Stefan Femerling: Unsere Karte umfasst 280 verschiedene Weine. An Bord lagern rund 15 000 Flaschen Wein und 2500 Flaschen Champagner. Alle vier Wochen werden die Bestände aufgefüllt. Da werden dann bis zu 6000 Flaschen eingebunkert.

Femerling: Im Prinzip gleicht die «Europa» einem Restaurant, das 380 Plätze bereitstellt und jeden Tag mehr oder weniger ausgebucht ist. Da wird einiges umgesetzt. Das heisst, um die raren Top-Weine müssen wir immer kämpfen. Es kann gut sein, dass wir von einem Premier Cru aus Bordeaux nur sechs bis zwölf Flaschen an Bord haben.

Femerling: Das kann vorkommen. Darum beobachten wir das Genuss- und Trinkverhalten unserer Gäste sehr genau. Wenn wir sehen, dass ein Wein ausgeht, sprechen wir mit dem Gast und bieten ihm Alternativen an. Wenn er trotzdem «seinen» Wein wünscht, müssen wir agieren. Im Extremfall ordern wir schon mal Nachschub per Luftfracht.

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Femerling: Logistisch haben wir die Sache bestens im Griff. Ist das Schiff in Europa, erfolgen die Weinlieferungen per Lastwagen, ausserhalb von Europa werden See-Container eingesetzt. Jeden Monat schicke ich acht solche Container rund um die Welt.

Femerling: Ja, lokale Spezialitäten liegen im Trend, sowohl bei der Speisekarte als auch beim Wein. Steuert die «Europa» beispielsweise Südafrika an, ordere ich dort schon mal Fleisch vom Kudu, vom Springbock oder vorzüglichen Crayhsh, eine dort heimische Hummerart. Gleichzeitig lasse ich von den Winzern am Kap Chenin Blanc oder Shiraz auf die «Europa» liefern. Unsere Gäste sollen die Destinationen ihrer Kreuzfahrt mit allen Sinnen erleben.

Femerling: Sie sind nicht der Erste, der diese Idee hat. Es ist durchaus schon vorgekommen, dass ein Gast nur noch die leere Flasche nach Hause brachte. Aber auch die ist ja ein schönes Souvenir. Zudem besteht die Möglichkeit, sie ein zweites Mal füllen zu lassen ...

Femerling: Bis heute noch keine einzige.

Femerling: Ganz ehrlich: 27-Liter-Flaschen haben eben eine besondere Magie. Man fasst sie automatisch mit Samthandschuhen an. Ich habe zwar schon von zerbrochenen Flaschen geträumt, besonders wenn die «Europa» zum Big-Europa-Event wegen zu viel Wind nicht in den Hafen einlaufen konnte, sondern draussen auf Rede liegen musste. Ich erinnere mich noch, wie wir mal 18 der Grossflaschen über den Steg in Heiligendamm trugen, dann auf ein heftig schaukelndes Tenderboot hievten und nach kurzer, unruhiger Fahrt auf die «Europa» umluden. Aber alles ging gut. Letztes Jahr stellten wir bei einer leeren Flasche einen Haarriss fest. Aber wir bemerkten das Problem rechtzeitig und sortierten die Flasche vor dem Füllen aus.

Femerling: Die Kosten für solche Sonderflaschen sind in den letzten Jahren extrem gestiegen. Heute zahlen wir für eine leere Flasche rund 1000 Euro. Dazu liefern wir den Flaschenbesitzern noch die sogenannte Weinwiege aus Holz, um die Flasche bequem ausschenken zu können. Die kostet nochmals 800 Euro. Zudem ist auch die Transportkiste nicht billig. Das heisst, noch bevor Wein in die Flasche kommt, entstehen Kosten von 2000 Euro.

Femerling: Bestimmt. Für viele ist es das erste Mal, dass sie 27 Liter in eine Flasche füllen. Darum machen sie in der Regel auch gerne mit. Obwohl sie für den Event Big Europa stolze 51 Liter eines Top-Gewächses opfern müssen. Denn ihr Wein wird am Abend der Veranstaltung ja auch in den Schiffsrestaurants ausgeschenkt. Mir fällt immer wieder auf, wie liebevoll die 27-Liter-Flaschen von den Winzern ausgestattet werden. Auch das Etikett ist ja immer ein Unikat.

Femerling: Ja, das ist so. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass Winzer ihren eigenen Wein ersteigert haben.

Femerling: Gütiger Himmel, das wäre eine Katastrophe. Aber nein. Bis heute gab es keinen Korkwein.

Femerling: Eine liegende Lagerung empfehle ich nicht. Nicht wegen der Korkenproblematik. Aber die Flaschen stehen unter einem nicht unwesentlichen Druck. Liegend könnte deshalb der Korken langsam aus der Flasche gedrückt werden.

Femerling: Manch einer, der so eine 27-Liter-Flasche ersteigert, würde sie am liebsten gleich im Auto nach Hause nehmen. Aber davon raten wir ab. Wir haben eine spezielle Transportkiste mit Halterung entwickelt, sodass der Korken in der Flasche bleibt. Zudem setzen wir bei sommerlichen Temperaturen nur klimatisierte Lastwagen für den Transport ein.