Viktor Vekselberg will seine Villa an der Zürcher Susenbergstrasse verlassen. Der russische Milliardär sucht sich einen neuen Wohnsitz. Grund: 2010 schafft der Kanton Zürich die für Reiche attraktive Pauschalbesteuerung ab. Laut Informationen der «Handelszeitung» lässt der Russe diverse Standorte prüfen. Besonders interessiert zeige sich Vekselberg am Kanton Schwyz, heisst es aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen.

Schwyz ermöglicht nach wie vor eine Besteuerung nach dem Aufwand und lockt mit schöner Lage, der guten Anbindung an Zürich - hier sitzt Vekselbergs Beteiligungsfirma Renova - und der Nähe zum Flughafen. In den Kanton Schwyz - vorab nach Freienbach, Wollerau und Feusisberg - zieht es auch andere Vermögende. Markus Beeler, Chef der Schwyzer Steuerverwaltung, bestätigt, dass die Zahl der Pauschalbesteuerten per Ende Jahr massiv zunehmen wird. «Ende 2008 führten wir 58 Fälle, Ende dieses Jahres werden es zwischen 70 und 80 Personen sein», sagt er. Schwyz profitiere eindeutig von den Veränderungen in Zürich: «Dieser Kanton galt zuvor als erste Anlaufstelle für vermögende Ausländer auf Wohnsitzsuche. Nun sind wir es, die häufig als Erste angefragt werden.» Die Mehrheit der Interessenten rufe aus dem Ausland an, vereinzelt seien auch Anfragen aus Zürich dabei.

Zug: Strom an Interessenten

Ins selbe Horn stösst Urs Hartmann, Chef der Graubündner Steuerverwaltung. Er erwartet bis Ende Jahr einen Anstieg bei den Pauschalbesteuerten von heute 258 auf rund 270. Ein ähnliches Bild zeichnet Philipp Moos, stellvertretender Leiter der Zuger Steuerverwaltung. «Der Strom an Interessenten ist ungebrochen», sagt er. Bis Ende Jahr werde die Zahl der Pauschalbesteuerten von 92 auf über 100 steigen. Dass die Veränderungen in Zürich beim Zuwachs eine Rolle spielen, kann Moos zwar nicht direkt bestätigen, er geht aber davon aus. Im Kanton Obwalden, der mit seinen Plänen, Sonderzonen für Reiche zu schaffen, nationales Aufsehen erregt hatte, legt die Pauschaliertenzahl ebenfalls zu. Branko Balaban, Leiter der Obwaldner Steuerverwaltung, erwartet bis Ende 2009 einen Zuwachs von derzeit 18 auf 20 oder mehr Personen.

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Nicht nur Vekselberg soll einen Wegzug aus Zürich prüfen: Gleiches ist aus dem Umfeld von Müllermilch-Milliardär Theo Müller zu hören. Noch zu Jahresbeginn hatte er öffentlich mit seiner Abwanderung gedroht, sollte Zürich die Pauschalbesteuerung abschaffen. Müller selber gibt sich heute schweigsam und lehnt, wie auch Vekselberg, einen Kommentar ab.

Zürich: Erste Auswirkungen

Die Zürcher Steuerverwaltung jedenfalls spürt bereits erste Auswirkungen. «Wir wissen von vereinzelten Betroffenen, die aus Zürich wegziehen werden», sagt Amtsleiter Adrian Hug. Er rechnet damit, dass es zu weiteren Abgängen kommt, erwartet aber keinen Exodus. «Die Pauschalbesteuerung war nie unser Hauptargument im Standortwettbewerb, wir haben auch ohne dieses Steuerinstrument sehr gute Karten.»

Nach Aufwand besteuerte Personen sind solche, die erstmals oder nach mindestens zehnjähriger Landesabwesenheit in der Schweiz steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt nehmen und hier nicht erwerbstätig sind. Anstelle der ordentlich bemessenen Steuer, die auf dem Einkommen und dem Vermögen basiert, können sie eine Steuer nach ihrem Aufwand entrichten. Massgeblich ist der Gesamtbetrag der jährlichen Kosten der Lebenshaltung.

Der Kanton Zürich ist der erste Kanton, der die Pauschalbesteuerung abschafft, wenn auch nicht freiwillig: Am 8. Februar nahm das Stimmvolk überraschend eine entsprechende Volksinitiative an. Die Gesetzesänderung tritt auf den 1. Januar 2010 in Kraft, steuertechnisch wirksam wird sie 2011. Pauschalbesteuerte, die aus Zürich wegziehen wollen, müssen sich bis Ende Dezember 2010 abgemeldet haben. Andernfalls werden sie ordentlich bemessen.