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Online-Apotheken
Zur Rose: Walter Oberhänsli plant den nächsten Deal

Walter Oberhänsli: Zum Wachstum gezwungen
Walter Oberhänsli: Der Zur-Rose-Chef muss seine Wachstumsstory neu schreiben.Quelle: Keystone

Die deutsche Versandapotheke Vitalsana steht zum Verkauf. Laut Insidern soll die Schweizer Online-Marktführerin Zur Rose kurz vor der Unterschrift stehen. Ein Deal würde Sinn machen.

Marcel Speiser
Von Marcel Speiser
am 17.11.2017

Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli braucht dringend gute News. Seit er mit seiner Online-Apotheke Anfang Juli an die Börse ist, hat die Aktie fast 10 Prozent an Wert verloren (siehe Chart rechts). Zeitweise lag der Titel sogar noch deutlich stärker unter dem Ausgabepreis. Kein gutes Zeichen für ein Unternehmen, dass von Oberhänsli gerne als das «Amazon der Medikamentenhändler» präsentiert wird.

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Zur Rose muss also wachsen, um an der Börse wieder zu trumpfen. Entsprechend hat Oberhänsli erst Mitte Oktober den Rivalen Eurapon übernommen. Das Unternehmen setzte 2016 gut 50 Millionen Euro um und zeigte in den letzten drei Jahren mit um die 30 Prozent eine Wachstumsrate, die deutlich über den Schnitt der Online-Apotheken lag.

Hungrig auf mehr

Doch mit dem Eurapon-Deal ist Oberhänslis Appetit längst nicht gestillt. Gleichzeitig mit der Ankündigung der Übernahme liess er verlauten, nach weiteren Übernahmezielen Ausschau zu halten. Nun scheint er fündig geworden zu sein: bei Vitalsana.

Das jedenfalls berichtet das für gewöhnlich bestens informierte Fachmagazin « Apotheke Adhoc» unter Berufung auf «Personen, die mit dem Vorgang vertraut sind». Demnach sollen sich verhandelnden Vitalsana-Eignerin Ströer und die Zur-Rose-Tochter Doc Morris bereits «handelseinig» sein. Eine offizielle Bestätigung freilich gibt es nicht. «Wir kommentieren keine Gerüchte», sagt Zur-Rose-Sprecherin Lisa Lüthi. Gleich tönt es bei Doc Morris und Ströer. Offen ist, ob Ströer mit weiteren Interessenten Gespräche führt.

Der Werbekonzern Ströer hatte Vitalsana erst letztes Jahr übernommen – für 4,5 Millionen Euro. Ursprünglich gegründet wurde das Unternehmen vom deutschen Drogerie-Riesen Schlecker im Jahr 2007. Nach dessen Pleite übernahm 2012 das Management das Szepter. 2016 setzte Vitalsana rund 30 Millionen Euro um. Die Firma hat ihren Sitz im gleichen holländischen Ort wie die Zur-Rose-Tochter Doc Morris

Man kennt sich

Personell gibt es zwischen der Zur-Rose-Gruppe und Vitalsana bereits heute gewisse Verbindungen. Geschäftsführer und Chef-Apotheker bei Vitalsana ist der Doc-Morris-Gründer Jacques Waterval. Man kennt sich also. Das allerdings ist in der kleinen europäischen Szene der Online-Apotheken wenig erstaunlich.

Die Thurgauer Zur-Rose-Gruppe setzte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 712 Millionen Franken um, fast 10 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Im deutschen Markt steigerte Zur Rose den Umsatz besonders stark: Der Absatz nahm umgrechnet um fast 50 Millionen Franken zu. Insbesondere beim Geschäft mit rezeptfreien Arzneien legten die Verkäfe markant zu.

Zweikampf

Zur Rose und die ebenfalls börsenkotierte Shop Apotheke aus Deutschland liefern sich einen Wettstreit um die europäische Marktführerschaft im E-Commerce mit Medikamenten. Noch liegt Zur Rose klar vorn. Der Rivale ist zuletzt aber dymanischer gewachsen – auch mit Übernahmen. Vor einigen Wochen machten Gerüchte die Runde, der US-Onlinegigant Amazon steige bei Shop Apotheke ein.