Voskerician kaufen könne.

«Erpresserische Taktiken»

Zuckerbergs Anwälte sagen laut Gerichtsunterlagen, der Entwickler wende «erpresserische» Taktiken an. Sie verwiesen auf eine E-Mail vom 28. November, in der Voskerician seinem Immobilienmakler vorschlug, dem Facebook-Chef anzubieten, sich Privatsphäre zu erkaufen. Falls «Mark vorhat, hier auf Dauer zu wohnen», so Voskerician, dann habe er eine Chance «sicherzustellen, dass seine Privatsphäre da ist wo sie ist und wo sie sein soll». Im weiteren Verlauf schreibt er, das neue Haus werde «seinen Hinterhof/Hauptschlafzimmer» überragen. Voskericians Anwalt erklärt, sein Mandant habe niemanden erpressen wollen.

E-Mails von Voskerician zeigen jedoch, wie sehr ihm an Zugang zum erlauchten Umfeld von Mark Zuckerberg gelegen war. In einer E-Mail vom 13. April 2013 schlägt er vor, den Deal per «Handschlag» zu besiegeln und sich persönlich zu treffen. Ein Grund für die Transaktion sei Zuckerbergs Angebot gewesen, Voskerician dabei zu unterstützen, seine Häuser, und Entwicklungsprojekte vor Facebook-Mitarbeitern zu präsentieren und eine Beziehung zu Zuckerberg aufzubauen.

Der E-Mail-Verkehr zeigt jedoch, dass Zuckerbergs Team daran keinerlei Interesse hatte. Als Voskerician aber weiter insistierte, begannen Facebook-Mitarbeiter sich Sorgen zu machen, dass er Probleme machen könnte.

Zuckerbergs Assistentin Andrea Besmehn schrieb eine entscheidende E-Mail: «Ich habe gerade kurz mit Mark über das Thema gesprochen, und er sagte, er erinnere sich gesagt zu haben, dass er dem Mann auf eine ’leichte’ Art helfen werde», schrieb sie an Makan und andere. «Gibt es eine Möglichkeit dass wir mit ihm reden und einen Weg finden, dass wir (nicht unbedingt Mark) ihm bei irgendetwas Kleinem helfen?»

Anschuldigungen zurückgewiesen

Voskericians Anwalt David Draper wollte sich zu der Klage nicht äussern. Zuckerberg hat laut Gerichtsunterlagen vom Oktober die Anschuldigungen zurückgewiesen. Sein Anwalt Patrick Gunn und Makans Anwalt Daniel Bergeson lehnten eine Stellungnahme zu dem Fall ab.

Wie auch immer der Fall ausgeht: Dank Makan und seinem Team dürfte ausser Voskerician niemand sonst mehr die Privatsphäre von Zuckerberg bedrohen. Als Voskerician begann, seine Forderungen mit Nachdruck zu stellen, kaufte Makans Firma Iconiq Capital LLC weitere Anwesen in der Nachbarschaft von Zuckerbergs Haus auf. Allerdings zu einem hohen Preis: Für eines zahlte sie 10,5 Millionen Dollar, für ein zweites 14 Millionen Dollar und für ein drittes 14,5 Millionen Dollar. Diese Preise stellten die Schätzungen für die Grundstücke in den Schatten, die 2013 bei zusammen nur 3,5 Millionen Dollar lagen.

(bloomberg/chb/ama)

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