Auf ewig muss Sysiphus diesen Felsblock den Berg hinaufwälzen. Und jedes Mal, wenn der Stein nach langer Anstrengung fast den Gipfel erreicht hat, rollt er doch wieder ins Tal.

Der Verlauf der Zurich-Aktie an der Schweizer Börse erinnert ein wenig an diesen Stein des Sysiphus: Seit einigen Jahren schon trägt das Papier den immer gleichen Kampf aus – und muss sich am Ende doch geschlagen geben. Bis kurz vor der Generalversammlung Anfang April gewinnt die Aktie mit auffälliger Regelmässigkeit kräftig an Wert – um kurz darauf markant einzubrechen.

Zurich hinkt SMI hinterher

So geschehen etwa 2012: Von Ende März bis Ende Mai sank der Kurs innerhalb von nur zwei Monaten fast 50 Franken auf unter 195 Franken. Im vergangenen Jahr ein ähnliches Bild: Erholt bis auf gut 260 Franken sackte der im Aktienindex SMI vertretene Titel nach dem Aktionärstreffen binnen weniger Tage auf unter 240 Franken. Nach einer kurzen Erholung ging es bis Juni 2013 runter auf etwa 230 Franken.

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Zu dieser Zeit belastete auch der Freitod des ehemaligen Finanzchefs Pierre Wauthier die Geschäfte des Versicherers. Der ehemalige Zurich-Präsident Josef Ackermann hatte behauptet, die Geschäfte würden zu positiv dargestellt. Eine offizielle Untersuchung der Aufsicht Finma kam zu dem Schluss, dass alles ordnungsgemäss dargestellt wurde. «Aus der externen Analystensicht gibt es ebenfalls keine Veranlassung, anzunehmen, dass die Geschäftszahlen in der Vergangenheit nicht korrekt ausgewiesen wurden», sagt Georg Marti, Versicherungsexperte bei der Zürcher Kantonalbank.

Auf dem Niveau des Vorjahres

Inzwischen hat sich der Kurs vor der am 2. April anstehenden Generalversammlung wieder einmal erholt. Doch mit 270 Franken liegt er am heutigen Dienstag einmal mehr nur auf dem Niveau des Vorjahres. Zum Vergleich: Der Schweizer Aktienindex SMI gewann in den vergangenen zwölf Monaten fast 8 Prozent hinzu.

Wie schon im Gesamtjahr 2013 schneiden die Wettbewerber besser ab: Sowohl Allianz als auch Axa wiesen im vergangenen Jahr deutlich bessere Wachstumsraten aus. Der Titel der Allianz etwa legte binnen Jahresfrist bis heute um 10 Prozent zu, jener der Swiss Life gar um satte 50 Prozent.

«Von vielen Investoren als Dividendenaktie betrachtet»

Das Problem: «Die Zurich Insurance wird mittlerweile von vielen Investoren als Dividendenaktie betrachtet», sagt Marti. Will heissen: Viele Anleger nehmen die jährliche Gewinnausschüttung Anfang April gerne mit und stossen das Papier danach ab.

Immerhin gab es in den vergangenen Jahren eine Dividende von 17 Franken pro Aktie, so auch heuer. Für die Anleger ist eine hohe Ausschüttung zwar attraktiv. «Auf der anderen Seite zeigt es, dass Zurich nicht davon überzeugt ist, mit Wachstum eine ansprechende Rendite erzielen zu können», analysierte Dominik Studer von der Bank J. Safra Sarasin bereits vor Monaten. «Die hohe Dividende bindet dem Konzern somit etwas die Hände.»

Der heutige Schritt ist zu wenig

Um dieser Spirale zu entrinnen, will die Zurich nun Kosten senken. Ab 2015 sollen jährlich 250 Millionen eingespart werden. 800 Stellen werden gestrichen – viele davon in der Schweiz, wo der Konzern 55'000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit der heutigen Mitteilung setzt die Zurich den Anfang Dezember präsentierten und bis 2016 geltenden Strategieplan in einem ersten Schritt um. «Einer der Stossrichtungen für die kommenden Jahre ist dabei, die Kosteneffizienz zu verbessern», so Marti. Dieses Vorhaben wurde nun mit genauen Zahlen konkretisiert.

Doch reicht das aus, um die Aktie wieder langfristig attraktiv zu machen? «Die heute angekündigte Kostensenkung kann ein wenig dazu beitragen», sagt Marti. Wahrscheinlich ist aber, dass der Schritt allein zu wenig ist, um alle Anleger über die Hauptversammlung am 2. April hinaus bei der Stange zu halten: «Um vom Image einer Dividendenaktie wegzukommen, muss die Zurich Insurance hauptsächlich weitere Wachstumsmöglichkeiten beim Geschäftsvolumen finden, die die künftigen Gewinne erhöhen», sagt Marti.

Teil des Strategieplans 2016

Noch hat die Zurich dazu keine Details veröffentlich. Immerhin: Auch das ist ein Teil des Strategieplans bis 2016. Entsprechend wachsen die Chancen, dass die Zurich nicht wie Sisyphus enden wird.