Im Geschäftsjahr 2006/07 konnte Barry Callebaut insgesamt stark zulegen. Weshalb ist das Verbrauchergeschäft zurückgeblieben?

Patrick De Maeseneire: Wir konzentrieren uns, nachdem wir den Bereich restrukturiert haben, auf die Verbesserung der Profitabilität und verzichten dafür auf uninteressante Aufträge. Wenn wir ein aggressiveres Pricing wählen würden, könnten wir ohne weiteres zusätzliche Volumina gewinnen. Auch nächstes Jahr ist kein hohes Wachstum zu erwarten.

Wie steht es demnach um die Profitabilität im Consumer-Business?

De Maeseneire: Wir konnten unser Ziel mehr oder weniger erreichen, obwohl uns die höheren Rohmaterialkosten etwas getroffen haben. Nächstes Jahr werden wir wohl aufgrund der Rohmaterialkosten und weil wir in Deutschland die Preise erst auf das neue Jahr erhöhen können, eine Ebit-Marge von rund 4% erreichen. Der Zielwert liegt bei mindestens 5%.

Den Verkauf der Marke Sarotti schliessen Sie nicht aus. Wie ist der Stand der Dinge?

De Maeseneire: An der Ausgangslage hat sich nichts geändert: Wenn jemand an unseren Marken interessiert ist und uns deren Produktion überlässt, dann werden wir das Angebot prüfen. Wir suchen aktiv aber keine Käufer.

Sie haben sich massiv höhere Vierjahres-Finanzziele gesetzt. Wie wollen Sie diese erreichen?

De Maeseneire: Das Volumenwachstum von 9 bis 11% werden wir vor allem durch die Outsourcing-Deals erzielen, die wir mit Hershey’s, Nestlé, Cadburry und Morinaga abgeschlossen haben und die einem Volumen von 150000 t über die nächsten zwei bis drei Jahre entsprechen. Wir glauben auch, dass weitere Firmen ihre Schokoladenproduktion auslagern werden. Das Wachstum aus dem Outsourcing erfolgt aber in Phasen und nicht linear. Daneben werden wir den margenstarken Bereich Gourmet gezielt weiter ausbauen.

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Das Volumenwachstum haben Sie somit eigentlich auf sicher.

De Maeseneire: Das wäre etwas arrogant. Denn auch wenn wir alles daransetzen, dass dies nicht eintrifft, so können wir Kunden auch wieder verlieren.

Warum hinkt die Profitabilität dem Wachstum hinterher?

De Maeseneire: Die Profitabilität wird in den ersten zwei Jahren etwas weniger stark wachsen als die Volumina, da wir Investitionen tätigen müssen. Das Ebit-Wachstum wird daher in den ersten Jahren eher am unteren Ende der Bandbreite liegen, dann aber das Volumenwachstum übertreffen.

Haben Sie neue Deals in der Pipeline?

De Maeseneire: Wir sind der Meinung, dass der Outsourcing-Trend weiter anhalten wird, was vor allem mit der erhöhten Komplexität des Geschäftes zusammenhängt. Da die Konsumenten ein grösseres Angebot verlangen, erreichen unsere Kunden nicht mehr die kritische Grösse, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Planen Sie Akquisitionen?

De Maeseneire: Wir sind offen für kleinere Akquisitionen, zum Beispiel für Produktionseinrichtungen, sofern der Preis nicht deutlich über dem Bau einer Fabrik auf der grünen Wiese liegt. Auch im Rahmen der Outsourcing-Deals oder für die Erschliessung neuer Technologien können Käufe sinnvoll sein.

Sind mit dem Verkauf von Brachs Ihre Aktivitäten im US-Consumergeschäft beendet?

De Maeseneire: Wir behalten einzelne Handelsmarkenprodukte für grosse Detailhändler und betreiben weiterhin Lohnfertigung – also die Herstellung des fertigen Verbraucherprodukts für die Markenhersteller. Dank dem Hershey’s-Deal werden wir zur Nummer eins im Bereich Food-Manufacturing in Amerika. In der Gourmet-Sparte sind wir es bereits.

Wo setzen Sie in Ihrer Strategie zukünftig die Schwerpunkte?

De Maeseneire: Was die regionale Expansion betrifft, so werden wir unseren Fokus auf Osteuropa und Asien legen. Diese Märkte wachsen deutlich schneller als Westeuropa, wo wir den grössten Umsatz erzielen. Daneben setzen wir auch auf Innovationen, weil wir dort zusätzliche Margen generieren können, insbesondere im Gourmet-Business.

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Barry Callebaut

Ergebnis
Im Geschäftsjahr 2006/07 per Ende August verbesserte der Schokoladenhersteller seinen Umsatz um 10,6% auf 4,10 Mrd Fr. Der Konzerngewinn aus fortgeführten Aktivitäten erhöhte sich gleichzeitig um 9,1% auf 207,0 Mio Fr. Die US-Süsswarentochter Brach's wurde hingegen mit einem Verlust von 83 Mio Fr. verkauft.

Vierjahres-Ziele
Mit den vorgelegten Zahlen konnten die Erwartungen der Analysten erfüllt werden. Vor allem die Anhebung der Vierjahres-Ziele (9 bis 11% Volumen-, 11 bis 14% Ebit- sowie 13 bis 16% Gewinnwachstum) wurde positiv aufgenommen. Aufgrund der starken Kursperformance wird die Aktie mehrheitlich mit «halten» eingestuft.