Sie kündigten im Februar Zukäufe für die Sparte Rohrleitungssysteme GF Piping Systems an. Bisher hat sich aber nichts getan.

Kurt Stirnemann: Es ist richtig, dass sich gegenüber der Öffentlichkeit nichts getan hat. Das bedeutet aber nicht, dass wir keinerlei Projekte aufgegleist haben. Wir informieren, wenn die Zeit reif ist.

Das heisst, Sie führen Gespräche?

Stirnemann: Ja.

Wann gibt es Neuigkeiten?

Stirnemann: Wir fühlen uns nicht unter Zeitdruck. Deshalb nennen wir auch keinen konkreten Zeithorizont.

Kommen neben GF Piping Systems auch Zukäufe für die Maschinenbausparte GF Agie Charmilles oder GF Automotive in Frage?

Stirnemann: Aus strategischen Gründen steht eindeutig GF Piping Systems im Vordergrund. Aber ich schliesse die eine oder andere Arrondierung nicht aus. Das haben wir bereits Ende 2006 mit dem Kauf einer Alu-Giesserei für GF Automotive in Kanada bewiesen.

Wie viele Mittel stehen bereit?

Stirnemann: Wir können 300 bis 500 Mio Fr. einsetzen. Zielobjekte, daran halte ich fest, dürften zwischen 50 und 200 Mio Fr. kosten.

Sind also mehrere Käufe geplant?

Stirnemann: Es ist durchaus möglich, dass wir mehrere Akquisitionen tätigen. Sehr wahrscheinlich werden aber nicht alle Käufe zum selben Zeitpunkt durchgeführt.

Manche Unternehmen finanzieren Zukäufe mit eigenen Aktien. Kommt das für GF in Frage?

Stirnemann: GF müsste eigene Aktien zurückkaufen, was wir derzeit aber nicht vorhaben.

Erhalten Ihre Aktionäre die überschüssigen Mittel zurück, wenn die Übernahmegespräche scheitern?

Stirnemann: Wir möchten unser Geld primär in unser Wachstum investieren. Zudem sind wir davon überzeugt, dass wir innert nützlicher Frist eine oder mehrere Akquisitionen vermelden können. Sollte uns dies völlig unerwarteterweise nicht gelingen, dann überlegen wir uns, ob wir Kapital an die Aktionäre zurückführen. Wobei dies die letzte aller Optionen ist.

Nach wie vor gibt es keinen Investor, der über 5% an GF hält.

Stirnemann: Das ist richtig.

Registrieren Sie Veränderungen im Aktionariat?

Stirnemann: Nein.

Wussten Sie eigentlich, dass der Wiener Investor Ronny Pecik an GF beteiligt ist, bevor er dies in den Medien publik machte?

Stirnemann: Nein.

Kennen Sie ihn persönlich?

Stirnemann: Nein.

Er wollte GF übernehmen, scheiterte allerdings am Abwehrdispositiv, wie er einmal gestand. Hat GF ein so ausgefeiltes Defence-System?

Stirnemann: Darüber reden wir nicht in der Öffentlichkeit. Es ist bekannt, dass jeder Investor – unabhängig von der tatsächlichen Höhe seiner Beteiligung – maximal 5% ins Aktienbuch eintragen lassen kann und damit nur einen Stimmrechtsanteil von 5% besitzt. Damit ist eigentlich alles gesagt.

Wissen Sie von anderen Investoren, die an GF interessiert sind?

Stirnemann: Nein.

Die GF-Aktie knackte kürzlich zum allerersten Mal die 1000-Fr.-Marke. Geht es im selben Tempo weiter?

Stirnemann: Es gibt Analysten, deren Kursziele bei rund 1100 Fr. liegen. In einem freundlichen Umfeld mit positiven Aussichten, die GF ja zu haben scheint, hat die Aktie durchaus noch Potenzial.

Der Umsatz auf dem US-Markt verzeichnete allerdings ein Minus von 9%. Wie geht es dort weiter?

Stirnemann: Der Rückgang betrifft vor allem GF Agie Charmilles sowie GF Piping Systems, die vorwiegend im Semicon-Gebiet
weniger Grossprojekte akquirierte. Bei GF Agie Charmilles sehen
wir für das 2. Halbjahr die Chance zur Trendwende, und auch GF Piping Systems dürfte sich stabilisieren.

Die grösste Herausforderung für GF Automotive ist, das Mengenwachstum im Eisenguss zu bewältigen. Ist mittelfristig der Aufbau neuer Giessereien geplant?

Stirnemann: In Europa sicher nicht. In Asien, zum Beispiel in Indien, ist das durchaus möglich. In China ist ein solcher Schritt ja bereits kommuniziert worden.

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Georg Fischer

Ergebnisse
Georg Fischer (GF) wächst im 1. Halbjahr kräftig: Der Umsatz stieg um 13% auf 2,25 Mrd Fr. gegenüber dem Vorjahr. Der Betriebsgewinn (Ebit) kletterte um 19% auf 192 Mio Fr., die Ebit-Marge erreichte 8,5% – 2006 lag sie bei 8,1%.

Aktie
Die GF-Aktie ist eine Erfolgsstory: Binnen 365 Tagen stieg sie um 100% und überschritt kürzlich die 1000-Fr.-Grenze. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei nicht mehr ganz günstigen 16,5. Analysten sind sich uneins, wie es weitergeht: Während etwa die ZKB ihre Kaufempfehlung absetzte,
erhöhten Sal. Oppenheim und Deutsche Bank ihre Kursziele auf über 1000 Fr. und halten GF auf «Kaufen».

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