Die milliardenschwere Fusion der Logistikkonzerne United Parcel Service (UPS) und TNT Express steht vor dem Aus. Die europäischen Wettbewerbshüter hätten die Unternehmen darüber informiert, dass sie die Ablehnung des Vorhabens vorbereiteten, teilten UPS und TNT Express am Montag mit. «Wir sind extrem enttäuscht von der Haltung der EU-Kommission», sagte UPS-Verwaltungsratschef Scott Davis. Der US-Konzern habe bedeutende Zugeständnisse angeboten, um die Bedenken der Behörde auszuräumen. Auch die niederländische TNT äusserte sich enttäuscht. Die EU-Kommission wollte nicht Stellung beziehen.

Die TNT-Papiere verloren zum Handelsstart am Montag gut die Hälfte ihres Werts. Zur Mittagszeit lag die Aktie noch mit 41,48 Prozent im Minus bei 4,825 Euro. UPS hatte 9,50 Euro je Aktie geboten. Die Aktien des TNT-Hauptaktionärs PostNL, der seinen Anteil an UPS verkaufen wollte, gingen um mehr als ein Drittel in die Knie.

Gute Nachrichten für die Deutsche Post

Nach Ansicht von Cheuvreux-Analyst Beat Keiser ist TNT Express nun angreifbarer als vor der Fusionsankündigung, da sich das Management zuletzt ganz auf den Zusammenschluss konzentriert habe. DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky bezeichnete die Neuigkeiten als gute Nachricht für die Deutsche Post. Der Dax-Konzern dürfte von der Beibehaltung der Konkurrenzlage am meisten profitieren. Die Post-Aktie legte jedoch nur leicht um 0,32 Prozent auf 17,01 Euro zu.

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Eigentlich wollte UPS den niederländischen Konkurrenten für 5,2 Milliarden Euro schlucken und damit auf dem europäischen Expressmarkt zur Deutschen Post aufschliessen. Auf eine Zustimmung der EU zu hoffen sei aus Sicht der Amerikaner inzwischen unrealistisch, schreibt TNT. Die Niederländer wollen nun wieder an ihrer eigenen Strategie arbeiten.

Entscheidung im Februar

Die Frist, bis zu der die obersten Kartellwächter Europas über den Fall entscheiden, endet am 5. Februar. Die Kommission überwacht als Aufsichtsbehörde, dass Zusammenschlüsse von Unternehmen nicht den Wettbewerb verzerren oder Konkurrenten ausschalten.

Für UPS bedeutet eine geplatzte Fusion weitere Kosten. Wenn die EU die Ablehnung beschliesst, muss der Konzern seine Offerte zurückziehen und den Niederländern eine Entschädigung von 200 Millionen Euro zahlen. Diese Summe hatten die Konzerne im vergangenen Jahr vereinbart.

Schlecht ist der geplatzte Deal auch für PostNL. Das Unternehmen war erst 2011 aus der Aufspaltung von TNT in das Briefgeschäft und die Expresssparte TNT entstanden. PostNL hält 30 Prozent der TNT-Aktien und hatte sich von dem Verkauf einen Milliardenerlös versprochen.

Bedenken der Wettbewerbshüter

Brüssel hatte von Anfang an Bedenken gegen den Milliardendeal. «Die geplante Übernahme könnte den Wettbewerb vor allem bei der Bereitstellung der schnellsten Kurierdienste zu Lasten der direkten Kunden und letztlich der europäischen Verbraucher beschränken», hatte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia gesagt. Die Kommission fürchtet, dass es nach einem Zusammenschluss zu wenig Wettbewerb in Europa geben würde, weil nur vier Unternehmen in der Region ein ähnlich breites Angebot an Luft- und Landpaketdiensten anbieten. Neben UPS und TNT sind das die Deutsche Post DHL und das US-Unternehmen FedEx.

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UPS sah das anders. «Wir haben weiterhin einen funktionierenden Wettbewerb», hatte UPS-Chef Daniel Brutto im Herbst beteuert. So stehe UPS in Deutschland auch mit DPD, GLS, Schenker sowie Kühne und Nagel bei verschiedenen Dienstleistungen in Konkurrenz. Insidern zufolge war UPS für die Fusion sogar bereit, sein Logistiknetz für Wettbewerber zu öffnen. Ausserdem wollte der Konzern angeblich Geschäftsteile verkaufen

(chb/awp)