Transocean sucht den Boden unter den Füssen: Auch im vierten Geschäftsquartal macht das texanisch-schweizerische Unternehmen eine Wertberichtigung in Milliardenhöhe wegen des gesunkenen Werts seiner Anlagen. Der Gesamtverlust 2014 beläuft sich auf 1,9 Milliarden Dollar.

Manchmal wendet sich das Blatt rasch: Der Fall des Ölpreises hat Transocean in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2014 einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Die Verluste der letzten zwei Quartale liessen den Gewinn von fast einer Milliarde Dollar in den ersten zwei Quartalen komplett wegschmelzen und führten zu tiefroten Zahlen.

Umsatz auf gleichem Niveau

Für das vierte Quartal meldete Transocean in der Nacht auf Donnerstag einen Verlust von 739 Millionen Dollar. Hauptgrund dafür ist ein erneuter Abschreiber von total 1,1 Milliarden Dollar hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Wertverlust dem Geschäft mit Ölplattformen und Bohranlagen. Für das Gesamtjahr weist Transocean Berichtigungen von rund 3,8 Milliarden Dollar aus. Transocean habe nun keinen Goodwill mehr in den Büchern stehen, heisst es in der Mitteilung.

Umsatzmässig hat Transocean 2014 nur wenig gegenüber dem Vorjahr eingebüsst: Insgesamt nahm das Unternehmen 9,17 Milliarden Dollar ein, nach 9,25 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Die Kosten lagen tiefer. Zum hohen Betriebsverlust und Nettoverlust kam es wegen der hohen Wertberichtigungen.

Kreditrating auf Ramsch-Status herabgesetzt

Die Ratingagentur Moody's hat ihre Einschätzung für das Unternehmen auf «Ba1» von zuvor «Baa3» gesenkt. Damit hat Moody's das vorrangige Kreditrating des Ölserviceunternehmens auf Ramsch-Status herabgesetzt. Transocean habe hohe Kapitalverpflichtungen, gleichzeitig müsse mit einer längeren Abschwung in der Industrie gerechnet werden, heisst es zur Begründung.

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In einer am Mittwochabend publizierten Studie äussert der zuständige Analyst seine Besorgnis, der Verschuldungsgrad Transoceans könnte sich bis zum Jahr 2017 «materiell» verschlechtern. Er verweist auf die eingetrübten Marktbedingungen und die hohe Kapitalbindung, die mit dem Bau neuer Bohrinseln einhergehe.

Konzernchef Newman verliess den Konzern

Das in Zug ansässige Unternehmen machte vor zehn Tagen mit der Trennung von seinem Konzernchef Steven Newman von sich reden. Der Entscheid zur sofortigen Trennung sei in gegenseitigem Einvernehmen zwischen Newman und dem Verwaltungsrat gefällt worden, hatte Transocean mitgeteilt. Newman hatte das Unternehmen während fünf Jahren geleitet. In diese Phase fiel unter anderem der Brand auf der Transocean-Ölbohrplattform Deepwater Horizon 2010 im Golf von Mexiko. Die Katastrophe führte zu einer Ölpest.

(awp/moh/ise/me)