Können Sie Schwedisch?

Riet Cadonau: Nein, aber ich überlege mir, einen Crash-Kurs für den Alltag zu besuchen. Der wäre bei bald 700 Angestellten in Schweden wohl angebracht. Andererseits wird in Schweden hervorragend Englisch gesprochen.

Tatsache ist, dass Ascom nach der Akquisition von Tems in Schweden mehr Mitarbeiter beschäftigt als in der Schweiz. Wie häufig werden Sie in Schweden anzutreffen sein?

Cadonau: Ich lenke die Integration persönlich, deshalb werde ich in den kommenden Monaten sicher oft am Tems-Hauptsitz in den USA und an den Entwicklungsstandorten in Schweden sein.

Ascom soll beim mehrere Monate dauernden Bieterprozess zwischenzeitlich aus dem Rennen gewesen sein. Was ist passiert, dass Sie doch noch zum Zug kamen?

Cadonau: Offensichtlich mussten im letzten Herbst andere Bieter, die vorher höhere Angebote unterbreitet hatten, aufgrund des veränderten wirtschaftlichen Umfeldes aussteigen. Für uns ist das eine Bestätigung, dass es sich lohnt, unseren Akquisitionskriterien konsequent nachzuleben.

Planen Sie einen Stellenabbau aufgrund von Doppelspurigkeiten im Bereich Mobile Test Solutions?

Cadonau: Die Akquisition ist zum grössten Teil komplementär, weshalb wir nicht mit einem substanziellen Stellenabbau rechnen. Gewisse punktuelle Veränderungen sind aber nicht auszuschliessen.

Hat der Zukauf Einfluss auf den Abschluss des laufenden Investitionsprogramms «Vitesse»?

Cadonau: Nein, 55 von 60 Massnahmen wurden bereits umgesetzt, und die restlichen fünf laufen nach Plan.

Tems ist deutlich profitabler als die bisherigen Ascom-Bereiche. Warum ist das so?

Cadonau: Tems ist im Software-geschäft mit einem erstklassigen Produktangebot tätig. Unser Ziel besteht darin, die solide Profitabilität auch in Zukunft zu realisieren.

Ein weiteres Ziel ist es, mittelfristig 10% Ebit-Marge auf Gruppenstufe zu erreichen. Wie wollen Sie das bei Security Solutions schaffen, wo dieser Wert unter 5% liegt?

Cadonau: Security Solutions konnte sich im letzten Jahr massiv verbessern und mit einer Ebitmarge von 4,8% in die Gewinnzone zurückkehren. Ziel ist es, Effizienz und Produktivität von Security Solutions im laufenden Jahr weiter zu steigern und die Internationalisierung voranzutreiben. Zusammen mit den profitablen Divisionen Wireless Solutions und Network Testing ist eine 10%-Ebit-Marge auf Gruppenstufe heute ein realistisches Ziel für das Jahr 2010.

Sind weitere Zukäufe in den bestehenden drei Divisionen denkbar?

Cadonau: Allfällige künftige Akquisitionen werden nach der wichtigen Übernahme von Tems in den nächsten 18 Monaten kleiner ausfallen. Zudem ziehen wir eine Akquisition nur dann in Betracht, wenn der neue Bereich und die Ascom insgesamt auf Kurs bleiben.

Die Zürcher Kantonalbank hält noch immer ein beträchtliches Paket an Ascom. Wie lange noch?

Cadonau: Wir schätzen das gute Verhältnis zur ZKB und die damit verbundene Stabilität. Dies gibt dem Management die nötige Zeit, sich auf die weiteren operativen Verbesserungen zu konzentrieren.

Was wäre Ihr Wunschszenario als CEO? Wer soll dieses Aktienpaket übernehmen?

Cadonau: Mir sind Investoren willkommen, die unsere Strategie zumindest mittelfristig mittragen und unterstützen wollen.

Wie optimistisch ist Ihr Ausblick fürs laufende Jahr?

Cadonau: Ascom hat für das Jahr 2009 kein organisches Wachstum geplant. Da wir unsere Hausaufgaben noch vor Beginn der Krise gemacht haben und unser Geschäft zu zwei Dritteln nichtzyklisch ist, sind wir für die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen vergleichsweise gut gerüstet.

Ascom konnte Tems relativ günstig kaufen, ist aber an der Börse selbst tief bewertet. Werden Sie zur Übernahmekandidatin?

Cadonau: Ich bin überzeugt, dass dieser Zukauf Ascom stärken wird. Wenn wir die Erwartungen weiterhin erfüllen, wird sich dies früher oder später positiv auf den Aktienkurs auswirken.