Die Bank Julius Bär baut nach der Übernahme des ausseramerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch radikal Stellen ab. Von den gemeinsam rund 5700 Arbeitsplätzen sollen zwischen 850 und 1030 gestrichen werden. Ziel sei es, das bislang unrentable Geschäft von Merrill Lynch in die schwarzen Zahlen zu führen, teilte Julius Bär mit. Es zählt knapp 2100 Arbeitsplätze. Julius Bär verfügt über rund 3600 Mitarbeitende. Der geplante Abbau entspricht 15 bis 18 Prozent der Stellen.

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Welche der über 50 Standorte wie vom Abbau betroffen sein werden, blieb offen. Konzernchef Boris Collardi nannte auch in einer Präsentation für Analysten und Investoren in London keine Details dazu, sondern warb für den Deal und die dazu nötige Kapitalerhöhung.

Ein Sprecher von Julius Bär verwies auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda darauf, dass die Akquisition vor allem das Geschäft ausserhalb der Schweiz ergänze. Anpassungen seien vor allem dort geplant, wo Überlappungen entstehen.

Dias ausseramerikanische Vermögensverwaltungsgeschäft von Merrill Lynch ist seit längerem defizitär. 2010 betrug der Verlust des Geschäfts nach Steuern 13 Millionen Dollar, 2011 schwoll das Minus auf 83 Millionen Dollar an, wie Julius Bär bekannt gab. Im ersten Halbjahr 2012 resultierte ein weiteres Minus von 30 Millionen Dollar.

Unter Annahme einer Kostenreduktion auf das Niveau von Julius Bär wäre das Geschäft aber rentabel, wie Finanzchef Dieter Enkelmann erklärte. Vor Steuern würde demnach - hochgerechnet vom Semesterergebnis - in diesem Jahr statt eines Verlusts von 75 Millionen Dollar ein Überschuss von 94 Millionen Dollar entstehen.

«Viele Funktionen werden von Genf nach Zürich verlegt»

Collardi hatte bereits im August bei Ankündigung der Übernahme darauf hingewiesen, dass Überlappungen an zwölf Standorten entstünden. Konkret sind das Genf, Paris, London, Mailand, Monaco, Grand Cayman, Santiago de Chile, Montevideo, Tel Aviv, Dubai, Singapur und Hongkong.

In Genf beschäftigt Merrill Lynch rund 220 Angestellte. «Viele Funktionen werden von Genf nach Zürich verlegt beziehungsweise zusammengelegt», sagte Collardi Ende August in einem Interview mit der «Sonntagszeitung».

Synergien nutzen will er vor allem bei den allgemeinen Unternehmenskosten und im Back-Office, also etwa bei der Informatik, der Buchhaltung oder der Rechtsabteilung. Bei den Kundenberatern sehe er dagegen kaum Überlappungen, sagte Collardi. Das betroffene Geschäft von Merrill Lynch zählt gut 500 Kundenberater.

Rekord bei verwalteten Vermögen

Die Transaktion soll sich 2014 zumindest neutral auf den Gewinn von Julius Bär pro Aktie auswirken und 2015 einen Zuwachs von 15 Prozent bringen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) habe die Übernahme bereits genehmigt, sagte Collardi. Auch seien die Rückmeldungen von Schlüsselmitarbeitern beider Seiten positiv.

Julius Bär könne durch die Übernahme in einem harten Umfeld ihre Position als grösste reine Schweizer Privatbank wesentlich stärken, sagte Collardi. Aber auch aus eigener Kraft erreichte Julius Bär im August bei den verwalteten Vermögen ein Rekordhoch von 184 Milliarden Franken. Das sind 8 Prozent mehr als Ende 2011.

Von Merrill Lynch sollen Vermögen von 57 bis 72 Milliarden Franken integriert werden können. Der Kaufpreis beträgt 1,2 Prozent davon, also voraussichtlich zwischen 680 und 860 Millionen Franken. Hinzu kommen Integrationskosten von 312 Millionen Franken.

Trotz der anstehenden Kapitalerhöhung gab der Aktienkurs von Julius Bär der Titel nicht markant nach. 

(tno/awp/sda)