Wie stehen heute die Überlebenschancen von Tornos?

Martin Tschumi: Nach der Sanierung Mitte 2002 haben wir heute mit einem Eigenfinanzierungsgrad von 39,9% eine intakte Eigenkapitalsituation, welche über dem Branchendurchschnitt liegt. Der Zufluss an flüssigen Mitteln betrug damals 60 Mio Fr. Damit ist die Liquidität sichergestellt.

So wie sich die Schwierigkeiten bei Tornos im letzten Jahr verschärften, sind dem Unternehmen doch bestimmt die Kunden weggelaufen?

Tschumi: Das Kundenvertrauen ist nach wie vor da. Wir verfügen über einen Auftragseingang, der uns aus heutiger Sicht erlaubt, die gesetzten Budgetziele 2003 zu erreichen.

Der Nachfrageeinbruch in der Investitionsgüterbranche trifft Tornos doch ganz besonders.

Tschumi: Natürlich ist auch Tornos vom weltweiten Einbruch bei der Nachfrage nach Investitionsgütern betroffen. Der Umsatz hat sich 2002 bei Tornos auf 180 Mio Fr. halbiert. Entsprechend haben wir aber unsere Kapazitäten angepasst. Unter anderem wurde der Personalbestand halbiert und die Kosten massiv gesenkt. Das Management geht jetzt davon aus, dass wir die Talsohle erreicht haben.

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Die Aussichten in der Maschinenindustrie bleiben aber schlecht.

Tschumi: Sollte ein weiterer Einbruch erfolgen, werden wir weitere Massnahmen treffen. Noch haben wir aber die bereits im November angekündigte Kurzarbeit nicht eingeführt.

Hat Tornos denn neue Kunden gewinnen können?

Tschumi: Der Markt ist allgemein zurückgegangen. Wir haben aber keine Marktanteile verloren.

Das heisst, trotz Schwierigkeiten konnte Tornos seine Kundschaft halten?

Tschumi: So ist es. Das bedeutet, dass die Kunden die Tornos-Produkte schätzen und mit der Unternehmung stark verbunden sind. Im Übrigen bietet Tornos nach wie vor Spitzentechnologie zu konkurrenzfähigen Preisen.

Und wo liegt bei Tornos die Gewinnschwelle für das laufende Jahr?

Tschumi: Wir gehen bei einem Umsatz auf Vorjahresniveau von einem ausgeglichenen Betriebsergebnis für 2003 aus.

In diesem Marktumfeld rechnet Tornos damit, den Umsatz zu halten?

Tschumi: Ja, das ist realistisch. Es wurden zahlreiche Massnahmen eingeleitet und teilweise bereits umgesetzt, welche die Kosten massiv senken und die Bruttomarge positiv beeinflussen werden.

Tornos verfügt noch über rund 82 Mio Fr. Eigenkapital. Im Worst Case wären diese Mittel aus den Erfahrungen der Vergangenheit doch schnell wieder aufgebraucht?

Tschumi: Wir haben den Cash-Abfluss im vierten Quartal gestoppt. Wir gehen jetzt davon aus, dass wir auf dieser Schiene weiterfahren können. Dies, sofern es nicht nochmals einen wesentlichen Einbruch gibt. Dann werden wir aber nicht zögern, weitere drastische Massnahmen zu ergreifen.