Sie haben Ihr Ziel erreicht: Die vier Aussenhandelsinstrumente Osec, Sofi, Sippo und Location Switzerland werden gebündelt. Ab 2008 gibt es nur noch eine übergreifende Organisation. Werden Sie, wie vermutet, den Chefposten besteigen?

Daniel Küng: Wurde das tatsächlich vermutet? Spass beiseite: Ja, so wie es aussieht, übernehme ich die Führung des «Hauses der Aussenwirtschaftsförderung», wie der Arbeitstitel der Organisation heisst.

Sie haben die Bündelung seit Jahren propagiert, weil die Effizienz gesteigert und Kosten gesenkt werden können. Damit haben Sie sich nicht nur Freunde gemacht.

Küng: Wenn Sie damit eine allfällige Führungsdiskussion ansprechen: Es gab keine.

Es war also von Beginn an klar, dass Sie Chef der neuen Aussenhandelsplattform werden?

Küng: Die Situation ist folgende: Die Investitionsförderorganisation Sofi wird aufgelöst, weil der Bundesrat der Ansicht ist, dass Sofi ihr Mandat erfüllt hat. Die Mitarbeiter werden per Ende Jahr freigestellt. Die Importförderorganisation Sippo, ...

..., deren Direktor Markus Stern zu den schärfsten Kritikern einer übergreifenden Plattform gehörte, ...

Küng: ... wird bei uns, also der Exportförderorganisation Osec Business Network Switzerland, eingegliedert. Markus Stern hat per Ende Jahr seine Demission eingereicht. Schon allein aus diesem Grund gab es keine Führungsdiskussion.

Welche Aufgaben wird die Sippo künftig übernehmen?

Küng: Die Sippo fördert seit acht Jahren Importe aus Entwicklungs- und Schwellenländern sowie den Ländern Südosteuropas in die Schweiz und in die EU. Daran wird sich auch kaum etwas ändern.
Mit der Zusammenlegung der Organisation erhöht sich das Jahresbudget. Um wie viel Geld geht es?

Küng: Das bisherige Jahresbudget der Osec betrug rund 25 Mio
Fr. Für die Periode 2008 bis 2011 wird die neue Organisation mit rund 35 Mio Fr. pro Jahr operativ tätig sein.

Wie setzt sich der Betrag zusammen?

Küng: Rund 17 Mio Fr. Bundesmittel erhält die Exportförderung, 3,4 Mio Fr. gehen zu Handen der Standortförderung. Knapp 0,5 Mio Fr. an Geldern übernehmen wir von Mandaten der Sofi, die nicht eingestellt werden. 6 Mio Fr. gibt uns der Bund für die Importförderung. Die restlichen 7 bis 8 Mio Fr. erwirtschaften wir selber.

Die selber erwirtschafteten Mittel haben noch Steigerungspotenzial.

Küng: Natürlich. Aber weil der Bund beschlossen hat, dass wir mit unseren Dienstleistungen nicht in Wettbewerb mit der Privatwirtschaft treten dürfen, sind uns im kommerziellen Bereich die Hände gebunden.

Ist hier das letzte Wort wirklich schon gesprochen?

Küng: Vorläufig gibt es nichts zu rütteln. Wenn, dann müssten wir eine Gesetzesrevision anstreben.

Und?

Küng: Ein solcher Weg ist denkbar.Klar ist: Wenn wir die Aussenwirtschaft langfristig fördern wollen, müssen wir unsere Finanzierungsbasis verbreitern. Heute erreichen wir das über Partnerschaften und Sponsoring. Ewig reicht das nicht.

Ein weiterer Knackpunkt sind die Kompetenzüberschneidungen zwischen dem Volkswirtschaftsdepartement EVD und dem Departement für Auswärtige Angelegenheiten EDA.

Küng: Tatsächlich erhält die neue Organisation, wie bereits die Osec, vom Staatssekretariat für Wirtschaft den Leistungsauftrag. Im Ausland erbringen wir unsere Services jedoch weitgehend über EDA-Mitarbeiter. Dies sieht das Gesetz so vor. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Kompetenzgerangel, sondern um eine effiziente Koordinationsaufgabe der zu erbringenden Leistungen.

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Probleme zwischen EDA- und EVD-Angestellten führten mehrfach zu roten Köpfen.

Küng: Es mag sein, dass noch vor einigen Jahren die wirtschaftliche Beratungskompetenz der Hub-Mitarbeiter bemängelt wurde. Doch das hat sich geändert. Die EDA-Kollegen haben sich durch langjährige Erfahrung und unsere stete Schulung zu Spezialisten entwickelt und leisten hervorragende Arbeit. Das wird uns von unseren Kunden immer wieder bestätigt.

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Unter einem Dach

Struktur
Nach dem Nationalrat hat am vergangenen Dienstag auch der Ständerat der Zusammenlegung der Aussenwirtschaftsförderinstrumente zugestimmt. Ab 2008 werden die Exportförderung Osec, die Investitionsförderung Sofi, die Importförderung Sippo und die Standortpromotion Location Switzerland unter dem Dach des «Hauses der Aussenwirtschaftsförderung» vereint.

Ziele
Die neue Organisation wird noch stärker in den Wachstums- und Schwerpunktmärkten tätig sein, um den Bedürfnissen von Schweizer und Liechtensteiner KMU besser entsprechen zu können. Dazu werden die Aussenstellen auf Botschaften und Konsulaten, die Business Hubs, weiter verstärkt.

Standortpromotion
Ab 2008 wird die neue Organisation auch die Standortpromotion der Schweiz betreiben. Ziel ist es, die guten wirtschaftlich-politischen Rahmenbedingungen im Ausland noch stärker als bisher zu vermarkten, um mehr Firmen in die Schweiz zu holen.