KOOPERATION. Überraschend klare Worte gab es an der diesjährigen ECR-Europe-Konferenz in Mailand zu hören. Peter Brabeck-Letmathe, VR-Präsident und CEO von Nestlé, und Andreas Moberg, Präsident und CEO von Ahold, äusserten sich kritisch zum Stand der Umsetzung von Kooperationsmassnahmen zwischen Handel, Industrie und Dienstleistern. Die Einschätzung der beiden hat Gewicht. Brabeck und Moberg sind zudem Ko-Präsidenten von ECR Europe. Efficient Consumer Response (ECR) setzt sich für eine bessere, schnellere und kostengünstigere Erfüllung der Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten ein.

Die Konzernlenker kritisierten etwa eine mangelnde Innovationskraft, zu wenig effiziente Supply Chains mit Durchlaufzeiten von sechs Monaten statt 30 Tagen, zu geringe Orientierung am Konsumenten, Vergeudung von Ressourcen, fehlende Kooperationsfähigkeit und damit fehlende Risikobereitschaft, Neues zu wagen. Aus dieser Lagebeurteilung heraus sind fünf Kernforderungen herausgearbeitet worden:

1.

Orientierung am Nutzen für die Konsumenten.2.

Grundlegende Überarbeitung der Supply Chain.3.

Zusammenarbeit zwischen Mitbewerbern; Bündelung in der Abwicklung logistischer Prozesse.4.

Ganzheitliches Innovationsmanagement; gemeinsame Produkt- und Serviceentwicklung.5.

Involvierung der Konsumenten in die Wertschöpfungskette sowie Transparenz unter den Marktpartnern.

Von der Absichtserklärung bis zur Umsetzung liegt jedoch ein gewaltiges Stück Arbeit. Eine Basis dazu ist die Einigung auf gemeinsame Standards und Prozesse, auf der sich dann gemeinsame Lösungen entwickeln lassen. Solche Standards und Prozesse werden in der übergeordneten Organisation «One Global Standard» (GS1) erarbeitet. Und hier stehen alle Signale auf Grün.International wird das GS1-System derzeit von der Konsumgüterindustrie sukzessive auf andere Branchen ausgedehnt. Der heutige Fokus liegt auf sogenanntem FMCG (Fast Moving Consumer Good) und soll in Zukunft auf die Branchen Gesundheitswesen, Transport und Logistik, Verteidigung sowie Automotive und Aerospace erweitert werden. Insbesondere werden im Bereich Gesundheitswesen grosse Anstrengungen unternommen, um die Standardisierung in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Partnern zu definieren und entsprechende Richtlinien zu verankern. Die Branchen können grösstenteils als Spiegelbild auch für die Schweiz betrachtet werden, wie Wolfgang Winter, Präsident von GS1 Schweiz, betont.

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