Frank Ziemer blickt begeistert, wenn er von den Möglichkeiten und Qualitäten des Femto-Lasers, dem Hauptprodukt der Ziemer Group, erzählt. Das fast eine halbe Mio Fr. teure Gerät dient bei der Operation von Patienten mit Kurz- und Weitsichtigkeit.

Immer mehr Leute wollen ihre Sehschärfe mit einer Laseroperation korrigieren. Mit dem Femto-Sekundenlaser wird vor der eigentlichen Operation die Hornhaut kreisförmig, aber nur zu fünf Sechsteln, aufgetrennt. Dabei pulsiert der Laserstrahl mit einem fast nicht vorstellbaren Sekundenbruchteil. «In dieser Zeit durchquert ein Lichtstrahl nicht einmal ein Menschenhaar», verdeutlicht Ziemer die Anforderung.

Erst zehn Jahre alt, zählt das KMU im Berner Seeland heute zu den führenden Adressen für spezifische Lösungen rund um die Augenchirurgie. Ziemer als Zugpferd, ein Team von 140 motivierten Beschäftigten - und rund um Entwicklung sowie Produktion ein sorgfältig geführtes Netzwerk aus Wissenschaftsnähe, Technik und Fertigungswissen der Zulieferanten. Das gemeinsame Ziel, optimale Geräte und sterile Einwegprodukte für die Augenchirurgie mit dem Laser zu liefern, bringt Sinn in die Arbeit und spornt zu Bestleistungen an. «Bei uns wie bei den Zulieferanten», nennt Ziemer ein erstes wichtiges Erfolgsgeheimnis. Diese stammen vorwiegend aus dem Espace Mittelland - denn Nähe sei unabdingbar und Swiss Quality gefragt.

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Den Ansporn zur Selbstständigkeit habe sein Vater gegeben, der auch in der Medizintechnik tätig ist. «Mit der Suppe am Mittagstisch habe ich die Facetten des Unternehmertums ebenso wie Fachliches aufgenommen.» An der Universität verfolgte Ziemer neben dem Betriebswirtschaftsstudium die Grundvorlesungen zur Humanmedizin. Daneben habe er als gelernter Feinmechaniker immer gearbeitet - und wisse darum auch den Beitrag der soliden handwerklichen Arbeiten in der Produktion am Erfolg zu schätzen.

Der lange Entwicklungsprozess

Mit dem Markt wächst Ziemer rasant. Die nötigen Mittel wurden in mehreren Stufen beschafft. «Zuerst bei der Familie, nach den ersten Erfolgen mit mehreren Beschaffungsrunden bei Private-Equity-Firmen.» Die Ziemer Group habe Anfang Jahr eine weitere Kapitalerhöhung erfolgreich durchgeführt. Genügend langfristiges Kapital sei wesentlich. «Die Entwicklungsschritte bis zur Produktionsreife dauern zwei bis drei Jahre - bis alle Vorarbeiten und nötigen Dokumente für die finale Montage, Qualitätskontrollen und Registrierungen bereit sind, noch einmal so lang», umschreibt Ziemer die Vorleistung. Das erfordert genügend Eigenkapital. Ein Beispiel: Als die Arbeiten für den Femto-Laser anliefen, massen entsprechende pulsierende Laser noch mehrere Quadratmeter Fläche - und die Optikingenieure lieferten als Erstes ein schweres sowie klobiges Produkt. Mehrere Entwicklungsschlaufen folgten, bis der Laser in einer etwas breiten Schuhschachtel Platz hatte und der Augenchirurg das Instrument mit zwei Fingern führen und bedienen kann.

Angedacht ist, mit derselben Technologie weitere Operationsschritte zu ermöglichen. «Zunehmend verkaufen wir chirurgische Eingriffe», umschreibt Ziemer die Änderung. Entwicklungsarbeiten für Dritte, Ausbildung und Training für die Praxis, Service, sterile Einwegprodukte - eine ganze Korona von Leistungen bringt Umsatz. Bisher wurde der Augendruck mit einem Luftstrahl gemessen, was nur im Normalfall präzise Ergebnisse bringt. Nach der Untersuchung wischt der Arzt das Gerät ab. Ziemers Gerät misst auf dem Auge mittels eines Widerstandes und errechnet so den Druck. Es kostet aber deutlich mehr - und um die Übertragung von Krankheiten auszuschliessen, wird jedes Mal ein neuer Aufsatz verwendet. «Die Entwicklungstechniker dürfen nicht zu weit vorausdenken, sondern müssen in kleinen Schritten vorangehen», folgert Ziemer.

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Behutsame Strategie des Chefs

Gestartet ist Ziemer mit einem Mikrokeratom, einem Gerät zum präzisen Schneiden der Hornhaut. «Als Vertriebspartner wählten wir den Allergam-Konzern. Das brachte rasch Umsatz und Ertrag.» Heute bearbeiten Vertriebspartner in gut 40 Ländern die Märkte. In den USA als bedeutendstem Markt besteht eine Tochterfirma. «Aber das geeinte Europa und Asien werden immer wichtiger.»

Nach zehn Jahren sieht Ziemer nun, dass die Firma aus der Pionierphase herauswächst. «Jetzt beginnt das Stadium, wo der Vertrieb und das Marketing stark ausgebaut werden müssen. Man soll aber immer realistisch bleiben.» Funktioniere das CAD-Modell zur Freude aller auf dem Computer, bleibe ein weiter Weg bis in die Augenklinik. Automatisierte Produktionsstrassen dürfte es darum kaum geben, auch nicht für die Einwegprodukte. «Unter 1 Mio Stück lohnt sich das nicht.»

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