Es gibt keinen Zweifel - die Abstufung der Staatsschulden Dubais wird weltweit eine neue Welle der Risiko-Aversion auslösen, erwartet Natixis-Analyst Sylvain Goyon. Allerdings führen auch solche Grossereignisse nicht zwingend zu massiv fallenden Aktienkursen, wie die rasche Erholung nach dem Dubai-Schock letzte Woche gezeigt hat: «Tatsächlich hat sich das Chancen-Risiko-Profil für Aktien sogar verbessert», argumentiert Goyon weiter. Obwohl es schwerfalle anzunehmen, dass die Börsen positiv auf eine solche Entwicklung reagieren könnten. Anleger könnten sich teilweise oder ganz aus zu hoch verschuldeten Regionen verabschieden. Dies könnte auch eine Dollar-Krise nach sich ziehen, sagt Goyon. Denn die USA hätten das grösste Defizit weltweit und verliessen sich weiterhin stark auf die Finanzierung aus Übersee.

Ausverkauf bei Staatsanleihen

Allerdings: Auch Obligationen seien keine Alternative, so Joachim Fels, Chefökonom bei Morgan Stanley in London. Er rechnet für das kommende Jahr mit einem Anstieg der Inflation und einem Ausverkauf bei Staatsanleihen. Zwar dürfte sich die Weltwirtschaft erholen, aber aufgrund des Schuldenabbaus bei Privaten und Staaten nur schwach. In den letzten zehn Jahren hat sich die globale Schuldenlast verzweieinhalbfacht.

Mit einer W-förmigen Konjunkturentwicklung rechnet Albert Edwards, Analyst bei der Société Générale SG. «Wenn man über die Folgen eines Rückfalls in die Rezession nachdenkt, muss dies vernetzt geschehen», sagt Edwards. Der Schuldenaufbau steigt, und wichtige Frühindikatoren wie der Baltic Dry Index, der die Preise für den Gütertransport auf den Weltmeeren nachzeichnet, fällt bereits seit drei Monaten wieder. «Ich befürchte deshalb einen synchronen globalen Abschwung», meint Edwards weiter, «und damit steigt das Risiko geopolitischer Spannungen um Handelsbarrieren.»

Anzeige

Aufwärtsspirale, Dollarsturz

Bereits jetzt zeichnet sich daher ein völlig neues Szenario ab, das die weltweite Balance der Schuldenfinanzierung aus dem Gleichgewicht werfen dürfte. Laut Glenn Maguire, Ökonom bei der Société Générale, droht China 2010 in ein Aussenhandelsdefizit zu rutschen. Damit fällt China als Financier der US-Wirtschaft aus.

Wenn dann der US-Dollar gegenüber den wichtigsten Handelswährungen steigt, würden auch die zahlreichen Carry-Trades aufgelöst werden, und eine Aufwärtsspirale für den Dollar und einen Sturz vieler Roh-stoffpreise bewirken, glaubt Edwards. Aus diesen Szenarien der Analysten lassen sich einige Empfehlungen für Anlagen in einer hochverschuldeten Welt ableiten:

Währungen: Mittelfristig könnte es zu einem deutlichen, abrupten Anstieg kommen, wenn China offiziell und sichtbar weniger US-Schuldpapiere kauft und Carry-Trades aufgelöst werden. Längerfristig dürfte die US-Währung unter dem Eindruck der hohen Verschuldung wieder fallen.

Regierungsanleihen: Auch wenn sich hier bei US-Papieren eine Blase aufgebaut hat - Bonds in anderen Währungen mit Laufzeiten bis zehn Jahren bieten vergleichsweise viel Sicherheit mit beschränktem Rückschlagspotenzial.

Firmenanleihen: Die Schuldpapiere von Unternehmen werden unattraktiver, das «High Yield»-Segment von Schuldnern mit niedriger Bonität (und Bonds mit optisch attraktiven Coupons) sind zunehmend tabu.

Aktien: Diese könnten in den USA und in Europa eine W-Entwicklung vorwegnehmen. Die US-Aktienmärkte würden nach diesem Szenario zwar durch den Heimmarkt geschwächt, aber global aufgestellte Konzerne sollten sich überdurchschnittlich gut halten. Europas Märkte könnten unter dem starken Euro leiden. Rohstoffe: Wenn der Dollarkurs kurzfristig stark ansteigt, entfällt seine Hedge-Funktion bei einigen Rohstoffen wie Rohöl und Gold - hier dürften dann die Preise abrutschen. Eine wieder schwächer tendierende Wirtschaft wird auch die Rohölnachfrage dämpfen. Analys-ten rechnen mit Rohölpreisen um 50 Dollar pro Barrel. Minenwerte werden unter der schwächeren Nachfrage aus China leiden. Gut halten dürften sich Agrarprodukte und auf diesen Sektor spezialisierte Firmen, weil sich bei einigen wichtigen Produkten ein Nachfrageüberhang abzeichnet.

Gold: Ein besonderes Augenmerk unter den Rohstoffen verdient weiterhin das gelbe Metall.

Als die Aktienmärkte aufgrund der aufflackernden Dubai-Krise eine Korrektur verzeichneten, fiel auch der Goldpreis um 2%. Ist Gold noch ein «sicherer Hafen» in Krisenzeiten? «Nein», sagen die Analysten von JP Morgan. Seit Sommer steigen die Aktien und der Goldpreis parallel - und Aktien sind das Risikoinvestment schlechthin. «Wenn sich diese Preise parallel entwickeln, lässt sich schwerlich argumentieren, Gold werde aufgrund der Funktion als sicherer Wert gekauft», sagt Hajime Kitano, Analyst bei JP Morgan. Es gibt dagegen viele Stimmen, die darauf hinweisen, dass der höhere Goldpreis lediglich die Kehrseite des schwächeren Dollars ist. Kitano glaubt, dass der steigende Goldpreis Inflationserwartungen widerspiegelt. «Solche Inflationsbefürchtungen werden durch die offensive Geldpolitik der US-Notenbank geschürt.»

Anzeige

«Wir sehen zwei Argumente für solche Befürchtungen», sagen auch die Analysten der Deutschen Bank. Einerseits seien die Bilanzen der Zentralbanken deutlich gewachsen, anderseits die Geldmenge deutlich ausgeweitet worden. Aktuell gibt es indes kaum Anzeichen für steigende Inflation. Die leicht anziehende Inflationsrate in der Schweiz wird auf Basiseffekte aufgrund der steigenden Rohölpreise zurückgeführt. Und die Analysten der Deutschen Bank erwarten für 2010 zwar eine leichte Steigerung der Inflationsraten, aber die Kerninflationsrate könnte gerade im Euroraum weiter fallen.