Die News hat für Aufsehen gesorgt: Die Neue Rück, die Schweizer Tochtergesellschaft des deutschen Rückversicherers Münchener Rück, verlegt ihren Sitz von Genf nach Zürich. Ausgerechnet Zürich, wo die Swiss Re in den vergangenen bald 150 Jahren dominierte und 2006 den Höhepunkt erlebte: Nach der Übernahme des US-Rückversicherers GE Insurance Solutions waren die Zürcher während zweier Jahre die Nummer eins der Branche. Bis sie die Finanzkrise vom Podest holte. Nun zieht die lange als konservativ und langweilig verschriene Münchener Rück, die - sehr zum Leidwesen von Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz - wieder Branchenprimus ist, in den Grossraum Zürich.

Spezialisten heiss umworben

Dieser Ortswechsel ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens lassen die Münchener ihre Muskeln spielen, indem sie das Terrain ihres grössten Konkurrenten betreten. Zweitens nutzen auch sie die momentane Schwäche der Swiss Re aus - nach den milliardenschweren Abschreibern lautet dort die Devise «zurück zu den Wurzeln» und «Kosten senken». Die grosse Vision einer Konvergenz von Versicherungsmarkt und Kapitalmarkt hat einen herben Rückschlag erlitten. Als Folge müssen 10% der 11500 Swiss-Re-Stellen abgebaut werden.

Die Konkurrenz profitiert. Bei der Neuen Rück heisst es diplomatisch, dass die allgemeine Wirtschaftssituation dem Konzern zugute komme und die Qualität der Bewerbungen in Zürich überdurchschnittlich gut sei. Benjamin Gentsch, CEO des Rückversicherers Scor Schweiz (ehemals Converium), sagt: «Es ist nie einfach, Spezialisten zu finden. Aber diejenigen, die wir suchen, können wir heute relativ gut rekrutieren.

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Kommt hinzu, dass Zürich nach den USA, Deutschland und Bermuda der viertgrösste Standort ist. Zählt man das Geschäft von Zweitniederlassungen hinzu, dürfte Zürich weltweit gar die Nummer drei sein. Zu dieser Einschätzung kommt der Berater und Rückversicherungsexperte Kai-Uwe Schanz, Mitinhaber von Schanz, Alms & Company.

Dass sich Zürich zum Mekka der Versicherer und Rückversicherer entwickelt, zeigt nicht nur die jüngste Neuansiedlung. In den vergangenen Monaten hat der US-Versicherer ACE seinen Holding-sitz nach Zürich verlegt. Aus Bermuda sind Axis Capital, Arch Capital, Aspen und Endurance gekommen. Vor zwei Jahren übernahm die französische Scor, die zuvor keine signifikante Präsenz in der Schweiz hatte, Converium und machte Zürich zu einem ihrer sechs Hubs. Glacier, eine Neugründung mit US- und britischem Kapital, sitzt in Pfäffikon und Paris Re, eine französische Holding, in Zug.

Aussichten sind «hervorragend»

Dass sich Zürich so zu einem Cluster entwickelt, liegt am ausgeprägten Erstversicherungsmarkt sowie am Bankenplatz. Und die Zukunftsaussichten sind laut Schanz hervorragend: «Fachkräfte können aufgrund der hohen Lebensqualität global rekrutiert werden. Die administrative, rechtliche und regulatorische Infrastruktur gelten als vorbildlich. Die Rolle des Staates dürfte sich in der Schweiz im Gefolge der Finanzkrise weniger stark akzentuieren als in den USA, Grossbritannien und Deutschland.» Kommt hinzu, dass Zürich angesichts der explodierenden Haushaltsdefizite in den OECD-Staaten auch steuerlich wettbewerbsfähig bleiben wird.

Die Rückversicherer haben, wie das Beispiel Scor zeigt, mit Ausnahme der Swiss Re die Krise gut überstanden und sich als widerstandsfähig gezeigt. Davon wird Zürich weiterhin profitieren.

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NACHGEFRAGT
«Sehen neue Chancen»

Der Chef von Scor Switzerland, Benjamin Gentsch, zum Rückversicherungsstandort Zürich.

In Zürich befinden sich rund 20 Rückversicherer. Wird der Kampf um Kunden und Prämien härter?

Benjamin Gentsch: Konkurrenz belebt das Geschäft, zweifelsfrei. Heute ist die Schweiz wahrscheinlich der viertgrösste Rückversicherungsstandort weltweit nach London, Bermuda und Deutschland. Unter Einbezug des Geschäfts von Zweigniederlassungen wahrscheinlich die Nummer drei. Das Rückversicherungsgeschäft ist ein globales Business, das traditionell von grosser Konkurrenz geprägt ist. In diesem Markt ist der starke Standort Zürich einer der wichtigsten Spieler weltweit.

Haben die massiven Probleme von Swiss Re, dem Platzhirsch, Scor beeinflusst?

Gentsch: Wir glauben, dass die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise das Wettbewerbsumfeld auf dramatische Weise verändern und für die wettbewerbsstärksten Akteure wie Scor mit neuen Wachstumschancen verbunden sein wird. Aktuelle regulatorische Tendenzen fördern ganz klar die Diversifikation der Platzierung von Rückversicherungsanteilen. Scor sieht sich in diesem Umfeld als einen der Gewinner.

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Was macht Sie so sicher?

Gentsch: Scor ist einer der wenigen Rückversicherer, der 2008 seine Eigenkapitalbasis halten konnte und kein einziges Verlustquartal verbuchen musste. Gegen den Trend hat Scor sogar Upgrades von drei Rating-Agenturen erhalten.

Was sind die Ziele für dieses Jahr?

Gentsch: Scor rechnet mit einer gesteigerten Nachfrage nach Rückversicherung aufgrund des erfolgten Kapitalschwunds bei den meisten Erstversicherern.

Ist Scor auf Kurs?

Gentsch: Ja.

In Zürich befinden sich rund 20 Rückversicherer. Wird der Kampf um Kunden und Prämien härter?


Benjamin Gentsch: Konkurrenz belebt das Geschäft, zweifelsfrei. Heute ist die Schweiz wahrscheinlich der viertgrösste Rückversicherungsstandort weltweit nach London, Bermuda und Deutschland. Unter Einbezug des Geschäfts von Zweigniederlassungen wahrscheinlich Nummer 3. Das Rückversicherungsgeschäft ist ein globales Business, das traditionell von grosser Konkurrenz geprägt ist. In diesem Markt ist der starke Standort Zürich einer der wichtigsten Spieler weltweit.

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Swiss Re hat als Platzhirsch massiv mit Problemen der Finanzkrise zu kämpfen. Hat das Scor beeinflusst?

Gentsch: Wir glauben, dass die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise das Wettbewerbsumfeld auf dramatische Weise verändern und für die wettbewerbsstärksten Akteure wie Scor mit neuen Wachstumschancen verbunden sein wird. Aktuelle regulatorische Tendenzen fördern ganz klar die Diversifikation der Platzierung von Rückversicherungsanteilen. Scor sieht sich in diesem Umfeld als einer der Gewinner.

Was macht Sie so sicher?

Gentsch: Scor ist einer der wenigen Rückversicherer, der im 2008 seine Eigenkapitalbasis halten konnte und kein einziges Verlustquartal verbuchen musste. Gegen den Trend hat Scor sogar Upgrades von drei Rating-Agenturen erhalten.

Was sind die Ziele für dieses Jahr?

Gentsch: Scor rechnet mit einer gesteigerten Nachfrage nach Rückversicherung aufgrund des erfolgten Kapitalschwunds bei den meisten Erstversicherern.

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