Bei ihnen stimmt alles. Von der Visitenkarte bis zum gepflegten Auftritt haben Canay Deniz, derzeit Präsident von ETH juniors, und sein Vize Luciano Franceschina schon gewonnen. Das ist Teil des Erfolgs, wenn sie bei Schweizer Industrie- und Dienstleistungs- unternehmen sowie bei KMU Projekte präsentieren.

Das Team von derzeit zehn Studierenden, darunter eine Frau, bietet nicht nur Projektberatung. ETH juniors hat sich zum grössten Anbieter von Recruiting Services der ETH Zürich entwickelt. Europaweit liegen die ETH juniors im Wettbewerb mit anderen Junior Enterprises in Bezug auf Geschäftsgrösse und Jahresumsatz in den vordersten Rängen, so auch an der Konferenz aller europäischen Junior Enterprises, die vor kurzem stattgefunden hat.

Die ETH juniors können ein Glücksfall für viele Unternehmen sein, die in den Bereichen Logistik und Prozessorientierung, Informationstechnologie, Marketing oder Innovation und Produktentwicklung ausgetretene Pfade verlassen wollen. Manchmal braucht ein Start-up personelle Unterstützung, auch da können die ETH juniors helfen. Denn sie haben eine Lizenz für den Personalverleih im Kanton Zürich.

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Fundus von über 25000 Kräften

Wenn Anfragen aus Unternehmen eintreffen - beim Termin vor Ort lagen zwei neue Projektanfragen auf dem Tisch - wird gehandelt: Kundenproblem besprechen und Bedürfnisse abklären, Studierende mit dem idealen Profil finden usw. Dabei kann auf das Wissenskapital von über 25000 Stu-dierenden der ETH und Universität Zürich zurückgegriffen werden. Die Unternehmen profitieren von einem riesigen Talent-Pool.

Die ETH juniors übernehmen die Projektleitung mit jeweils zwei Teammitgliedern und damit auch die volle Verantwortung für die ganze Projektdauer. Die Aufträge beschränken sich laut Deniz nicht nur auf neue Technologien, auch Marketing oder Marktforschung sind gefragt. «Es gibt Programme, für die wir speziell nach Leuten suchen, die gerade abschliessen, weil sie das ganze Know-how eines Studiums vorweisen können und daher sehr daran interessiert sind, Firmen kennen zu lernen.» Bei ETH juniors lernt man viel über Management. Deniz weiter: «Nach dem Auftragseingang kommen Tunings, Feinbesprechungen, wie alles abläuft. Es stellt sich die Frage nach der Anzahl Leute und deren Qualifikation, die Projektleiter werden bestimmt, man spricht über die Erwartungen des Kunden und über Saläre.»

Erst kommt die Offerte und nach der Vertragsunterschrift werden Studierende als Mitarbeitende ja nach Leistungsprofil gesucht und Bewerbungsgespräche geführt. ETH juniors bietet dazu Workshops über Präsentation und das richtige Outfit. Zudem offeriert man Interviewtrainings.

«Man lernt Verantwortung zu übernehmen, gleichzeitig passiert das in einem geschützten Rahmen, weil ETH juniors seit 12 Jahren existiert und einen sehr guten Namen hat», sagt Canay Deniz.

Job zwischen Studium und Beruf

Der Präsident betreibt auch aktiv Marketing für «seine» Firma. Derzeit weisen Plakate darauf hin, dass ETH juniors Leute zu einem Übergangsjob zwischen Studium und Berufsleben verhelfen kann. Die Nachfrage sei gross. Kürzlich konnte man einen Studenten sogar für einen zweimonatigen Job als Projektleiter ins New Yorker Rockefeller Center vermitteln. Und Vize Luciano Franceschina fliegt demnächst zu einer Besprechung nach Deutschland.

Wer sich nach einer längeren Phase, rund ein- bis eineinhalb Jahren, wieder zurückziehen will, weil das Studium nicht länger warten kann, hat unglaublich viel gelernt, ein riesiges Networking und einen ganzen Ordner voller Visitenkarten, lacht Deniz.

ETH juniors wurde 1997 an der ETH Zürich gegründet und wird seither von sechs bis zehn Studierenden geführt, von sogenannten Mainboard-Mitgliedern.