Mit den Motorrädern ist das zuweilen wie beim Wein: Was ein guter Jahrgang werden will, muss stetig reifen. Für Töffhersteller zählt die permanente Optimierung und Weiterentwicklung erfolgreicher Modelle denn auch zu einer der wahrscheinlich wichtigsten Aufgaben. Immer neue Gesetzesauflagen - insbesondere bezüglich Lärm und Abgas - zwingen die Hersteller gleichermassen zur Anpassung von Bestsellern wie ständig wechselnde Modetrends und die Kundenbedürfnisse. Fliessen zudem neue Technologien wie ABS, TCS, Ride-by-wire und andere Verbesserungen ein, gestalten sich solche Überarbeitungen zuweilen kaum weniger aufwendig als komplette Neukonstruktionen.

Harley: Dyna Wide Glide

Als Remake auf den Film «Easy Rider» liess Harley-Davidson vor genau 30 Jahren den ersten Serien-Chopper von den Produktionsbändern rollen. Ein fetter Hinterreifen und ein schlankes, 21 Zoll grosses Vorderrad waren bereits damals die Markenzeichen der Dyna Wide Glide. Dazu gehörten ein tropfenförmiger Tank, flach angestellte Vordergabel, Stufensitzbank mit sogenannter Sissibar (Beifahrer-Rückenlehne) sowie ein extrem hoher Lenker und eine tiefe Sitzposition - alles ganz ähnlich wie beim Modell «Captain America», dem aufs Wesentliche reduzierten Bike des «Easy Rider»-Hauptdarstellers Peter Fonda alias Wyatt.

Fast ausnahmslos alle diese Merkmale prägen auch die neue Dyna Wide Glide, die Harley-Davidson zum 30-Jahr-Jubiläum anrollen lässt. Der unbequem hohe Lenker musste einer niedrigen Drag-Bar-Stange weichen, und anstelle der beiden kleinen Bremsscheiben verzögert vorne nun eine grosse Scheibe mit 300 mm Durchmesser. Motor, Fahrwerk und die weiteren Zutaten stammen weitgehend aus dem aktuellen H-D-Baukasten. Befeuert wird die Wide Glide vom modernen Twin-Cam-96-Motor mit 1585 cm3 Hubraum. Abgesehen von den XR-Modellen gehört die Dyna Wide Glide zu den wendigsten und am einfachsten zu fahrenden Motorrädern von Harley-Davidson. In relaxt tiefer Sitzposition mit weit vorne positionierten Füssen und breiter Armhaltung lässt es sich genussvoll und entspannt durch die Landschaft cruisen. Weniger Komfort geniesst dagegen der Beifahrer, der mit einem schmalen, unbequemen Notsitz vorliebnehmen muss. Bremsleistung und Schräglagenfreiheit sind für ein Fahrzeug dieses Segments ausreichend.

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BMW: R1200GS

Grund zum Feiern gibts auch bei BMW, und zwar für die R1200GS, die in diesem Jahr ebenfalls auf eine 30-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken kann. 1980 als R80G/S lanciert, gewann die leichte und handliche Enduro in den Folgejahren unter Hubert Auriol und Gaston Rahier mehrfach die prestigeträchtige Rally Paris-Dakar. Eine der wichtigsten Evolutionsstufen erlebte die GS 1994. Die R1100GS war die erste mit dem neuen Vierventil-Boxermotor und die erste, die auf Wunsch mit ABS zu haben war. 2004 wurde der Hubraum auf 1200 cm3 aufgestockt und gleichzeitig das Gesamtgewicht beachtliche 25 kg reduziert. Bis heute entschieden sich rund 360 000 Töfffahrerinnen und -fahrer für die GS. Sie ist damit das mit Abstand am meisten verkaufte BMW-Motorrad aller Zeiten.

In optischer Hinsicht bleibt die neuste 2010er-Version weitgehend unverändert. Ihr modernes Outfit mit den alufarbenen Tankverkleidungen erhielt die R1200GS bereits mit dem Modell-Update vor zwei Jahren. Komplett neu sind dagegen die beiden Zylinderköpfe, in denen jetzt zwei, statt wie bisher nur je eine obenliegende Nockenwellen rotieren. Diese Bauart mit radial angeordneten Ventilen wurde mit grossem Erfolg in der Sport-Enduro HP2 eingesetzt. Dem luftgekühlten Boxer der R1200GS soll dieses Sys tem nebst einem geringfügigen Plus an Leistung vor allem zu wesentlich mehr Drehmoment verhelfen. Von den gleichen DOHC-Zylinderköpfen profitiert auch das Schwestermodell mit der Zusatzbezeichnung Adventure, das zudem mit noch längeren Federwegen, noch grösserem Tank und mit grobstolligen Geländereifen ausgerüstet ist.

Kawasaki: Z1000

Noch weiter zurück als bei BMW geht die Geschichte der Kawasaki Z1000. Die Z1, so hiess das unverschalte 750er-Naked-Bike damals, war 86 PS stark und mit über 200 km/h das schnellste Serienmotorrad der Welt. 4,5 Sekunden dauerte der Sprint von 0 auf 100 km/h, ein gigantischer Wert für die damalige Zeit. Mit der Z1000 hob Kawasaki 1977 den Hubraum an und festigte damit in den Folgejahren die Leaderposition im Segment hubraumstarker Reihenvierer. Die als Nachfolger lancierten Zephyr-Modelle vermochten nie an die Erfolge der legendären Z anzuknüpfen. Das änderte sich erst wieder 2003, als sich Kawasaki mit einer rundum neuen Z1000 die alten Werte in neuer Form wieder aufleben liess. Nach einem Update 2007 rollt jetzt wiederum eine komplett neue Version an - radikal gestyled, druckvoll und mit messerscharfen Handlingeigenschaften.

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Honda: CBF 1000F

Urvater der heutigen CBF1000F war im Grunde genommen die CB750. Der erste in Grossserie gebaute Reihenvierzylinder revolutionierte 1969 die gesamte Motorradwelt. In über 40 Jahren hat sich die CB-Modellreihe in sehr unterschiedliche Richtungen aufgesplittet und weiterentwickelt. Die komplett unverkleidete CB-Familie wurden in den 80er-Jahren ergänzt durch die supersportliche CBR-Baureihe mit Vollverschalung. 2006 eröffnete die erste CBF 1000 das neue Segment der halbverschalten Vierzylinder-Allrounder. Alle drei Modellreihen (CB, CBR, CBF) sind heute als 600er- und als 1000er-Vierzylinder erhältlich.

Die neue CBF 1000F von Honda ist heute die «eierlegende Wollmilchsau» unter den Motorrädern. Der auffällig unauffällige Allrounder glänzt mit gut beherrschbarer Leistung, ausgewogen abgestimmtem Fahrwerk und tückenlosen Fahreigenschaften. Herzstück ist ein Reihenvierzylindermotor mit 107 PS und reichlich Drehmoment. Das Fahrwerk basiert auf einem aus Aluminium gefertigten Mono-Backbone-Rahmen. Die Federelemente sowie die Sattelhöhe und die kleine Windschutzscheibe sind ebenso einstellbar wie die Handgriffe von Kupplung und Bremse. Verarbeitung und Ausstattung - die CBF 1000F wird in der Schweiz ausschliesslich mit ABS angeboten - entsprechen dem gewohnt hohen Standard des grössten Motorradherstellers der Welt.