Für Ralf Beyeler, den Telekom-Experten beim Vergleichsdienst Comparis, ist es unverständlich: «In der Schweiz sind schätzungsweise über 1 Mio Laptops mit integriertem WLAN-Modem im Umlauf. Trotzdem wird im Bahnverkehr Mobilfunktechnologie forciert.» Diese werde jedoch um ein Vielfaches weniger genutzt.

Das hat einen Grund: Für die Nutzung eines WLAN-Hotspots genügt das simple Aufladen eines kleinen Prepaid-Guthabens oder die Bezahlung per Kreditkarte. Mobilfunk-Surfen fordert dagegen die Anschaffung einer Steckkarte oder eines USB-Modems für gut 400 Fr. Günstiger ist ein Abo. Gerade eben mal 90000 Kunden zählt Swisscom mit ihrem UMTS/HSPA-Angebot «Mobile Unlimited».

Experten schütteln den Kopf

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag wird das mobile Breitbandangebot trotzdem bis Mitte 2008 weiter ausgebaut – auch im Bahnverkehr. WLAN dagegen steht hinten an. Dabei laborieren Swisscom und SBB bereits seit 2003 an WLAN in Zügen herum. Nach Verzögerungen war der Start auf Ende 2007 geplant. Laut Swisscom-Mediensprecher Sepp Huber wird es jetzt aber April 2008, bis Reisende auf der Strecke Zürich Bern über WLAN surfen können. Auf die Frage, warum die Einführung so lange dauert, äussert man sich kryptisch bei Swisscom. Der Aufbau der technischen Plattform sei abgeschlossen. Die Zeit bis zum Produktstart werde nun für die Optimierung des Systems ausgenützt.

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Experten schütteln darüber den Kopf. «Ich kann mir die Verzögerung nur dadurch erklären, dass Swisscom ihr eigenes Unlimited-Angebot nicht selbst konkurrieren will», sagt etwa Beyeler. Denn die vorhandene technologische Infrastruktur würde eigentlich eine schnellere Einführung eines WLAN-Angebotes ermöglichen. Die Deutsche Bahn hat es vorgemacht. In den ICE-Zügen auf den Strecken Dortmund–Frankfurt sowie Frankfurt–München und Frankfurt–Hannover ist WLAN bereits in Betrieb.

Wenig Druck

In der Schweiz scheint allerdings selbst im Vorfeld zur Euro 08 der Druck nicht allzu gross zu sein. Bei der Ombudscom, der Schlichtungsstelle der Telekombranche, ist bisher noch keine einzige Beschwerde zum Thema WLAN im Zug eingegangen. Die Stiftung für Konsumentenschutz verhält sich abwartend. «Wir äussern uns derzeit weder dafür noch dagegen», so Projektleiter Thomas Meier. Einerseits sieht er einen Bedarf besonders für Berufspendler. Anderseits will die Stiftung auch jenen Konsumenten Gehör verschaffen, die gegen eine Verstärkung von elektromagnetischen Strahlen im öffentlichen Raum sind.