An ihrer Bilanzkonferenz erklärte die Zürcher Kantonalbank ZKB jüngst, ein «substanzieller» Teil ihrer 7 Mrd Fr. verwalteter Vermögen von ausländischen Privatkunden stamme aus Deutschland. An die Substanz geht deshalb auch ein Bericht des «Sonntag», dass dem nach Steuerflüchtlingen fahndenden Bundesland Baden-Württemberg Daten von deutschen ZKB-Kunden vorlägen. Das bestreitet gegenüber der «Handelszeitung» nun der Mann, dessen Geschäftsfeld direkt von diesem Verdacht betroffen wäre: Christoph Weber, Leiter Private Banking bei der ZKB. «Die ZKB hat keinerlei Anhaltspunkte, dass den deutschen Steuerbehörden Kundendaten der ZKB angeboten worden sind.» Auch sei die Bank diesbezüglich weder von der Zürcher Staatsanwaltschaft kontaktiert worden, noch habe sich die Bundesanwaltschaft eingeschaltet, so Weber.

Reichlich Angriffsfläche

Dazu sieht der Banker auch keinen Grund. «Ausländische Gesetzgebungen wurden immer eingehalten.» Die Verantwortung für die Steuerdeklaration trage jedoch der Kunde - und nicht die ZKB.

So einfach ist es allerdings nicht. Denn die ZKB hat im Rückenwind der Credit Suisse ebenfalls aufgestreckt und gemeldet, dass bis zu 60% der Gelder ihrer Auslandskunden nicht deklariert seien. Auch wenn ZKB-Sprecher Urs Ackermann diese Zahl inzwischen als «Mutmassung» bezeichnet, liefert dies den deutschen Behörden reichlich Angriffsfläche. Die Gegenseite weiss darum und hält den Druck im Nervenkrieg aufrecht. «Zu den Daten einzelner Banken sagen wir nichts», sagt Bertram Dornheim, Sprecher des Finanzministeriums Baden-Württemberg. Er macht aber deutlich, dass die 1742 Datensätze eine «breite Auswahl» an Kunden von Schweizer Banken und Versicherern beträfen.

Obschon die Existenz eines solchen «Best-of-Samplers» nicht sehr wahrscheinlich klingt, wird der Effekt dadurch maximiert: Die Verunsicherung bei Steuersündern soll ja auch möglichst breit ausfallen. Bereits jetzt melden sich deutsche Bankkunden in Scharen, um versteckte Vermögen anzugeben. Ende Woche will das Ministerium eine Überschlagsrechnung anstellen, wie viele Selbstdeklarationen eingegangen sind. «In nächster Zeit» solle dann der Beschluss fallen, ob die angebotenen Daten auch tatsächlich gekauft werden, so Dornheim.

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Steuerstatus abgefragt

Erst wenn sich reuige Steuerflüchtlinge bei der ZKB melden, macht diese sich daran, den Anteil der nicht deklarierten Gelder zu reduzieren. «Die ZKB ermutigt Kunden, die offensichtlich nicht versteuerte Vermögenswerte halten auf ihre Nachfrage hin, den Weg zur Offenlegung zu beschreiten», so Weber. Bei ausländischen Neukunden geht die Bank jedoch weiter als andere Schweizer Institute: Der Steuerstatus wird abgefragt und plausibilisiert. Die ZKB habe sich zum Ziel gesetzt, lediglich Kunden aufzunehmen, die in ihren Herkunftsländern ordnungsgemäss versteuern, so der Leiter des Private Banking. «Andere Kundenbeziehungen werden abgelehnt.» Auf wie viele Gelder er so schon verzichten musste, kann Weber dabei nicht sagen. «Entsprechende Erhebungen werden nicht gemacht.»