Hinter verschlossenen Türen verhandelt Martin Scholl, Chef der Zürcher Kantonalbank (ZKB), über den Kauf des Kantonalbanken-Asset-Managers Swisscanto. 18,1 Prozent besitzt die ZKB bereits – für die Nutzung von Synergien wäre die vollständige Kontrolle ideal. Doch das Risiko, dass dieses Projekt für Scholl zu einem Fehlschlag wird, ist gross. Sich mit 23 Eigentümern zu einigen, ist ein schwieriges Unterfangen.

Die besten Chancen hat Scholl noch bei den Kantonalbanken, die sich schon bisher nicht auf das Gemeinschaftswerk Swisscanto verliessen und wie Aargau, Bern, Genf, Luzern, St. Gallen oder Waadt eigene Fonds vertreiben. Die Basler haben sich jetzt als unabhängige Beraterbank positioniert und kommen wohl auch gut ohne Swisscanto aus. «Die Loslösung von Swisscanto bringt den Kantonalbanken Freiheit», sagt der unabhängige Fondsexperte Martin Bürki. Doch genau die ist für ZKB-Boss Scholl ein kaum zu kalkulierendes Risiko.

«Die grosse Frage ist: Bleiben die Kantonalbanken Swisscanto-Kunden, wenn sie nicht mehr beteiligt sind?», sagt Vontobel-Analyst Andreas Venditti. In vielen Fällen wohl nicht. Bürki hält es «für extrem schwierig, die Assets zu halten».

Die Krux

Die Krux dabei: Die Höhe der verwalteten Kundengelder bestimmt den Preis. Geht nach dem Kauf ein guter Teil der Kundengelder von aktuell 53 Milliarden Franken verloren, hat Scholl ein schlechtes Geschäft gemacht.

«0,8 bis höchstens 1,1 Prozent» der Assets sind laut dem Direktor eines ausländischen Asset Managers für Swiss­canto realistisch. Der schottische Anbieter Aberdeen wird an der Börse mit einem Prozent der Assets bewertet. Mit Kundengeldern von derzeit 53 Milliarden wäre Swisscanto demnach 530 Millionen Franken wert. Für die begehrten 81,9 Prozent an Swisscanto müsste Scholl also 434 Millionen Franken auf den Tisch legen.

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Je stärker das Wachstum, desto höher der Preis

Je stärker das Wachstum, desto höher der Preis. Doch die Braut, die Scholl umwirbt, hat die beste Zeit wohl hinter sich. Laut Swiss Fund Data (SFD) ging Swiss­cantos Marktanteil seit 2009 von 8,1 auf 5,2 Prozent zurück. Die Assets brachen um fast sieben Milliarden ein. In derselben Zeit legte das Fondsvolumen in der Schweiz um ein Drittel auf 825 ­Milliarden zu. Laut Bürki kommen eine hohe Fluktuation bei den Managern und Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern noch dazu.

Selbst wenn Scholl sich mit den Eigentümern einigt, kann das Geschäft noch am Bankrat scheitern. Zumindest der hat die noch ausstehende Millionenbusse aus den USA nicht vergessen.