Bei den Halbjahreszahlen überrascht das im Vorjahresvergleich deutlich tiefere operative Ergebnis im Life & Health-Bereich. Ihre Erklärung der kurzfristigen Volatilität in der US-Sterblichkeitsrate überzeugt die Analysten nicht. Wo genau liegt das Problem?

George Quinn: Im 2. Quartal war der L & H-Bereich von kurzfristigen Volatilitäten in der US-Sterblichkeitsrate betroffen. Wir hatten bei den hochwertigen Ansprüchen eine Zunahme von über einem Drittel. Vergleicht man die ersten sechs Monate des aktuellen Jahres mit dem 1. Halbjahr 2006, sieht man aber, dass die diesjährige Underperformance im Life & Health-Business perfekt zur Überperformance aus dem Vorjahr passt. Im Durchschnitt erreichen wir somit ziemlich genau die von uns erwartete Sterblichkeitsrate.

Eine positive Nachricht war hingegen die von 93,9% auf 90,7% gesunkene Schaden-Kosten-Quote, also die Combined Ratio, im Sach- und Sonderversicherungsgeschäft.

Quinn: Ja, im Property & Casualty-Bereich hatten wir ein fantastisches 2. Quartal. Die erreichte Combined Ratio ist vergleichbar mit derjenigen der Peer-Gruppen und wurde vor allem vom Sachversicherungsgeschäft getrieben. Dieses Ergebnis ist umso besser, weil die gesamte Performance wirklich nur dem laufenden Jahr zu verdanken ist.

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Meteorologen sagen eine schwere Hurrikansaison voraus. Wird das die Schaden-Kosten-Quote von Swiss Re im 2. Halbjahr erhöhen?
Quinn: Ich kann keine Vorhersagen machen. Vor allem, weil wir sehr langfristige Perspektiven haben und die Hurrikans nur einen kurzen Zeitraum einnehmen.
Es ist schwer zu sagen, wie die Combined Ratio in einem Quartal oder in sechs Monaten aussehen wird.

Womit rechnen Sie?

Quinn: Wir befinden uns in einer sehr positiven Ausgangslage. Wenn es eine normale Hurrikansaison geben wird, können wir die Erwartungen übertreffen. Wir verfolgen Mehrjahresziele, weshalb entsprechend den Zyklen einige Jahre unter, andere über den Zielen liegen. Das laufende Geschäftsjahr sieht bis jetzt aber sehr gut aus.

Bei den Vertragserneuerungen im Juli resultierte ein Minus von
2% bei den Prämien. Werden diejenigen Analysten Recht bekommen, die noch stärkere Prämienrückgänge voraussagen?

Quinn: Swiss Re ist in erster Linie ein Unternehmen, welches die Rendite seiner Aktionäre sicherstellen will. Wenn wir den Wert unseres Unternehmens nicht erhalten können, zögern wir nicht, die Vertragskapazität zu reduzieren. Der Preisdruck im Haftpflichtbereich führte zu einer Reduktion von Kapazität insbesondere in den USA. Wir sahen ein Niveau erreicht, das uns die notwendige Rentabilität nicht mehr ermöglichte.

Welche Strategie fährt Swiss Re?

Quinn: Ob der Trend tiefere Prämien weitergeht, ist schwer zu sagen. Swiss Re wird die Tendenz des Marktes zu tieferen Prämien nicht verstärken. Unsere Kunden versichern langfristige Risiken nur, wenn unsere Bilanz qualitativ gut ist.

Im 2. Quartal hat die US-Subprime-Krise bei Swiss Re keine Auswirkun-gen gezeigt. Wie sieht es im weiteren Verlauf des Jahres aus?

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Quinn: Der Juli zeigt, dass – obwohl auf Wachstumsbasis die weitere Ausdehnung der Spreads negativ auf unser Portfolio wäre – der Einfluss der Krise dank unserer Absicherung leicht positiv ist. Mindestens die letzten 18 Monate war Swiss Re gegenüber Kreditrisiken sehr vorsichtig. Dank dieser Strategie ist der Einfluss im Juli nur sehr klein, wegen des Hedgings, wie gesagt, sogar leicht positiv.

Ein Ziel von Swiss Re ist eine hohe Rendite für die Aktionäre. Mit der Kursentwicklung der vergangenen Monate konnten diese jedoch kaum Geld verdienen. Warum?

Quinn: Es ist nicht an mir, den fairen Preis zu bestimmen, sondern an den Investoren. Wir versuchen sicherzustellen, dass wir klar und transparent kommunizieren, damit die Investoren die richtigen Informationen haben, um die bes-te Entscheidung zu treffen. Hauptpunkt ist für mich, dass die Performance des Unternehmens sehr gut war und gesteigert wurde. Wir können uns nur darauf fokussieren, den Aktionären weiterhin wachsende Renditen zu liefern und so mit der Zeit deren Wertschätzung für unser Unternehmen positiv zu beeinflussen.

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Swiss Re

Quartalszahlen
In der 2. Hälfte des 1. Halbjahres 2007 konnte der Rückversicherer Swiss Re einen Gewinn von 1,2 Mrd Fr. erzielen. Der Anstieg von 45% im Vergleich zur Vorjahresperiode ist in erster Linie der Konsolidierung von Insurance Solution zu verdanken. Die Prämien kletterten im Vorjahresvergleich um 17%, die Eigenkapitalrendite um 13,3% auf 15,9%. Der Gewinn je Aktie stieg um 38% auf 3.50 Fr.

Aktienrückkaufprogramm
Im März wurde ein Aktienrückkaufprogramm in der Höhe von 6 Mrd Fr. angekündigt. Aufgrund der günstigen Marktlage wird nun an der Virt-x eine zweite Handelslinie eingerichtet. Die zurückgekauften Aktien werden anschliessend annulliert.