Wer per Bahn nach England will, bezahlt für die Zugfahrt unter dem Ärmelkanal nach Ansicht der EU-Kommission unnötig viel Geld. Zudem sei der Kanaltunnel nicht genügend ausgelastet, hält die Brüsseler Behörde fest.

Die EU-Kommission forderte deshalb Frankreich und Grossbritannien auf, die Missstände zu beheben. Die beiden Länder haben zwei Monate Zeit, zu antworten. Es droht ein Verfahren wegen Verletzung von EU-Recht vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Am Ende könnten auch Strafgelder fällig werden.

Die überhöhten Billettpreise und Frachtgebühren haben nach Einschätzung der EU-Kommission mehrere Gründe. So seien die Tunnel-Nutzungsgebühren für Bahnunternehmen zu hoch. Dies verhindere Konkurrenz auf der Strecke.

Neben einem speziellen Shuttleservice der Tunnelbetreiber bietet bisher nur Eurostar Passagierreisen nach London an, obwohl seit 2010 auch andere Unternehmen einsteigen könnten. Die Deutsche Bahn plant zwar eine Verbindung. Wegen Lieferschwierigkeiten bei Zügen verzögert sich das Vorhaben aber bis 2016.

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Auch fehlende Unabhängigkeit der eigens geschaffenen Aufsichtsbehörde für den Tunnel (IGC) sowie unflexible Nutzungsvereinbarungen mit Vertragslaufzeiten von 65 Jahren kritisiert die EU-Kommission.

All dies führe dazu, dass 43 Prozent der Tunnelkapazität ungenutzt blieben. Der Passagierverkehr wachse nur langsam, der Frachtverkehr nehme sogar ab.

(chb/aho/sda)