Am 26. März 2010 hat der Zürcher Stadtrat die vier möglichen Standorte für das neue Kongresszentrum vorgestellt - nicht mehr im Rennen ist das Gelände, auf dem das altehrwürdige Kongresshaus Zürich steht, da das Stimmvolk diese Variante verworfen hat. In Frage kommen das Kasernenareal, das Geroldgebiet in Zürich-West, der Hafen Enge und der vordere Kreis 5.

Um die Vorschläge mit allen interessierten und involvierten Kreisen zu diskutieren, lädt die Stadt Zürich am 10. Juni 2010 von 18 bis 21 Uhr ins EWZ-Unterwerk Selnau. Die Teilnehmerzahl ist auf 150 Personen beschränkt. Danach will sich der Stadtrat definitiv für einen Standort entscheiden und dem Gemeinderat einen Projektierungskredit für das neue Kongresszentrum beantragen. Die Rede ist von bis zu 470 Mio Fr. Der Architekturwettbewerb dazu ist für 2011 geplant.

Nun meldet sich der ehemalige Zürcher Stadtpräsident zu Wort. Im Interview mit der «Handelszeitung» sagt Elmar Ledergerber, seit bald einem Jahr Präsident von Zürich Tourismus: «Zuerst will ich klar festhalten, dass ein neues Kongresszentrum im Investitionsplan der Stadt absolut oberste Priorität geniessen muss.»

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Seine Vermarktungsorganisation Zürich Tourismus unterstütze mit vollen Kräften jedes Projekt, das Chancen auf eine Realisierung habe. Ledergerber ergänzt: «Zürich braucht wirklich ganz dringend ein modernes und zweckmässiges Kongresszentrum, das eine internationale Ausstrahlung hat. Deshalb muss die Qualität des Baus hoch sein. Er muss an einem strategisch optimalen Standort erfolgen und mit einem Hotel kombiniert werden, das 300 bis 500 Betten zur Verfügung stellt.»

Wo dies geschieht, erachtet Ledergerber aber nicht als vorrangig: «Ob das dann der Car-Parkplatz beim Hauptbahnhof, das Kasernenareal oder ein anderer Standort ist, der letztlich ausgewählt wird, ist eigentlich sekundär. Wichtig ist, dass es vorwärtsgeht.»

Angesprochen auf den zeitlichen Horizont, gibt sich Ledergerber defensiv: «Wir sind in der Schweiz, wir sind speziell in Zürich, wo es grössere Bauvorhaben aus schmerzlicher Erfahrung besonders schwer haben, auch tatsächlich umgesetzt zu werden. Daher meine ich, dass es im Idealfall mindestens noch zehn Jahre dauert, bis das neue Zürcher Kongresszentrum effektiv steht.»

Zuversichtlicher ist Ledergerber, wenn es um die Form des zukünftigen Kongresszentrums geht: «Den projektierten Bau an sich und das dafür entworfene Raumprogramm halte ich nach wie vor für vernünftig und auch umsetzbar.»