Im Kampf gegen eine feindliche Übernahme sucht der Autozulieferer Continental möglicherweise seine Rettung bei einem Weissen Ritter. Informationen aus Finanzkreisen zufolge führt der Dax-Konzern aus Hannover derzeit Gespräche «mit einer Hand voll Investoren», die an einem Einstieg bei Conti interessiert sind.

Konkrete Namen wurden nicht genannt, es soll sich aber nicht nur um strategische Investoren handeln, sondern auch um Private-Equity-Gesellschaften. Dies bestätigten zwei Quellen. In den Gesprächen geht es auch um eine Beteiligung an einer möglichen Kapitalerhöhung, die sich Conti bereits durch eine Hauptversammlung hat genehmigen lassen. Auch über Minderheitsbeteiligungen sollen Gespräche laufen. Continental selbst lehnte einen Kommentar ab. Mit einem Weissen Ritter würde Conti den feindlichen Übernahmeversuch der Schaeffler erschweren.

Conti will mehr Geld sehen

Das Familienunternehmen aus Franken hatte Mitte Juli ein Übernahmeangebot von gut 11,3 Mrd Euro für Conti abgegeben. Schaeffler bietet den Conti-Aktionären mit 70,12 Euro allerdings deutlich weniger, als der Autozulieferer derzeit an der Börse wert ist. Der Conti-Kurs schwankt seit zwei Wochen zwischen 71 und 73 Euro. Aufsichtsrat und Vorstand lehnten das Übernahmeangebot ab, weil es nicht den wahren Wert des Unternehmens widerspiegle. Darauf-hin wurde der Vorstand beauf-tragt, mit Schaeffler Gespräche aufzunehmen und gleichzeitig Abwehrmassnahmen auszuarbeiten. Ziel der Verhandlungen soll sein, dass Schaeffler entweder seinen Übernahmepreis erhöht oder sich mit deutlich weniger Stimmrechten zufrieden gibt. Der Vorstand hatte dem Familienkonzern bereits eine Beteiligung von 20% angeboten, Schaeffler peilt aber eine Beteiligung über 30% an.

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Ob die Gespräche mit der Hand voll Investoren zu einem Erfolg führen werden, ist offen. Der Kreis der möglichen Weissen Ritter ist begrenzt. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat etwa ThyssenKrupp kein Interesse daran, als Retter für Continental in die Bresche zu springen. Auch der Autozulieferer ZF Friedrichshafen dürfte wohl kaum als Retter in Frage kommen. Conti und ZF sind allerdings bereits Partner bei der Hybrid-Entwicklung. Ein Finanzinvestor scheidet wohl aus politischen Gründen aus, da die Gewerkschaften eine solche Beteiligung nicht unterstützen werden. «Wir werden uns dann auf die Seite von Schaeffler stellen», heisst es bei der IG Metall.

Mitten im Übernahmekampf publizierte Conti vergangene Woche seine Semesterzahlen. Im 1. Halbjahr 2008 stieg das Ergebnis vor Sondereffekten im Zuge der Integration der Ex-Siemens-Sparte VDO im Vergleich zum Vorjahr um fast 30% auf rund 1,19 Mrd Euro. Der Umsatz kletterte vor allem wegen VDO um fast zwei Drittel auf 13,25 Mrd Euro.