«Tram-Aussenwerbung gilt als ideales Werbemittel, um in ganz Zürich schnell bekannt zu werden» – so der Lockruf der Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ. Erlegen ist diesem auch die in London domizilierte Fondsgesellschaft M&G Investments. Vor rund 83 Jahren legte die Firma den ersten Publikumsfonds in Europa auf – das ist denn auch die Werbebotschaft, die dem potenziellen Anleger nähergebracht wird: «Aktives Fondsmanagement seit 1931.» Mehr nicht.

Und trotzdem scheint man bei den Briten nichts anbrennen lassen zu wollen: «Bitte beachten Sie, dass der Wert von Anlagen schwanken kann und dass Sie den ursprünglich investierten Betrag möglicherweise nicht zurückhalten», können Passanten auf einem beklebten Tramfenster von aussen lesen – und zwar annähernd so gross, wie das M&G-Logo selbst.

Werbeaktion für mindestens 313'200 Franken

Ein Haftungsausschluss, der so nirgendwo vorgeschrieben wäre: «Ein solcher Disclaimer wäre lediglich dann angezeigt, wenn durch bestimmte Äusserungen oder visuelle Darstellungen in der Werbung beim Publikum spezifische Erwartungshaltungen geweckt werden», erklärt Markus Fuchs, Geschäftsführer der Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA). Und er zieht einen Vergleich: «Solch allgemeine Werbung ist ja auch für Pharma- oder Getränkemarken zu sehen. Disclaimer werden erst notwendig, wenn konkrete Produkte beworben werden.» 

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Um eine Auflage der Zürcher Verkehrsbetriebe handelt es sich ebenfalls nicht: «Der Disclaimer wurde von M&G so gewünscht», bestätigt VBZ-Sprecher Andreas Uhl auf Anfrage, «verlangt haben wir das nicht.» Bei der besagten Werbung, die derzeit auf sechs Cobra-Trams durch die Limmatstadt fährt, handelt es sich um das sogenannte «Large Moving Poster», das pro Fahrzeug und Halbjahr 26'100 Franken kostet. Gemäss Uhl wurde der Vertrag um weitere sechs Monate verlängert, so dass die Gesamtkosten der Werbeaktion mindestens 313'200 Franken betragen.

Direkte Ansprache an den Endanleger

Bei der für die Schweiz zuständigen M&G-Pressestelle in Frankfurt hat man für die vorsichtige Formulierung eine spontane Erklärung: «Das dürfte eine Vorgabe des Marketing-Teams gewesen sein», heisst es. Genauere Abklärungen sind noch immer im Gang. Allgemein ist in Finanzkreisen seit Jahren bekannt, dass die Rechtsabteilungen der angelsächsischen Institute einen sehr vorsichtigen und konservativen Kurs fahren, der hie und da in der Branche für Kopfschütteln gesorgt hat.

Diese Werbeoffensive der Angelsachsen ist nicht neu: Asset-Management-Firmen wie M&G Investments oder auch Blackrock wollen – beispielsweise auch durch plakative Auftritte in Schweizer Touristikregionen – ihre Marken dem breiten Privatpublikum bekannt machen. «Damit wecken sie zunehmend und in direkter Weise das Interesse der Endanleger», so SFAMA-Geschäftsführer Fuchs. Das Ziel ist klar: Kunden sollen ihre hiesigen Anlageberater auf die entsprechende Produktpalette aufmerksam machen. 

Finanzwerbung auf Zürcher Trams ist keine Seltenheit: Seit 2012 sorgten unter anderem vollflächig beklebte Cobra-Trams der Saxo Bank, der Bank Vontobel oder von Swissquote für Aufsehen. Heute sind laut VBZ-Sprecher Uhl fünf dieser Tramvollbemalungen unterwegs: Edelweiss, Swisscom, Jelmoli, Local und Sympany zahlen dafür pro Gefährt und Vertragsdauer zwischen 280'000 (6 Monate) und 480'000 Franken (12 Monate).