250 bis 300 Millionen Franken wollen die Verkehrsbetriebe Zürich VBZ in bis zu 70 neue Niederflurtrams investieren. Das Verfahren dauert bald fünf Jahre. Die öffentliche Auschreibung fand bereits 2012 statt. Bis Ende letzten Jahres hätte sich der Verkehrsrat des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) als politisches Finanzierungsgremium für eine Tramofferte aussprechen sollen. Doch geschehen ist seither nichts.

Wie nun Recherchen der «Handelszeitung» zeigen, hat der ZVV-Verkehrsrat mitten im Vergabeverfahren die Spielregeln geändert. So wurden die offerierenden Tramhersteller Ende Juni schriftlich darüber informiert, dass der ZVV-Verkehrrat erst spätestens 2015 entscheiden werde. Die Tramhersteller – darunter Stadler, Siemens und Bombardier – wurden deshalb aufgefordert, ihre befristeten Offerten bis ins nächste Jahr zu verlängern. Denn der ZVV-Verkehrsrat hat inzwischen die Winterthurer Beratungsfirma Molinari Rail engagiert, um die eingegangenen Offerten erneut prüfen zu lassen.

VBZ war für das Flexy-Tram von Bombardier

Dies ist ein Affront gegenüber den Verkehrsbetrieben Zürich. Denn die VBZ hatten sich zuvor für das Flexity-Tram von Bombardier ausgesprochen, wie Recherchen zeigen. Als zweitplatzierte Firma ging Siemens vor Stadler aus dem VBZ-Auswahlverfahren.

Der ZVV-Verkehrsrat, dem Vertreter des Bundes und SBB angehören, setzt sich nun aber über die Empfehlungen der VBZ hinweg und nimmt dafür weitere Verzögerungen in Kauf. Der ZVV äussert sich zum laufenden Verfahren nicht und betont ledlich, man prüfe die Beschaffung sorgfältig. Bei den offerierenden Tramherstellern ist das Misstrauen gegenüber Molinari gross. Im Verwaltungsrat der Beratungsfirma sitzt beispielsweise der frühere Chef Personenverkehr der SBB, Paul Blumenthal. Er amtet zugleich als Präsident der Basler Verkehrsbetriebe. Die BVB setzen auf die Flexity-Trams von Bombardier.

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