Etwas Mut war schon nötig: Als ein junges Ehepaar im vergangenen Winter das Berghotel Wanna bei St. Antönien GR eröffnete, lagen zwei Jahre harter Aufbauarbeit hinter ihm. Gleich nach der Rückkehr von einer ausgedehnten Expedition per Pferd quer durch Australien hatten sich Baptist und Carolyn Sieber zum Kauf eines heruntergekommenen Lagerheims hoch in den Bündner Bergen entschlossen.

«Wir waren an die Natur gewohnt und wollten das auch im beruflichen Alltag ausleben», blickt Baptist Sieber zurück. In Down Under entdeckten sie inmitten der landschaftlichen Schönheiten gelegentlich auch Seminarstätten, die sich speziell für Workshops und Firmenanlässe im kleineren Rahmen eigneten. Mit dieser Idee vom naturnahen Heim und dem gehobenen Ausbaustandard machten sie sich im Prättigau ans Werk.

Ausgangspunkt war ein 300-jähriges Bauernhaus mit angebauter Scheune, das heute über acht individuell gestaltete Zim-mer, einen traditionsreichen Speisesaal und einen lichtdurchfluteten Cheminéeraum verfügt. Je nach Bedürfnis lassen sich in diesen Räumen anspruchsvolle Strategiesitzungen oder kreative Gruppenanlässe durchführen. Ideal ist das Berghotel Wanna für Teams mit einem halben Dutzend Personen, die sich während zwei bis drei Tagen auf Eckpunkte der Geschäftspolitik oder ein neues Projekt konzentrieren wollen.

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Rundum-Betreuung garantiert

«Das Holz strahlt Ruhe aus», umschreibt Baptist Sieber die besondere Atmosphäre für intensive Tagungen. Der gebürtige Zürcher und seine Ehefrau aus Irland sorgen für eine Rundum-Betreuung der Gäste. Ein öffentliches Restaurant betreiben sie nicht, sondern gekocht wird in der modernen Küche je nach Wunsch der angemeldeten Teilnehmer. Da kann eine Gruppe zur Gemeinschaftspflege auch einmal selber das Mahl zubereiten. Die Gastgeber sorgen für die Wareneinkäufe oder organisieren beispielsweise einen Sushi-Koch, der fachmännische Anleitungen erteilt.

Die Zimmer befinden sich im ehemaligen Stall, doch geschlafen wird nicht im Stroh, dafür in gemütlich eingerichteten Zimmern, die nebst Dusche und Fernseher auch über WLAN-Verbindungen verfügen. Modernste Technik ist auch im Seminarraum vorhanden, der sich individuell bestuhlen lässt. Zur Entspannung dienen eine Sauna oder das Sprudelbad in der Hot Tub unter freiem Himmel. Wer nur die Unterkunft nicht für die Tagungsaktivitäten nutzen will, dem stehen diverse Outdoor-Angebote zur Verfügung. In der warmen Jahreszeit lohnen sich Ausflüge mit dem Mountainbike oder Einsätze im Klettersteig, überwacht von Bergspezialisten. Der Winter eignet sich für Skitouren, Schneeschuhlaufen oder Iglu-Bau.

Die Nähe zum Grossraum Zürich war für die beiden Gastgeber ein wichtiges Kriterium. Ein knappes Jahr nach der Eröffnung strahlt das Berghotel Wanna nun bereits bis in den süddeutschen Raum aus. Deutsche Unternehmen mit Geschäftspartnern im Bündnerland haben das Kleinod entdeckt.

Auch Feste für bis zu 40 Gäste

In Sachen Marketing sind dem Kleinbetrieb enge Grenzen gesetzt. Baptist Sieber, der studierte Betriebs- und Politikwissenschafter, kann von seiner einstigen beruflichen Tätigkeit bei einer Beratungsfirma wertvolle Kontakte in die Hotelkartei einbringen. Seine Ehefrau, eine gelernte Städteplanerin, steuert Erfahrungen aus dem Konferenzgeschäft bei. Überhaupt haben sich die Siebers ein dichtes Netz aufgebaut. Das half ihnen nicht nur den Start erfolgreich zu gestalten, es nützt den Hotelbetreibern in St. Antönien auch bei der temporären Rekrutierung von Koch- und Servicepersonal. Daneben arbeiten sie mit Graubünden Ferien und einem privaten Event-Organisator zusammen.

Unter der Woche richtet sich das Berghotel Wanna auf Seminargäste im kleinen Kreis aus. An Wochenenden können aber schon einmal 40 Personen einer Hochzeit oder eines Familienfestes die verschiedenen Räume im alten Bauernhaus bevölkern. Ob für die Tagungsteilnehmer in überschaubarer Zahl oder eine grosse Hochzeitstafel, naturnahe Produkte aus der Region stehen immer ganz zuoberst. Überhaupt ist die Betonung der Landwirtschaft nicht einfach ein Lippenbekenntnis. Vom heimeligen Cheminéeraum geht der Blick hinaus zum Schafstall. Für die zahlreichen Haustiere gibt es genügend Auslauf am Hang.

Den engen Bezug zur Natur will Baptist Sieber beibehalten. Das soll aber nicht sektiererisch oder mit dem Modelabel «Bio» geschehen. Von anderen Seminarstätten weiss er, dass solche Leitgedanken nicht in allen Unternehmen gleich gut ankommen. «Wir sind die Vermittler», charakterisiert er seine Aufgabe. Nach einer Winter- und einer Sommersaison ist Zuversicht angesagt: Die Dienstleistung im Mikrobetrieb wird geschätzt.